Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 03. April 2020
Ausgabe 6801 | Nr. 94 | 19. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Prof. Dr. Stefan Winter, Dipl. Ing. Peter Löwe
Herausgeber: DGfH Innovations- und Service GmbH email-weiterempfehlendruckansicht

Brandschutz im Holzbau - Grundsätze

# 11.03.2002

Mit der folgenden Beitragsreihe Brandschutz im Holzbau sollen dem Planer in der Phase des Vorentwurfes Argumentationshilfen für Gespräche mit den Bauherren, der Bauaufsicht, den zuständigen Feuerwehrdienststellen und den Versicherungen an die Hand gegeben werden. Realisierte Bauobjekte mit unterschiedlichen Brandschutzanforderungen sollen Lösungsansätze zeigen.

Einleitung

Die sich zur Zeit in Novellierung befindende Musterbauordnung (MBO) und daran anschließend die Landesbauordnungen (LBO´s) eröffnen neue Möglichkeiten für das mehrgeschossige Bauen in Holz. Unterstützt wird dies durch die positiven Erkenntnisse des abgeschlossenen Forschungsvorhabens "Theoretische und experimentelle Grundlagenuntersuchungen zum Brandschutz bei Gebäuden der Gebäudeklasse 4 (1) in Holzbauweise" [1].

Aber nicht nur das mehrgeschossige Bauen in Holz stellt besondere Anforderungen an den baulichen Brandschutz. Auch verschiedene andere Konstruktionen oder Nutzungen, die nicht alleine nach der LBO´s zu beurteilen sind, angefangen von der "einfachen" Fassade über das "alltägliche" Reihenhaus mit Aufstockung bis hin zum Industriebau bedingen z.T. nicht unerhebliche Anforderungen an den vorbeugenden baulichen Brandschutz.

Mit der vorliegenden Folge des holzbau handbuch sollen dem Planer in der Phase des Vorentwurfes Argumentationshilfen für Gespräche mit den Bauherren, der Bauaufsicht, den zuständigen Feuerwehrdienststellen und den Versicherungen an die Hand gegeben werden. Anhand von verschiedenen realisierten Bauobjekten mit unterschiedlichen Brandschutzanforderungen sollen Lösungsansätze gezeigt werden.

Die Beispiele zeigen exemplarisch verschiedene Lösungswege für den vorbeugenden baulichen Brandschutz. Die wesentlichen Bestandteile der Brandschutzkonzepte und -maßnahmen werden vorgestellt.

Ziele des Brandschutzes

  • Schutz von Menschen und Tieren
  • Sachschutz und Objektschutz
  • Umweltschutz

Um die Schutzziele zu erreichen sind:
  • der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch vorzubeugen sowie
  • wirksame Maßnahmen zur Brandbekämpfung zu ermöglichen


Grundsätze des Brandschutzes
Der bauliche Brandschutz kann bei der Vielfalt der gestellten und denkbaren Bauaufgaben ein sehr komplexes Themengebiet sein. Die Grundlagen des baulichen Brandschutzes sind im holzbau handbuch Reihe 3 Teil 4 Folge 1 - Grundlagen des Brandschutzes [3] ausführlich erläutert.

Der Brandschutz ist wesentlicher Bestandteil der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Aus diesem Grund werden vom Gesetzgeber Regeln für die Beschaffenheit von Bauwerken und Bauprodukten eingeführt. Diese Regeln sind in der MBO sowie der entsprechenden LBO´s niedergeschrieben.

Grundsätzlich fordert § 3 MBO:

Tab. 1.1 - Gebräuchliche Vorschriften mit brandschutztechnischer Bedeutung Tab. 1.1 - Gebräuchliche Vorschriften mit brandschutztechnischer Bedeutung

"Bauliche Anlagen sowie andere Anlagen und Einrichtungen im Sinne von § 1 Abs. 1 Satz 2 sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instandzuhalten, dass die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit oder die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden."

Diese Anforderung wird in Bezug auf den Brandschutz in § 17 MBO spezifiziert:
"Bauliche Anlagen müssen so beschaffen sein, daß der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind."...

In § 17 MBO werden damit die grundlegenden Schutzzeile sowie die wesentlichen Möglichkeiten zum Erreichen der Ziele genannt.

Nur für den vorbeugenden, baulichen Brandschutz werden in der LBO´s zusätzlich konkrete Vorgaben zum Erreichen der Schutzziele aufgestellt.

