Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 18. Juli 2018
Ausgabe 6176 | Nr. 199 | 17. Jahrgang
Autor: 
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst bauingenieur24 Informationsdienst Jobs Stellenangebote Stellen Stellenanzeigen email-weiterempfehlendruckansicht

Serieller Wohnungsbau: Bauindustrie drückt aufs Tempo

# 10.07.2018

Hauptverband fordert Planung und Zulassung von deutschlandweit umsetzbaren Prototypen. Kritik an Landesbauverordnungen und Förderbedingungen. Diskrepanz zwischen Genehmigungen und Fertigstellungen auf Grundstücksspekulation zurückgeführt

Bauindustrie stellt Einzelproduktion infrage

Der serielle Wohnungsbau wird von der deutschen Bauindustrie verstärkt angestrebt. Foto: Fabian Hesse / bauingenieur24 Der serielle Wohnungsbau wird von der deutschen Bauindustrie verstärkt angestrebt. Foto: Fabian Hesse / bauingenieur24

Der Traum vom eigenen Haus kann für jeden Bauherrn etwas anderes bedeuten. Ginge es jedoch nach Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, verabschiedet man sich in Deutschland in nicht allzu ferner Zukunft immer mehr vom individuellen Einfamilienhaus.

Konkret geht es Hübner, wie bereits bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren formuliert, um die weitere Industrialisierung des Bauens und hierbei speziell um den Ausbau des seriellen Wohnungsbaus (siehe Quellen und Verweise). "Wir werden die notwendige Zahl von Mietwohnungen in kurzer Zeit, in der gewünschten Qualität und zu bezahlbaren Preisen nur realisieren können, wenn wir uns vom bisherigen Leitbild der Einzelproduktion lösen", begründet der Verbandschef seinen Ansatz.

Bau nach Prototypen soll Planung und Ausführung vereinen

Hübner dürfte den Herstellern von so genannten Typenhäusern aus der Seele reden, wenn er die Realisierung "gewünschter Kostensenkungseffekte" an die Bedingung knüpft, dass stärker als bisher Prototypen geplant werden, die dann deutschlandweit in Serie umgesetzt werden könnten.

Dabei solle auch gleich die traditionelle Trennung von Planen und Bauen überwunden werden, da beim seriellen Wohnungsbau, insbesondere beim Einsatz von Wohnmodulen, frühzeitig "Baukompetenz" vonnöten sei. Den für die Planung verantwortlichen Bauingenieuren und Architekten spricht er so indirekt die erforderlichen Kompetenzen ab.

Kritik an Vorgaben zu Lärmschutz und Barrierefreiheit

Um dem seriellen (Miet-)Wohnungsbau zum Durchbruch zu verhelfen, sieht Hübner Bund und Länder in der Pflicht. So müssten die Landesbauordnungen und die Förderbedingungen für den sozialen Wohnungsbau vereinheitlicht werden. Zudem sollte man sich endlich der "Kostentreiber", welche in den vergangenen Jahren das Bauen ständig verteuert hätten, mithilfe der bereits vorliegenden Ideen der Baukostensenkungskommission annehmen.

Konkret würde Hübner gerne die in seinen Augen zu engen Vorgaben beim Lärmschutz, der Stellplatzpflicht und der Barrierefreiheit sowie die Regularien der EnEV überprüft haben. "Wir begrüßen es, dass sich Bundesminister Seehofer zur Fortsetzung des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen entschlossen hat", gibt der Verbandspräsident sich hoffnungsvoll.

Wohnungsfertigstellungen auf Rekordniveau

Die Bauindustrie begründet ihren Wunsch nach mehr Vereinheitlichung, Standardisierung und Effizienzsteigerung beim Wohnungsbau immer wieder mit den hohen Zielen in dieser Bausparte.

Tatsächlich befand sich die Zahl der Wohnungsfertigstellungen 2017 mit 284.800 (+7.100 Wohnungen bzw. 2,6% im Vergleich zu 2016) auf dem höchsten Niveau seit 15 Jahren. Der Anteil an Wohnungen in Mehrfamilienhäusern stieg dabei laut Statistischem Bundesamt um 6,7 Prozent auf 122.800, was sogar einem Höchststand in den letzten 17 Jahren entspricht.

Hübner: Grundstücksspekulation verhindert schnellere Bebauung

Der Bauindustrie reicht das jedoch nicht. Viele Experten, darunter die Bundesregierung, erwarteten pro Jahr Fertigstellungszahlen von weit über 300.000 Einheiten, um den Bedarf insbesondere in Ballungsgebieten decken zu können. Gleichzeitig lagen die Genehmigungszahlen im gesamten Wohnungsbau in den letzten beiden Jahren deutlich höher als die der Fertigstellungen (375.400 in 2016 und 347.900 in 2017).

Peter Hübner sieht eine der Ursachen für diese Diskrepanz in der Zunahme von Grundstücksspekulationen. Vorhandenes Bauland werde bewusst nicht bebaut sondern immer wieder teurer weiterverkauft. Hübner appelliert an die Politik, gegen die mittlerweile verbreitete Praxis der "Genehmigung zum Weiterverkauf" vorzugehen.

Wohnungsbau Hauptverband Bauindustrie Serieller Modulbau Prototypenhaubau Landesbauverordnungen Förderbedingungen Grundstücksspekulation Fertigstellungen Baugenehmigungen Bauplanung Bauausführung Lärmschutz Barrierefreiheit EnEV Stellplatzpflicht Peter Hübner Bauunternehmen Immobilien Wohnungsbau https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/immobilien/serieller-wohnungsbau-bauindustrie-drueckt-aufs-tempo/3053.htm 527 de-DE
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/3053