Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 12. Mai 2021
Ausgabe 7205 | Nr. 132 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse M.A.
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Auftragsrekord: Bauwirtschaft 2019 erneut gewachsen

# 03.03.2020

Insgesamt Bauleistungen für 86,1 Milliarden Euro geordert. Umsatz steigt auf 135 Milliarden Euro. Öffentliche Aufträge zuletzt rückläufig. Hauptverband sieht Personalmangel und Start der Autobahn GmbH als Hemmnisse

Bauunternehmen übertreffen Höchstumsätze aus Vorjahr

Die bauwirtschaftlichen Umsätze und Aufträge haben in den letzten Jahren neue Höhen erreicht. Foto: Stihl024 / Pixelio Die bauwirtschaftlichen Umsätze und Aufträge haben in den letzten Jahren neue Höhen erreicht. Foto: Stihl024 / Pixelio

Die Bauindustrie im Jahr 2018 in Zahlen: 127 Milliarden Euro Umsatz, Aufträge für 79,5 Milliarden Euro und einen Zuwachs der Beschäftigtenzahl um 25.000 auf 837.000 Personen. (siehe Quellen und Verweise).

Insgesamt war allenthalben von Höchstleistungen die Rede. Und 2019? Ging da noch mehr? Ein klares Ja.

"Die Bauunternehmen haben es geschafft, das ausgesprochen gute Vorjahresergebnis noch zu übertreffen. Sie haben sowohl ihren Umsatz als auch die Zahl ihrer Beschäftigten weiter erhöht", zog der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel, nach Auswertung des aktuellen Zahlenbildes Bilanz.

Reales Bauwirtschaftswachstum von 1,7 Prozent

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erwirtschafteten die Betriebe des Bauhauptgewerbes 2019 einen baugewerblichen Umsatz von nunmehr 135 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 6,7 Prozent gegenüber 2018 entspricht.

Trotz stärker gestiegener Preise, was laut Hauptverband auch durch "deutlich höhere Lohnkosten" bedingt war, ist die Bauwirtschaft real um 1,7 Prozent gewachsen.

33.000 neue Arbeitsplätze geschaffen

"Um die zusätzliche Produktion zu stemmen, haben die Betriebe ihren Personalbestand um 33.000 auf 870.000 Beschäftigte im Jahresdurchschnitt 2019 aufgestockt. Damit hat die Branche seit dem Tiefpunkt im Jahr 2009 mehr als 160.000 neue Stellen geschaffen", beschreibt Babiel die Arbeitsmarktsituation am Bau.

"Die Bauunternehmen haben somit auf die gestiegene Nachfrage nach Bauleistung reagiert und ihre Kapazitäten deutlich erhöht." Für 2020 rechnet der Branchenverband mit einem nominalen Umsatzwachstum von 5,5 Prozent. Aufgrund der aktuell nachlassenden Preissteigerungen bliebe dann ein reales Wachstum von 1,4 Prozent, so Babiel.

Auftragseingang steigt auf Rekordwert

Die positiven Aussichten für das laufende Jahr sind unter anderem auf die nach wie vor gute Auslastung und auf die vergleichsweise hohen Auftragsbestände zurückzuführen. Der Auftragseingang legte 2019 laut Statistischem Bundesamt um 8,2 Prozent auf 86,1 Milliarden Euro zu (real: + 3,2 %). Dies ist der höchste jemals gemessene Jahreswert.

Allerdings hat sich die Nachfrage im zweiten Halbjahr zunehmend weniger dynamisch entwickelt. Der Rekorddezember aus 2018 konnte 2019 nicht wiederholt werden, folglich lag in diesem Monat das eingehende Auftragsvolumen preisbereinigt um 5,0 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Straßenbaubetriebe verzeichnen mehr Stornierungen

Gegenüber dem November 2019 gingen die Bestellungen um real 4,8 Prozent zurück. Trotz der nach wie vor guten Lage, mehren sich somit die Anzeichen für ein schwächeres Wachstum in der Zukunft.

"Die Meldungen der Baubetriebe über Stornierungen und Auftragsmangel haben zugenommen, insbesondere im Straßenbau", erklärt Babiel. Die Öffentliche Hand halte sich hier nach Meinung des Hauptverbands der Bauindustrie mit Aufträgen "sehr zurück".

Bauindustrie: Umstellung auf Autobahn GmbH in Auftragsbüchern spürbar

Im März 2019 wurde die Geschäftsführung der Autobahn GmbH mit Gunther Adler (li., Personal), Anne Rethmann (mi., Finanzen) und Stephan Krenz (re., Vorsitzender) von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (2.v.l., CSU) vorgestellt. Foto: BMVI Im März 2019 wurde die Geschäftsführung der Autobahn GmbH mit Gunther Adler (li., Personal), Anne Rethmann (mi., Finanzen) und Stephan Krenz (re., Vorsitzender) von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (2.v.l., CSU) vorgestellt. Foto: BMVI

Konkret sei im Öffentlichen Bau im zweiten Halbjahr 2019 ein preisbereinigter Orderrückgang von 4,3 Prozent zu verzeichnen gewesen.

"Wir gehen davon aus, dass nicht nur die schlechte Personalausstattung in den Ämtern für diese Entwicklung verantwortlich ist, sondern auch der Umstellungsprozess auf die Autobahn GmbH", interpretiert Babiel die Lage.

Er schließt auch ein preispolitisches Kalkül nicht aus: "Wir befürchten, dass insbesondere die Kommunen durch die Reduzierung der Ausschreibungen sinkende Preise am Markt erzielen wollen." Entsprechend skeptischer würden betroffene Unternehmen auf die Entwicklung ihrer Geschäftslage im laufenden Jahr schauen.

Konjunkturumfrage: Tiefbau erwartet Verschlechterung, Hochbau bleibt optimistisch

Nahezu jedes vierte der vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) im Januar dieses Jahres befragte Tiefbauunternehmen erwartet eine Verschlechterung seiner Geschäftslage, nur jedes zehnte eine Verbesserung. Damit verschlechterte sich der Saldo binnen Jahresfrist von plus Sieben auf minus 14 Punkte.

Im Hochbau ist dagegen das Verhältnis der Pessimisten zu den Optimisten nahezu ausgeglichen. Der überwiegende Teil – Dreiviertel der Befragten – erwartet laut DIHK-Umfrage eine gleichbleibende und somit gute Geschäftslage.

Bauunternehmen wollen auch 2020 weiter einstellen

Ebenfalls eine Mehrheit der befragten Bauunternehmen plant zudem, in den kommenden zwölf Monaten zusätzliches Personal einzustellen oder den Personalbestand beizubehalten.

Der Hauptverband erwartet daher für 2020 im Jahresdurchschnitt einen weiteren Personalaufbau von 15.000 auf 885.000 Beschäftigte.

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