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Montag, 24. September 2018
Ausgabe 6244 | Nr. 267 | 18. Jahrgang
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Neues Sanierungsverfahren für Holzbalkendecken

# 19.05.2005

Wenn die Holzbalkendecke dröhnt und die Gläser im Schrank klirren, dann rücken für so manchen die Reize einer Altbauwohnung in den Hintergrund. Prof. Dr.-Ing. Gerhard Berg hat an der Fakultät Bauwesen der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen ein neues Sanierungsverfahren entwickelt und zum Patent angemeldet. Der Schall- und Erschütterungsschutz gegenüber herkömmlichen Methoden wird dabei erheblich verbessert – bei geringen Mehrkosten im Rahmen einer Renovierung

Die so genannte Unterspannte Holzbalkendecke wurde auch in der Erfindersendung "Einfach Genial" des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) vorgestellt. Ein Fernsehteam hatte die Arbeiten in einer Hildesheimer Wohnung sowie im Labor für Holztechnik der Fachhochschule begleitet. Schnell liegen die Nerven blank, wo permanenter Lärm und Erschütterungen von oben den Hausfrieden stören. Betroffen sind vornehmlich Altbauten mit Holzbalkendecken. Jeder Schritt bringt die Balken zum Schwingen. Die bisher angewendeten Sanierungsmethoden verbessern zwar den Schallschutz, den Erschütterungsschutz aber meistens nicht. Seitliche Verstärkungen der Holzbalken können Abhilfe schaffen, erfordern aber das Öffnen und Entkernen der Deckengefache. Vor diesem Aufwand schrecken viele Bauherren und Hauseigentümer zurück.

Die Abbildung zeigt das Verfahren der unterspannten Holzbalkendecke im Querschnitt, Abbildung: Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen Die Abbildung zeigt das Verfahren der unterspannten Holzbalkendecke im Querschnitt, Abbildung: Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen

Gerhard Berg, bis 2003 Professor für Bauphysik und Baubetrieb, leitet heute die Schallschutzprüfstelle im Institut für Prüfung und Forschung im Bauwesen an der Fachhochschule. Sein neues Verfahren funktioniert einfacher, sauberer sowie kostengünstiger und zwar ausschließlich an der Unterseite der Decke: Zunächst wird der Verlauf der Deckenbalken im unteren Raum markiert. Unter jeden Balken wird mit Hilfe einer Stütze eine Bohle so fest gedrückt, dass der Balken eine Unterspannung bekommt. Balken und Bohle werden sodann schubfest im Winkel von 45 Grad verschraubt. Es entsteht eine Art versteckter Fachwerkträger, der die Konstruktion außerordentlich stabil und nahezu schwingungsfrei macht. Anschließend wird, wie bisher auch, eine federnd abgehängte Unterdecke montiert. In die Hohlräume kommen Dämmplatten. Dann fehlt nur noch ein neuer Anstrich. Die unterspannte Holzbalkendecke hat eine Höhe von lediglich sieben bis acht Zentimetern. Das Verfahren ist im Labor für Holztechnik und durch Schallmessungen am Bau auch im Rahmen verschiedener Diplomarbeiten auf seine Wirksamkeit getestet worden. Erreicht werden damit eine deutliche Erhöhung der Tragfähigkeit und des Erschütterungsschutzes.

Beim Schallschutz werden die erhöhten Normanforderungen erfüllt. Im Vergleich zu einer Unterdecke in herkömmlicher Konstruktion kostet die unterspannte Decke rund 40 bis 50 Euro pro Quadratmeter mehr. Die Vermarktung des neuen Verfahrens für den Raum Hannover hat Diplom-Ingenieur Stefan Müller übernommen. Urheber Berg sieht sehr gute Marktchancen, denn es eröffnet kleinen und mittleren Unternehmen im Holz- und Trockenbau neue Tätigkeitsfelder in der Sanierung, weil bei Mietern und Hausbesitzern wieder Ruhe in den vier Wänden einkehren könnte.

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