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Montag, 19. August 2019
Ausgabe 6573 | Nr. 231 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Bauindustrie: Mehr Aufträge und Jobs

# 11.07.2014

Zuwächse im Wohnungs- und Wirtschaftsbau lassen Beschäftigtenzahlen steigen. Niveau von vor zehn Jahren erreicht. Fachkräfte aus europäischen Krisenländern in Deutschland immer begehrter

Umsatzzuwachs von 4,5 Prozent im ersten Quartal

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie rechnet für 2014 mit knapp 770.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe. Die Zahl läge damit so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Grafik: HDB Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie rechnet für 2014 mit knapp 770.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe. Die Zahl läge damit so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Grafik: HDB

Die Zeichen stehen weiter auf Wachstum am deutschen Bau. Wie schon in den Monaten zuvor wirkte sich die günstige Witterung auch im ersten Quartal 2014 äußerst positiv auf den Umsatz aus. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) geht für die ersten drei Monate von einem Plus von über 23 Prozent aus. Der Anstieg der Auftragseingänge liegt gleichzeitig bei etwa sieben Prozent im gleichen Zeitraum. Dies lässt für das Jahr 2014 einen Umsatzzuwachs von 4,5 Prozent erwarten, heißt es aus dem Verband.

Trotz des anhaltend starken Zuwachses im Wohnungsbau, welcher nach wie vor "Treiber" der Baukonjunktur ist, geht der HDB nicht von einer Immobilienblase aus. Der Bedarf sei real, so Verbandspräsident Bauer, dafür sorgten die Zuwanderung nach Deutschland neben verstärkten Binnenwanderungen in die Ballungszentren. Sorge bereite dem Präsidenten nach wie vor die geplante Mietpreisbremse im Mietrechtsnovellierungsgesetz (MietNovG): "Der Gesetzgeber geht das Risiko ein, dass nicht nur die Mieten, sondern auch der erfreuliche Aufwärtstrend im Mietwohnungsneubau gebremst werden."

Auch der Wirtschaftsbau habe sich in den vergangenen Monaten, stabil entwickelt, berichtete Bauer. Und das trotz flauer Konjunktur im EU-Raum, ungelöster Staatsschuldenprobleme und der Ukraine-Krise. Ein nach wie vor günstiges gesamtwirtschaftliches Investitionsklima, ein zunehmender Auslastungsgrad der Kapazitäten im Verarbeitenden Gewerbe, die daraus resultierende Zunahme der Investitionsneigung und ein anziehendes Baugenehmigungsniveau, insbesondere für Fabrik- und Werkstattgebäude, sorgten dafür, dass die Bauindustrie 2014 mit einem Umsatzzuwachs im Wirtschaftsbau von nominal 3,5 Prozent rechnen könne.

Sparzwang hemmt öffentliche Investitionen

Dagegen bereite der Öffentliche Bau weiterhin Sorgen. Auf den Bund als Impulsgeber hofft man 2014 kaum; so stünden für den Verkehrswegebau im Entwurf des Bundeshaushalts 300 Millionen Euro weniger zur Verfügung als im Jahre 2013. Auch die Länder zeigten weiterhin keine ausgeprägte Investitionsneigung: Die Konsolidierung der Haushalte - Stichwort "Schuldenbremse" - steht dem Abbau des öffentlichen Investitionsstaus entgegen.

Allenfalls von den Städten und Gemeinden könnten 2014 Investitionsimpulse ausgehen. Die vielen "Haushaltssicherungskommunen" in West- und Norddeutschland seien jedoch kaum in der Lage, die angezogene Investitionsbremse zu lockern. Der Hauptverband geht deshalb davon aus, dass sich der Werteverzehr am öffentlichen Kapitalstock auch 2014 fortsetzt. Die Umsatzerwartungen seien leicht auf plus drei Prozent nach unten revidiert worden.

Beschäftigtenzahl so hoch wie vor zehn Jahren

Die aufgrund der günstigen Entwicklung im Wohnungs- und im Wirtschaftsbau generell positive Situation der deutschen Bauindustrie nützt laut HDB nicht nur den Arbeitgebern. Auch Arbeitnehmer am Bau dürften sich freuen, sei doch der beschäftigungspolitische Tiefpunkt der Branche im Jahr 2009 längst überwunden.

Im Jahresdurchschnitt 2014 würden voraussichtlich knapp 770.000 Menschen Arbeit und Brot im deutschen Bauhauptgewerbe finden, verkündete Bauer. Das seien über 10.000 mehr als 2013 und 60.000 mehr als in der Krisenzeit um 2009.

Nur noch 1900 arbeitslose Bauingenieure

"Inzwischen sehen 54 Prozent der Bauunternehmen im Fachkräftemangel das größte Risiko für ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung", nennt Bauer das Hauptproblem am Bau wie in anderen Branchen. Die Facharbeiterlücke am Bau könne auf dem deutschen Bauarbeitsmarkt kaum noch geschlossen werden, stellte er weiter fest. Die Arbeitskräftereserven seien weitgehend ausgeschöpft: Im April 2014 habe es nur noch 39.000 arbeitslose Baufacharbeiter und 1.900 arbeitslose Bauingenieure gegeben, 30.000 bzw. 1.100 weniger als im Jahr 2009.

Darüber hinaus könnten die Firmen den Abgang von Fachkräften in den Ruhestand über die Rekrutierung von Nachwuchskräften nicht mehr ausgleichen. 2013 seien schätzungsweise 16.000 Mitarbeiter in den Ruhestand gegangen. Demgegenüber standen nur 12.000 Auszubildende im ersten Lehrjahr.

Über zehn Prozent ausländische Fachkräfte

Die Zahl der in Deutschland beschäftigten ausländischen Fachkräfte steigt seit Jahren. Selbst zur Zeit der Finanzkrise wurden es mehr, 2013 lag der Zuwachs deutlich über der zehn Prozentmarke. Grafik: HDB Die Zahl der in Deutschland beschäftigten ausländischen Fachkräfte steigt seit Jahren. Selbst zur Zeit der Finanzkrise wurden es mehr, 2013 lag der Zuwachs deutlich über der zehn Prozentmarke. Grafik: HDB

Inzwischen scheinen immer mehr Unternehmen die Facharbeiterlücke durch Anwerbung von Fachkräften aus dem europäischen Ausland, insbesondere aus Spanien, Portugal und Griechenland schließen zu wollen. Im Jahr 2013 sei im Bauhauptgewerbe die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit ausländischem Pass um 11,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Damit sei der Anteil der ausländischen Mitarbeiter an den Belegschaften im September 2013 auf 10,7 Prozent angewachsen. Vier Jahre vorher seien dies erst 7,8 Prozent gewesen.

Bauer zieht insgesamt ein positives Fazit für die Beschäftigungschancen am Bau: "Der Bau ist heute wieder eine attraktive Branche. Sowohl für Facharbeiter als auch für Ingenieure. Nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus unseren europäischen Nachbarstaaten. Wer sich für anspruchsvolle technische Herausforderungen – sei es bei der Umsetzung der Energiewende oder die Ertüchtigung unserer Infrastruktur – interessiert, der findet in der Bauwirtschaft einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz."

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