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Mittwoch, 26. Februar 2020
Ausgabe 6764 | Nr. 57 | 19. Jahrgang
Autor: bdt
Herausgeber: dpa email-weiterempfehlendruckansicht

Bau erwartet Pleiterekord - Erstmals unter 900.000 Beschäftigte

# 06.06.2002

Im öffentlichen Bau ging der Umsatz im ersten Quartal 2002 bundesweit um 5,6 Prozent zurück

Berlin - Auf den deutschen Baustellen wird es in diesem Jahr vermutlich einen neuen Pleiterekord geben. Wegen der anhaltenden Krise rechnet der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie damit, dass mehr als 6000 Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Im Vergleich zum bisherigen Rekordjahr 2001 wäre dies ein Anstieg um nochmals 25 Prozent. Zugleich setzte sich in den ersten Monaten des Jahres der massive Stellenabbau fort, wie der Verband am Mittwoch in Berlin mitteilte. Erstmals seit der Wiedervereinigung waren im Baugewerbe weniger als 900 000 Beschäftigte gemeldet. In Deutschland gibt es nach Schätzungen derzeit 76 000 Bauunternehmen.

Die Hoffnungen auf einen Aufschwung noch in diesem Jahr hätten sich für das Baugewerbe zerschlagen, sagte der Vizepräsident des Verbandes, Thomas Bauer. Im Frühjahr habe sich die Konjunktur- und Strukturkrise sogar noch «unerwartet zugespitzt». Nach Verbandsangaben ging der Umsatz im ersten Quartal bundesweit um 8,3 Prozent zurück. Das Minus im Westen bezifferte der Verbands-Vize auf 7,6 Prozent, im Osten auf 10,6 Prozent. «Der Aufschwung 2002 ist unmöglich geworden», sagte Bauer. Frühestens Mitte nächsten Jahres sei nun mit einer Besserung zu rechnen.

Über das Jahr hinweg rechnet der Hauptverband derzeit mit einer Durchschnittszahl von nur noch 917 000 Beschäftigten. Die Frühjahrszahlen deuteten aber darauf hin, dass es noch weniger würden. Vermutlich würden «deutlich» mehr als 40 000 Stellen verloren gehen, sagte Bauer. Im vergangenen Jahr war die Beschäftigtenzahl auf den Baustellen auf 954 000 und damit erstmals unter die Millionenmarke gesunken. Zugleich boomt auf den deutschen Baustellen die Schwarzarbeit. Kurz vor Beginn der Krise 1995 gab es am Bau noch 1,4 Millionen Beschäftigte.

Zugleich forderte Bauer die öffentliche Hand auf, wieder mehr in Baumaßnahmen zu investieren. Beim Ausbau und bei der Sanierung von Infrastruktur-Projekten wie Brücken, Straßen oder Eisenbahnstrecken gebe es einen enormen Bedarf. «Politik und Verwaltung dürfen der Baukrise nicht länger tatenlos zusehen», sagte Bauer. Gerade die ostdeutsche Wirtschaft sei noch immer wesentlich von der Bauwirtschaft geprägt.

Im öffentlichen Bau ging der Umsatz nach diesen Angaben im ersten Quartal 2002 bundesweit um 5,6 Prozent zurück. Im Wohnungsbau sowie im Wirtschaftsbau gab es sogar einen Rückgang um 9,5 beziehungsweise 9 Prozent. Um die Dauerkrise am Bau soll es am Donnerstag auf einer Veranstaltung der Bauindustrie-Verbandes gehen, zu der auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erwartet wird.

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