Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 11. April 2021
Ausgabe 7174 | Nr. 101 | 20. Jahrgang
Autor: Kim-Astrid Magister, Christian Wieg
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Spanloses Verformen verfestigt Holz

# 28.08.2006

Neue Technologie zum dreidimensionalen Verformen von Holz an der TU Dresden entwickelt

Rohrprofile eignen sich besonders für materialsparende tragende Bauteile, weil die zur Verfügung stehende Holzmenge nur für die Rohrwandstärke benötigt wird, Foto: TU Dresden Rohrprofile eignen sich besonders für materialsparende tragende Bauteile, weil die zur Verfügung stehende Holzmenge nur für die Rohrwandstärke benötigt wird, Foto: TU Dresden

Als nachwachsender Rohstoff ist Holz für das umweltverträgliche Bauen der Zukunft besonders attraktiv. Bisher wurde Bauholz aus Stämmen herausgeschnitten und eine durchschnittliche Ausbeute von 50 bis 60 Prozent erreicht. Der Rest war Verschnitt. Mit dem neuen Verfahren der Technischen Universität (TU) Dresden könne ein gefällter Stamm fast vollständig verarbeitet werden. Der "Mehrgewinn" des Materials liegt darin, die zur Verfügung stehende Menge an Holz in einer bestimmten Weise anzuordnen. Die Holzstücke werden unter hohem Druck und ca. 140 Grad Celsius zusammengepresst und die winzigen Fasern dabei verdichtet. Die Teile sind dann nur noch etwa halb so groß, wesentlich fester, dichter und steifer als im ursprünglichen Zustand. Vor allem Nadelhölzer werden gepresst, um höhere Festigkeiten zu erzielen.

"Balkenanschluss" aus gebogener Buche, Foto: TU Dresden "Balkenanschluss" aus gebogener Buche, Foto: TU Dresden

Die gepressten Holzstücken werden dann in Scheiben abgeschnitten und anschließend wieder zusammengeleimt. So entstehen beliebig große Bretter oder Platten, die je nach Bedarf gebogen, gewölbt oder anderweitig geformt werden können. Bei so gebogenen Rohren beispielsweise kann im Vergleich zum Vollkörper 70 bis 80 Prozent des Materials eingespart werden. Dies ergibt sich, weil man Verschnitt im Sägewerk vermeidet und ein Profilquerschnitt in Röhrenform hinsichtlich Traglast effizienter ist als beispielsweise ein Rundholz, so die Hochschule. Rohrprofile eignen sich besonders für materialsparende tragende Bauteile, weil die zur Verfügung stehende Holzmenge nur für die Rohrwandstärke benötigt wird. Dadurch kann ein sehr großer Bauteil-Durchmesser aus einer vergleichsweise geringen Menge Holz hergestellt werden.

Diese Technologie, Holz zu bearbeiten und zu verformen, ohne dass es unter einem hohen Biegedruck bricht, wurde am Lehrstuhl für Ingenieurholzbau und baukonstruktives Entwerfen unter der Leitung von Prof. Peer Haller entwickelt. Prof. Haller wurde jetzt für seine Innovation mit dem Wilhelm-Klauditz-Preis ausgezeichnet.

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