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Montag, 24. September 2018
Ausgabe 6244 | Nr. 267 | 18. Jahrgang
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Brandschutz im Holzbau - Doppelhäuser und Reihenhäuser

# 25.03.2002

Bei Wohngebäuden geringer Höhe sind an Stelle von Brandwänden feuerbeständige Wände (in einigen Bundesländern als Gebäudeabschlusswände bezeichnet) zulässig.

Brandschutz für Doppelhaus als Reihenhaus: Grundstücksverhältnisse entscheidend

Ein Doppelhaus ist aus Sicht des Brandschutzes der Sonderfall eines Reihenhauses. Foto: Straßenansicht (NO) Ein Doppelhaus ist aus Sicht des Brandschutzes der Sonderfall eines Reihenhauses. Foto: Straßenansicht (NO)

Doppelhäuser sind ein Sonderfall der Reihenhäuser (brandschutztechnisch identische Behandlung). Für die Beurteilung der brandschutztechnisch notwendigen Maßnahmen spielen die Eigentumsverhältnisse eine große Rolle.

Hier sind zwei Fälle zu unterscheiden:

1. Zwei oder mehr Häuser auf einem Grundstück
2. Zwei oder mehr Häuser auf einem real geteilten Grundstück

1. Fall: Zwei oder mehr Häuser auf einem Grundstück

Im 1. Fall gehört das Grundstück jeweils zu ideellen Teilen den Eigentümern. Sondernutzungsrechte sind entsprechend WEG (Wohnungseigentumsgesetz) zugeteilt. Eine Trennwand zwischen zwei Wohneinheiten ist im baurechtlichen Sinne als Trennwand gem. § 27 MBO zu betrachten.

Nur bei ausgedehnten Gebäuden auf einem Grundstück ist im Maximalabstand von 40 Metern eine Brandwand vorzusehen. Einige Bundesländer, z. B. Nordrhein-Westfalen, fassen jedoch auch Reihenhäuser auf einem Grundstück als selbstständig nutzbare Gebäude auf und fordern die Qualität von Gebäudeabschlußwänden.

2. Fall: Zwei oder mehr Häuser auf einem real geteilten Grundstück

Im 2. Fall ist jedes "Teilgrundstück" selbstständig nutzbar und es gibt kein gemeinsames Eigentum. Trennwände zwischen den Häusern sind demnach generell gem. § 28 MBO als Brandwände auszuführen. Die Anforderungen und die Ausführungsmöglichkeiten der Brandwand richten sich dabei nach der Gebäudeklasse. Bei Gebäuden geringer Höhe wird eine "abgeminderte" Brandwand - die Gebäudeabschlußwand - verwendet.

Zur Gewährleistung des Brandschutzes bei Doppelhäusern ist ein Zwischenbau zur Vermeidung von Brandüberschlägen, insbesondere im Dachbereich und in der Fassade, erforderlich. Zur Gewährleistung des Brandschutzes bei Doppelhäusern ist ein Zwischenbau zur Vermeidung von Brandüberschlägen, insbesondere im Dachbereich und in der Fassade, erforderlich.

Bei Wohngebäuden geringer Höhe sind an Stelle von Brandwänden feuerbeständige Wände (in einigen Bundesländern als Gebäudeabschlusswände bezeichnet) zulässig. Diese sind bei Gebäuden geringer Höhe mit nicht mehr als zwei Wohnungseinheiten auch als Doppelwände aus brennbaren Baustoffen zulässig.

Sie müssen in der Regel eine Feuerwiderstandsdauer von innen bis zur Trennfuge von 30 Minuten und von der Fuge nach innen von 90 Minuten (F30-B/F9O-B Doppelwand) aufweisen. Eine solche Wandkonstruktion besitzt eine brandschutztechnische Qualität von "F120-B". Es findet also eine Überkompensation gegenüber der F90-Wand statt.

Auch wenn diese Wandkonstruktion nicht in allen Landesbauordnungen enthalten ist, kann sie in den meisten Fällen eingesetzt werden, wenn wegen des Brandschutzes Bedenken nicht bestehen. (Zustimmung durch die Bauaufsichtsbehörde erforderlich).

Um das jeweilige Nachbareigentum zu schützen, ist zusätzlich eine Brandausbreitung über Nebenwege zu verhindern. Dazu sind Brandüberschläge insbesondere im Dachbereich und in der Fassade zu verhindern.

Beispiel: Reihenhausanlage auf real geteilten Grundstücken

Objektbeschreibung: dreigeschossige Wohnhäuser in Holzbauweise auf real geteilten Grundstücken. Einstufung in die Gebäudeklasse B gem. Hessischer Bauordnung (HBO).

Brandszenario 1: Brandschutz der Außenfassade

Brand im Haus B. Das Haus A ist durch die Putzfassade (F90 von außen) ausreichend geschützt.

Brandszenario 2: Brandschutz der Innenwände

Brand im Haus A. Der Zwischenbau des Hauses B ist ausreichend geschützt (im "Kontaktbereich" der beiden Häuser ist eine innenliegende F30-B/F9O-B Doppelwand vorhanden).

Ein ausreichend breiter Brandüberschlag ist durch den Rücksprung im Bereich der giebelseitigen Putzfassaden gewährleistet.

Erläuterungen zur Ausführung von Haustrennwänden und Fassaden

Der Aufbau einer Haustrennwand muss nach den Vorgaben der baurechtlichen Anforderungen gemäß Bauordnung erfolgen. Der Aufbau einer Haustrennwand muss nach den Vorgaben der baurechtlichen Anforderungen gemäß Bauordnung erfolgen.
  • Die Haustrennwände wurden gem. § 30 HBO ausgeführt. Da es sich um ein Gebäude geringer Höhe handelt, sind F30-B/F9O-B Doppelwände möglich.

  • Die Giebelfassaden wurden als Putzfassaden ausgeführt. Die übrigen Fassaden als Holzfassaden. Ein Brandüberschlag wird durch die ausreichende Breite der Putzfassade verhindert.

  • Grundsätzlich sind B2 Baustoffe als Fassadenbaustoffe zulässig, wenn die Gefahr einer Brandausbreitung nicht besteht. (§ 29 HBO)

  • Der Schutz des Nachbarn ist bei Brand in eigenem Haus gewährleistet.
Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
Brandschutz im Holzbau - Grundsätze
2017-11-29 Holzbau Brandschutz Beispiele Musterbauordnung Argeholz DGfH Landesbauordnung LBO MBO megrgeschossiges Bauen Handbuch Bauobjekte Anforderungen Schutz DIN Normen Bundesvorschriften Regelwerke Schallschutz Wärmeschutz DIN 4109 EnEV Feuerwiderstand Wohnungsbau Industriebau Schulen Kindergärten Holzfassaden Reihenhäuser Doppelhäuser Holzbau Doppelhaus https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/holzbau/brandschutz-im-holzbau-doppelhaeuser-und-reihenhaeuser/717.htm 613 de-DE
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