Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 03. Dezember 2020
Ausgabe 7045 | Nr. 338 | 20. Jahrgang
Autor: Gerhard Butke
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Kampfsporthalle mit Holzfachwerkbindern in Jena

# 31.03.2005

Die Stadt Jena ist um eine sportliche Attraktivität reicher. Im Sportzentrum der Friedrich Schiller-Universität wurden eine neue Kampfsporthalle, eine Kunststofflaufbahn der Leichathletikanlage und ein neuer Rasenfußballplatz eingeweiht. Die Investitionskosten betrugen etwa 2,7 Millionen Euro.

Verbindung mit vorhandenem Gebäude

Besonders stolz sind die Bauherren auf die Kampfsporthalle, die vom Architekturbüro Voigt aus Jena geplant wurde. Ausgangspunkt bildete hierbei die Verbindung des vorhandenen Gebäudes des Universitätssportvereins (USV) mit der neuen Halle. Der Haupteingang erfolgt über ein um 25° zum Altgebäude gedrehtes Foyer. Gegründet ist die neue Halle auf einer 10 cm Kiesschicht, einer 5 cm Sauberkeitsschicht, PE-Folie und einer 25 cm starken Stahlbeton-Bodenplatte. Für die Mauerwerkswände wurden Streifenfundamente und für die Stützen Einzelfundamente aus Stahlbeton erstellt.

Moderne Befestigungstechnik

Abb. 1 - Innenansicht der Kampfsporthalle Abb. 1 - Innenansicht der Kampfsporthalle

Eine besondere Herausforderung bedeutete die Planung, Herstellung, Lieferung und Montage der stützfreien Hallendach-Tragwerkskonstruktion. Mit der Auftragsvergabe bekam der Holzbaubetrieb Otto aus Kromsdorf die Vorgabe, in nur vier Tagen sieben Fachwerkbinder von 15 Metern Spannweite in Sichtholzqualität aus Brettschichtholz fix und fertig zu liefern. Dies erforderte viel handwerkliches Können und modernste Fertigungstechnik. Die Knotenpunkte des Fachwerkes waren konstruktiv so ausgebildet, dass die Hölzer an den Enden geschlitzt werden mussten. In diese Schlitze sollten Stahlbleche eingefügt werden. Als nächster Arbeitsschritt wären das Vorbohren der mehrschnittigen Holz/Blechknoten und das Einpassen der traditionellen Dübel erfolgt. Aufgrund des enormen Termindrucks suchte der Verarbeiter nach einem neuen Lösungskonzept. Mit dem selbst bohrenden Stahldübelsystem WS von der Firma SFS intec fand er eine wirtschaftliche Alternative, die ihm einen schnellen und wirtschaftlichen Fertigungsprozess ermöglichte.

WS - ein selbst bohrendes Stabdübelsystem

Abb. 2 - Anwendungsmöglichkeiten für das WS-Stabdübelsystem Abb. 2 - Anwendungsmöglichkeiten für das WS-Stabdübelsystem

Wie die Firma SFS intec mitteilte, ist das WS-System speziell für die Herstellung von Fachwerk-Knoten entwickelt worden und zeichnet sich besonders durch gute Passgenauigkeit aus. Zum System gehören neben den selbst bohrenden Stabdübeln die Setzgeräte CF WS/P und CF WS/M. Das Rahmensetzgerät CF WS/P mit Pneumatikunterstützung eignet sich besonders für umfangreiche und größere Anwendungen, während die Stabdübel bei kleineren Anwendungen sicher mit dem Handsetzgerät CF WS/M gesetzt werden. In der Regel werden die Dübel plan oder leicht versenkt eingedreht, durch den Tiefenanschlag können sie aber auch einfach gleichmäßig überstehend oder tiefer liegend versetzt werden. Für horizontale Anschlüsse auf der Baustelle können die selbst bohrenden Stabdübel auch mit einem geeigneten Bohrschrauber verarbeitet werden.

2600 selbst bohrende Stabdübel verarbeitet

Abb. 3 - Pneumatisches Rahmensetzgerät CF WS/P zum Einbringen der Stabdübel Abb. 3 - Pneumatisches Rahmensetzgerät CF WS/P zum Einbringen der Stabdübel

Die Handwerker arbeiteten in der Zimmerei mit dem pneumatischen Rahmensetzgerät CF WS/P, das die Firma Otto eigens für diesen Auftrag von SFS intec angemietet hatte. Mit Hilfe eines Kettenstemmers trieb man zunächst die Schlitze in das Holz, setzte die Bleche ein, fixierte sie und fügte dann den Binder zusammen. Danach übertrug ein Zimmermann mit Hilfe von Schablonen das Stabdübelsetzmuster auf die Knotenpunkte der Binder. In einem Arbeitsgang durchdrangen die Dübel das mehrschnittige Holz/Stahlpaket. So reduzierte das WS-System den Fertigungsprozess auf wenige Arbeitsschritte. Bis zu drei Stahlbleche mit einer Stärke von je 5 Millimeter können durchbohrt werden. Die Holzoberfläche auf der Rückseite wird nicht durchstoßen. Es entfallen das aufwändige Vorbohren von Holz und Stahl und das unerlässliche Nachbessern. Bis zu 150 Stabdübel können pro Stunde ohne nennenswerte Bohrschraubenausfälle eingetrieben werden. Dabei ergibt die formschlüssige Direktsetzung höchste Passgenauigkeit. Insgesamt 2600 selbst bohrende Stabdübel waren erforderlich, um die Fachwerksknoten für die Kampfsporthallen-Tragwerkskonstruktion in Jena kraftschlüssig und schlupffrei zu verbinden.

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Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
SFS intec GmbH & Co. KG
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