Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 05. Dezember 2019
Ausgabe 6681 | Nr. 339 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Holzbau: vereinfachter Eurocode 5 herausgegeben

# 08.08.2014

Ingenieurkammer und VPI zeigen Alternative zu umfassendem Regelwerk auf. Verfasser beschränken Inhalt auf überwiegende Anwendungen. Richtlinie liefert Blaupause für praxistauglichere Normgebung

Eurocodes seit Veröffentlichung in der Kritik

Das vereinfachte Regelwerk Richtlinie Holzbau wurde von der Ingenieurkammer-Bau und dem VPI aus NRW herausgegeben. Grafik: Büro Grotesk Das vereinfachte Regelwerk Richtlinie Holzbau wurde von der Ingenieurkammer-Bau und dem VPI aus NRW herausgegeben. Grafik: Büro Grotesk

Die Zugehörigkeit zur EU ist in Deutschland unumstritten, vor allem weil sie etwaige Handelshemmnisse beseitigt und die Volkswirtschaften zusammenwachsen lässt. Dazu gehört auch das in den vergangenen Jahren geschaffene europaweite Normgebungsverfahren, welches sich in den verschiedenen Eurocodes niederschlägt, die für alle Ingenieure im Bauwesen bedeutende Arbeitsgrundlage sind. Allerdings ist die Veröffentlichung der Eurocode-Reihe 2008 nicht ohne Kritik geblieben. Die Praxis fand die Normen, vor allem bezogen auf die Bemessungsregeln, für die meisten Anwendungsfälle zu komplex und überfrachtet.

Die Mitglieder der Ingenieurkammer-Bau NRW und der Vereinigung der Prüfingenieure für Baustatik NRW hielten mit ihrer Kritik nicht hinter dem Berg. Am Beispiel der Holzbau-Norm DIN 1052-2008 setzten sie ein Pilotprojekt auf, wobei sich um eine praxisorientierte Anpassung der Normen bemüht werden sollte. In einem Wettbewerb wurde 2010 die Erarbeitung einer praxisgerechteren Gestaltung der Holzbaunorm ausgelobt. Maßgabe war es, die Norm zu entschlacken und dennoch eine gesicherte Grundlage für die Arbeit der Ingenieure zu liefern. Zudem sollte das Konzept auch auf andere Normen übertragbar sein. 43 Hochschulen mit Lehrstuhl für Holzbau sowie Institute mit demselben Forschungsschwerpunkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen am Wettbewerb teil.

Gesamte Norm nur in wenigen Fällen notwendig

Mit dem so genannten 80/20-Konzept überzeugte am Ende Werner Seim, Professor an der Universität Kassel, die Jury. 80/20-Konzept bedeutet hierbei, dass 80 Prozent der Anwendungsfälle mit nur 20 Prozent der normativen Regelungen bearbeitet werden können. Die vereinfachte Holzbaurichtlinie liegt nun vor, und die Reaktionen zeigen, dass die Praxis an diesem Werk sehr interessiert ist. "Das Richtlinienkonzept gibt einer Vielzahl an Ingenieurbüros die Chance, weiterhin als Generalisten zu arbeiten ohne den Überblick über Regeln und Vorschriften zu verlieren. Das erhöht die Qualität und senkt die Kosten", so Seim zum Nutzen der Richtlinie.

Konzept vor allem für KMU hilfreich

Das "Konzept 80/20" komme vor allem der in Deutschland charakteristischen Betriebsgröße entgegen, welche gerade im Bereich der Tragwerksplanung überwiegend Büros kleinerer und mittlerer Größe (KMU) umfasse, heißt es in den Erläuterungen zur Richtlinie. Hinsichtlich des Holzbaus gelte dies überwiegend auch für die Ausführungsbetriebe. Neben der vereinfachten Richtlinie sei der originale EC 5 weiterhin die qualitativ herausragende und weltweit führende Bemessungs- und Konstruktionsnorm für den Holzbau, in der alle wesentlichen Strukturen vom Einfamilienhaus bis zu weitgespannten Bogenkonstruktionen behandelt werden.

Vereinfachungsbeispiel könnte Schule machen

Die Grafik zeigt ein Beispiel für die Einbindung der vereinfachten Richtlinie in den Eurocode 5. Grafik: Uni Kassel Die Grafik zeigt ein Beispiel für die Einbindung der vereinfachten Richtlinie in den Eurocode 5. Grafik: Uni Kassel

Für die generelle Erstellung von Konstruktionsnormen geben die Verfasser der Richtlinie zwei Empfehlungen. Zum einen sollten Normkonzepte in Zukunft eine auf die wichtigsten Anwendungsfälle beschränkte schlanke Grundnorm schaffen (im beschriebenen Fall als "Richtlinie" bezeichnet). Vertieftes Spezialwissen zu einzelnen Bemessungsaufgaben wäre dann in entsprechenden Anhängen zu definieren. Zum anderen sollten sich Normungsgremien grundsätzlich darauf verständigen, dass keine Regel genormt wird, für die nicht gleichzeitig eine Erläuterung und eine Begründung im Konsens festgeschrieben wird. Dieses Vorgehen zwinge zur Reflexion und verbessere damit ganz entscheidend das Verständnis und die Akzeptanz neuer Regelungen in der Praxis.

Mit einem Umfang von rund 70 Seiten lässt sich die "Richtlinie Holzbau - Vereinfachte Bemessung von Holztragwerken nach DIN EN 1995:2010 -12" als Ganzes an ein bis zwei Tagen durcharbeiten (die Richtlinie selbst umfasst 42 Seiten, der Anhang fünf Seiten und die Erläuterungen zur Richtlinie und zum Anhang 22 Seiten).

Broschüre mit Zusatzinfos ab sofort bestellbar

Das Werk ist für eine Schutzgebühr von EUR 17,50 inkl. gesetzl. MwSt. und zzgl. Versandkosten erhältlich bei: Ingenieurkammer-Bau NRW, Zollhof 2, 40221 Düsseldorf. Die Holzbaurichtline kann mit einer formlosen Bestellung per E-Mail unter [email protected] angefordert werden.

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