Im Vergleich dazu werden für den Schallschutz oder den Wärmeschutz nur Schutzziele vorgegeben. Lösungsmöglichkeiten sind in anderen Regelwerken oder Verordnungen zu finden, z. B. Schallschutz DIN 4109 oder Wärmeschutz – EnEV.

Ergänzend zu den Forderungen an den baulichen Brandschutz aus der jeweiligen LBO´s bestehen technische Regeln, welche die Umsetzung von brandschutztechnischen Aufgabenstellungen standardisieren. Exemplarisch seien genannt:

  • Muster einer Feuerungsverordnung (FeuV0)/
  • Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Leitungsanlagen-Muster Leitungsanlagenrichtlinie (MLAR)


Für Bauten besonderer Art und Nutzung gibt es Ergänzungsvorschriften zu der jeweiligen LBO´s. Diese müssen in den einzelnen Bundesländern bauaufsichtlich eingeführt sein (2), z. B.
  • Muster einer Verordnung über den Bau und Betrieb von Garagen; Muster-Garagenverordnung (MGarVO)
  • Muster-Schulbaurichtlinie (MSchulbauR)
  • Krankenhausbauverordnung (KhBauV0)
  • Muster für Richtlinien für die bauaufsichtliche Behandlung von Hochhäusern (MHochhausRL)
  • Muster-Verkaufsstättenverord nung (MVkV0)
  • Richtlinie über den Bau und Betrieb von Versammlungsstätten (VstättR)


Die Bauordnungen (LBO´s) und die ergänzenden Vorschriften beschreiben i. d. R. eine Möglichkeit, den vorbeugenden baulichen Brandschutz zu erfüllen.

Sie bieten damit ein Konzept als Standard, dass für viele höchst unterschiedliche Gebäude passen soll - ein Brandschutzkonzept von der Stange zur Erfüllung der Anforderungen des § 17 MBO.

Es gibt aber in Abweichung zum oben Genannten auch Wege, um die Anforderungen zu erfüllen. Dazu - und grundsätzlich bei allen Sonderbauten - ist ein Brandschutzkonzept erforderlich. Dieses Konzept wird individuell auf die Anforderungen des Gebäudes abgestimmt und muß von der zuständigen Genehmigungsbehörde zur Durchführung genehmigt werden. Die vorliegende Broschüre soll zu maßgeschneiderten Lösungen anregen und die Planer in der Entwurfsphase unterstützen.

Viele der gezeigten Beispiele zeigen Sonderlösungen, die von den angebotenen Lösungsmöglichkeiten der LBO´s und ihren dazugehörigen Vorschriften abweichen und dennoch die Forderungen des § 17 MBO erfüllen.

Selten ist nur der Feuerwiderstand der Bauteile maßgebend. Oft sind andere Maßnahmen für das Erreichen der Schutzziele wichtiger. Lösungen für folgende Bauaufgaben werden vorgestellt:

  • Doppelhäuser und Reihenhaus anlagen
  • Mehrgeschossiger Wohnungsbau
  • Holzfassaden
  • Industrie- und Gewerbebauten
  • Messe und Ausstellung
  • Schulen, Kindergärten und öffentliche Bauten




Legende: ( )
(1) ...Gebäude mittlerer Höhe nach §2, Abs.3, Satz 2 bis zu 13 m und Nutzungseinheiten mit jeweils nicht mehr als 400m² in einem Geschoss
(2) Musterverordnungen weisen selbst keinerlei Verbindlichkeiten auf und werden erst durch die bauaufsichtliche Einführung in den Ländern zur eingeführten technischen Baubestimmung, die ergänzend zur LBO jeweils zu beachten sind.

Literaturhinweise: [ ]
[1] Hosser, D.; et. al.: Theoretische und experimentelle Grundlagenuntersuchungen zu Brandschutz bei mehrgeschossigen Gebäuden in Holzbauweise. Abschlußbericht, Braunschweig, Darmstadt, 2001-01
[3] Winter, S.: INFORMATIONSDIENST HOLZ -holzbau handbuch Reihe 3 Teil 4 Folge 1 - Grundlagen des Brandschutzes. Entwicklungsgemeinschaft Holzbau (EGH) in der Deutschen Gesellschaft für Holzforschung e.V., München, 1997-08


Technische Anfragen an:
Arbeitsgemeinschaft Holz e.V.
Postfach 30 01 41
40401 Düsseldorf

[email protected]
www.argeholz.de
Tel. 0211/47818-0
Fax 0211/452314

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