Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 22. Februar 2020
Ausgabe 6760 | Nr. 53 | 19. Jahrgang
Autor: Charlotte Jonsson
Herausgeber: Nordic Timber Council AB, Stockholm email-weiterempfehlendruckansicht

Gerichtshof in Bordeaux - Frankreich

# 25.02.2002

Der 1998 fertig gestellte Bau vereint die neueste computergestützte Konstruktion mit althergebrachten Bautraditionen

Fotografische Aufnahmen: Hayes Davidson, Schweden Fotografische Aufnahmen: Hayes Davidson, Schweden

Das Gerichtshofgebäude von Bordeaux verschmilzt die bekannte Vorliebe von Richard Rogers für das Urbane mit einem deutlichen Interesse an grüner Architektur und Dauerhaftigkeit. Das Gebäude geht auf den mittelalterlichen Charakter des historischen Stadtkerns ein. Typisch für den High Tech-Bau sind die zwischen Baumaterialien und zwischen Baugliedern hervorgehobenen Fugen mit oftmals plastischem Charakter.

Die Konstruktionstechnik des Gebäudes wird somit offen zur Schau gestellt. Auch ein Teil der angewandten Umwelttechnik ist für den Betrachter sichtbar gestaltet, wie z.B. die manuellen Sonnenschutzvorrichtungen, die Öffnungen für natürliche Lüftung usw. Da jedoch die Differentiallasten und Bedingungen von einem Gebäudeteil zum anderen variieren, sind die Fugen und Bauglieder nicht durchgehend gleichmäßig gestaltet und mußten handgezeichnet werden.

Die Kombination von Holz und Glas erzeugt eine warme und klare Umgebung. Die Verwendung von Holz, das mit Wärme und Behaglichkeit assoziiert wird, verleiht dem Gerichtshof einen humanen Charakter, wohingegen der Einsatz von Glas dem Personenverkehr innerhalb des Gebäudes Klarheit gibt. Durch das im Glas versetzte Holz gelingt es, den Bau zu entmonumentalisieren, ihm eine gewisse Freundlichkeit zu verleihen und dabei gleichzeitig eine angemessene Würde beizubehalten. Der Bau erinnert sowohl im Konzept als auch vom Eindruck her an Asplunds Gerichtsgebäude.

Detailzeichnungen: Architekten Richard Rogers Partnership, Schweden Detailzeichnungen: Architekten Richard Rogers Partnership, Schweden

Die Grundkonstruktion besteht aus einem gebogenen Schichtholzrahmen, der durch horizontal verlaufende, biegesteife Sperrholzringe verstärkt ist. Diese sind außen durch unbehandelte, 60 mm breite Bohlen aus rotem Zedernholz verkleidet, die zur Gewährleistung der Doppelkrümmungen der Konstruktion diagonal befestigt sind. Die Innenverkleidung besteht aus furniertem Birkensperrholz. Der Schall- und Wärmedämmschutz ist zwischen den zwei Schichten untergebracht.

Dank der hochmodernen Softwareprogramme, mit deren Hilfe die Sperrholzschneidmaschinen betrieben wurden, konnten die Sperrholzplatten auf 1 mm genau zugeschnitten werden.

Der Bau vereint die neueste computergestützte Konstruktion mit althergebrachten Bautraditionen. Der Entwurf und die Modellgestaltung der Bauten erfolgte mit Hilfe einer speziell auf dieses Projekt zugeschnittenen Computersoftware. Viele Gestaltungselemente mußten aufgrund ihrer Standortspezifik handgezeichnet werden. Das Sperrholz wurde mittels einer digital gesteuerten Entwurfs- und Schneidtechnik zugeschnitten und von Kunsthandwerkern am Ort befestigt.

Von Anbeginn war eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen ausführenden Firmen und Architkten für die erfolgreiche Fertigstellung dieses Kunstbaus notwendig. Gerade die Kombination von neuester Computersoftware, digitalen Produktionsmethoden und Kunsthandwerk tragen zum einmaligen Charakter dieses Bauwerks bei, das beispielhaft für den Einsatz von Nadelholz ist. Es zeigt sich, daß die Verwendung von Nadelholz einerseits eine Sache des Erforschens altertümlicher, zum Teil vergessener Baumethoden sein kann und andererseits auch durch die Erforschung und Entwicklung neuer Methoden und Herstellungsverfahren gewinnt. Dazu gehören neueste mathematische Berechnungsmethoden zur Erstellung komplexer, dreidimensionaler Krümmungen.

Das Gebäude ist mit einer Wärmetauschanlage ausgerüstet, zur der eine außenliegende Wasserfläche gehört. Mit Hilfe dieses Wasserbeckens wird die Temperatur der einströmenden Luft durch eine speziell zu diesem Zweck entworfene Kaskade reguliert. Darüberhinaus dient es als Wärmeableiter.

Das Gebäude ist mit zahlreichen passiven Umweltregelsystemen ausgerüstet. Dazu gehören z.B. eine manuell zu betätigende Sonnenschutzanlage, eine Schwerstbetonkonstruktion zur effektiven Wärmeabsorbierung, dachinstallierte Lüftungsanlagen, natürliche Konvektion usw.

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Nordic Timber Council AB, Stockholm
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