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Mittwoch, 17. Juli 2019
Ausgabe 6540 | Nr. 198 | 18. Jahrgang
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Holzbalkone: Konstruktiver Holzschutz unterstützt lange Lebensdauer

# 11.04.2014

Umweltschutz setzt Gestaltungsmöglichkeiten Grenzen. Nicht nur richtige Pflege für Erhalt entscheidend. Neben Auswahl des Holzes vor allem innovative Konstruktion und Imprägnierung wichtig

Tropenhölzer vs. heimisches Nadelholz

Der konstruktive Holzschutz für Balkone kommt vor allem an Befestigungen und Oberflächen zum Tragen. Foto: leeb-Balkone Der konstruktive Holzschutz für Balkone kommt vor allem an Befestigungen und Oberflächen zum Tragen. Foto: leeb-Balkone

Die Wahl des richtigen Holzes hat beim Bau eines Holzbalkons entscheidenden Einfluss auf die spätere Lebensdauer des Objekts sowie auf die Intensität der erforderlichen Nachbehandlungen. Während einige Holzarten in punkto Witterungsbeständigkeit eher weniger gut ausgestattet sind, eignen sich andere Holzarten stärker für den Verbau im Außenbereich.

Zu letzteren zählen Überseehölzer, welche zumeist aus tropischen Gebieten stammen. Viele einheimische Holzarten können da nicht mithalten. Neben den hohen Kosten, die Überseehölzer mit sich bringen, sind hier jedoch auch umweltschutztechnische Belange zu beachten. Gerade tropische Hölzer werden oft in Urwäldern geschlagen. Ihre Abholzung sollte in der Regel nicht unterstützt werden. Wenn Bauherren sich nicht von der Idee eines Balkons aus Tropenholz abbringen lassen können, sollten sie zumindest darauf achten, dass die notwendigen Zertifikate und das FSC-Siegel vorhanden sind.

Abgesehen davon existiert jedoch auch eine ganze Reihe an heimischen Hölzern, die sich für den Verbau im Außenbereich gut eignen. Robinie und Douglasie sowie weitere heimische Nadelholzarten weisen die notwendigen Eigenschaften auf, um eine lange Lebensdauer auch für Holzbalkone zu gewährleisten.

Holzschutz bereits bei Konstruktion beachten

Neben der Wahl des richtigen Holzes ist die im Anschluss an die Abholzung folgende Nachbehandlung von Bedeutung. So müssen die Hölzer mindestens ein bis zwei Jahre lagern und dabei durchtrocknen. Im Anschluss empfiehlt sich die weitere schonende Reduktion der Materialfeuchte mithilfe elektronisch gesteuerter Prozesse.

In Bezug auf bauliche Konstruktionen im Außenbereich, die unter Verwendung hölzerner Materialien erstellt werden, gelten gemeinhin einige Vorschriften. Der sogenannte konstruktive Holzschutz stellt eine Möglichkeit dar, wie die Lebensdauer von hölzernen Objekten im Außenbereich bereits aufgrund konstruktionsbedingter Details verlängert werden kann.

Konstruktive Holzschutzmaßnahmen zielen vor allem darauf ab, den Feuchtigkeitsgehalt der verwendeten Materialien möglichst gering zu halten. Sobald dieser durchgehend oberhalb einer Grenze von 20 Prozent liegt, ist in der Regel mit einem Schädlingsbefall zu rechnen. Hierzu gehören in erster Linie Pilze und darauffolgend später auch Insekten.

Maßnahmen, die der konstruktive Holzschutz umfasst, sehen beispielsweise vor, dass gerade waagerechte Flächen, auf denen Wasserablagerungen möglich werden, zu vermeiden sind. Auch für eine ausreichende Belüftung von hölzernen Materialien muss gesorgt werden, damit das Holz nachdem es einmal Feuchtigkeit ausgesetzt war, wieder durchtrocknen kann. Darüber hinaus sollten Risse im verbauten Holz vermieden werden, da durch diese Wasser eintreten und sich im Holz festsetzen kann.

Konstruktiver Holzschutz macht Chemie unnötig

Auch Blumenkästen und Geländer des Balkons können unter Gesichtspunkten des konstruktiven Holzschutzes geplant werden. So werden Blumenkästen in der Regel leicht schräg angebaut, damit Wasser abfließen kann.

Bei Balkonen, die unter Maßnahmen des konstruktiven Holzschutzes erbaut wurden, ist die spätere Kontrolle des Holzes gut zu bewerkstelligen. Da die einzelnen Holzteile der Konstruktion frei liegen und in der Regel zugänglich sind, können eventuelle Maßnahmen des aktiven Holzschutzes, beispielsweise durch Behandlung mit chemischen Mitteln, auch zu späteren Zeitpunkten noch ergriffen werden.

In der Regel ist eine solche, häufig auch aus umweltschutztechnischen Gründen unerwünschte Vorgehensweise jedoch nicht notwendig. Studien haben erwiesen, dass konstruktive Holzschutzmaßnahmen allein ausreichen können, um eine lange Lebensdauer von im Außenbereich verbauten Hölzern auch ohne den Einsatz chemischer Mittel zu gewährleisten.

Imprägnierung muss nicht giftig sein

Neben den Auswirkungen der richtigen Holzauswahl sowie den Möglichkeiten für konstruktiven Holzschutz, kann auch die Imprägnierung des Materials von entscheidender Bedeutung sein. Hiermit sind in erster Linie diejenigen Verfahren gemeint, die eine Behandlung des Holzes vorsehen, um seine Lebensdauer zu erhöhen. Dies müssen nicht immer bedenkliche Lacke und giftige Substanzen sein. Der Schutz kann auch auf alleiniger Wasserbasis stattfinden.

Gerade Balkone, die bereits eine ganze Weile in Betrieb sind und dementsprechend nicht nach heutigen Standards und Erkenntnissen konstruiert wurden, können von einer sogenannten Nachbehandlung profitieren. Während giftige Substanzen und Lacke, die zumeist vor Pilzbefall, Insekten und Schimmel schützen sollen, mit Vorsicht zu genießen sind, dienen andere Lacke beispielsweise nur der Farberneuerung.

Farberneuerung nicht immer vermeidbar

Durch Witterungseinflüsse können Hölzer im Außenbereich schnell ausbleichen, was für das Holz an sich keinen Schaden bedeutet, optisch aber oft keinen schönen Eindruck hinterlässt. In diesem Fall kann eine farbliche Nachbehandlung des Materials durchaus angemessen sein, um die Freude am eigenen Balkon nicht zu trüben.

Wichtig ist jedoch auch hier, bei der Auswahl der Farben auf deren Umweltverträglichkeit zu achten. Auch hinsichtlich derartiger Probleme empfiehlt es sich, direkt in der Bauplanungsphase mit einem Fachmann zu kooperieren.

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