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Freitag, 01. Juli 2022
Ausgabe 7620 | Nr. 182 | 21. Jahrgang
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Autor: Pressestelle
Herausgeber: Bayerische Ingenieurkammer - Bau email-weiterempfehlendruckansicht

Bauindustrie warnt vor weiterem Verlust von Arbeitsplätzen

# 11.01.2002

Der Neubau von Immobilien bleibe "das Sorgenkind" der konjunkturellen Entwicklung

Pressekonferenz der Deutschen Bauindustrie am 10.1.2002 in Berlin Pressekonferenz der Deutschen Bauindustrie am 10.1.2002 in Berlin

Berlin - Die deutsche Baukonjunktur kommt im laufenden Jahr noch nicht aus ihrer Schwächephase. Nach dem Umsatzrückgang im vergangenen Jahr um sechs bis sieben Prozent wird sich der Abwärtstrend aber verlangsamen, lautet die übereinstimmende Schätzung des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie und des Zentralverbandes der Deutschen Bauwirtschaft (ZDB).

Von Seiten der Bauindustrie sind deshalb wieder gemäßigte Töne zu hören: "... zur Jahreswende 2001/2002 (gibt es) berechtigte Hoffnungen, dass die deutsche Bauwirtschaft - zumindest in Westdeutschland -das schlimmste hinter sich hat. Wir setzen unsere Hoffnung dabei auf die allmähliche Belebung der Nachfrage nach Wirtschaftsbauten und der öffentlichen Baunachfrage in Westdeutschland" sagte der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Prof. Dr.h.c. Ignaz Walter, gestern in Berlin.

Zappenduster sieht es nach Meinung von Bauindustrie-Präsidenten im Wohnungsbau aus. Der Wohnungsneubau sei, so Walter, das Sorgenkind der konjunkturellen Entwicklung: Der Geschosswohnungsbau leide nach wie vor darunter, dass potentielle Bauherren und Anleger vor dem Hintergrund entspannter Wohnungsmärkte keine Spielräume für neue Investitionen sehen würden. Die Verschärfung des Mietrechts durch Bundesjustizministerin Däubler-Gmelin habe ihr Übriges dazu getan, um potentielle Investoren abzuschrecken. Im Eigenheimbau mache sich nach wie vor die Senkung der Einkommensgrenzen zum 1. Januar 2000 negativ bemerkbar. Der Eigenheimbau sei derzeit - anders als in früheren Jahren - kein Gegengewicht zum zyklisch schwankenden Geschosswohnungsbau; er verstärke heute den Abschwung. Lediglich die Baumaßnahmen im Bestand würden den Abschwung der Wohnungsbaukonjunktur dämpfen. Hier biete sich gerade für kleinere Unternehmen ein Markt mit guten Entwicklungschancen.

Prof. Dr. h.c. Ignaz Walter - Präsident ZDB Prof. Dr. h.c. Ignaz Walter - Präsident ZDB

In der Folge dürften im Bauhauptgewerbe erneut 40 000 bis 60 000 Arbeitsplätze wegfallen. Im letzten Jahr ist die Zahl der Beschäftigten erstmals auf weniger als eine Million gesunken. Insgesamt wurden etwa 90 000 Posten gekappt, zu gleichen Teilen im Westen und Osten der Republik. Damit beschäftigt die Branche nun noch rund 960 000 Frauen und Männer.

Der Umsatz dürfte aus Sicht des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie in diesem Jahr erneut um etwa zwei bis drei Prozent zurückgehen. In der vorigen Periode sanken die Erlöse um sieben Prozent, im Osten sogar um 12,5 Prozent. Im Wohnungsbau war das Minus bundesweit mit 17 Prozent zuletzt besonders ausgeprägt.

Der Neubau von Immobilien bleibe "das Sorgenkind" der konjunkturellen Entwicklung, klagt Walter. Von einigen Ballungszentren wie München abgesehen, sei "auch für die nähere Zukunft keine Trendwende zu erwarten".

RA Michael Knipper - Hauptgeschäftsführer ZDB RA Michael Knipper - Hauptgeschäftsführer ZDB

Im westdeutschen Wirtschaftsbau erkennt der Verband positive Ansätze für einen Aufschwung. Zum einen gewinne die Immobilienanlage nach der negativen Entwicklung an den Börsen wieder an Attraktivität. Günstig für die Errichtung von Fabrik- und Werkstattgebäuden wirke sich aus, dass die Kapazitätsauslastung im verarbeitenden Gewerbe nach wie vor hoch sei. "Zaghafte Impulse" macht Walter für die Konjunktur der Branche im öffentlichen Bau zumindest im Westen aus. Im Bundeshaushalt 2002 habe Finanzminister Hans Eichel zwar rund drei Prozent weniger für Investitionen, spezifische Zuweisungen an Länder und Gemeinden sowie für die Deutsche Bahn eingeplant als im Etat 2001. Der Hauptverband hofft jedoch, dass dies im Wahljahr "noch nicht das Ende der Fahnenstange ist". Die Parteien will er vor allem daran messen, wie sie dringend nötige Infrastrukturprojekte auf den Weg bringen. Der Verband listet dazu auf der Basis einer Umfrage bei seinen Mitgliedern 105 Projekte mit einem Volumen von 65 Milliarden Euro auf.

Walter kritisiert erneut, dass in der Vergangenheit zu viele vom Bund bereit gestellte Mittel nicht abgerufen werden konnten, weil vor allem auch bei der Bahn die nötigen Planungskapazitäten fehlten. Deshalb müsse Berlin alles tun, um den Planungsstau zu beseitigen.

Zur Lösung des Problems habe der Hauptverband vorgeschlagen, auf die Fachkompetenz der Straßenbauämter der Länder zurückzugreifen. Erste Erfolge seien hier bereits zu erkennen. Sachsen habe inzwischen damit begonnen, Arbeitsgruppen für das Gebiet "Schiene" einzurichten.

Lob zollt Walter Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig dafür, dass er sich zu einem privatwirtschaftlich organisierten Ausbauprogramm für die Autobahnen "durchgerungen" habe. Aus Sicht des Verbandes wäre es allerdings höchste Zeit, derartige Möglichkeiten auch für die Errichtung von Hochbauten zu eröffnen. In Nachbarstaaten wie den Niederlanden und Großbritannien werde dies vorgemacht.

Walter plädiert dafür, im Kampf gegen Illegalität und Kriminalität am Bau nicht nachzulassen. Die seit Anfang des Jahres geltende so genannte Bauabzugsteuer, mit der die Einbußen für den Fiskus durch einen "Quellenabzug" begrenzt werden sollen, bezeichnet der Lobbyist als einen Anfang. Zusätzliche Schritte müssten jedoch folgen. Die Gewerkschaft IG Bau schätzt, dass sich rund 400 000 illegale Beschäftigte auf hiesigen Baustellen tummeln.

Scharfe Kritik übte Walter an der Bundesregierung: "Aus einer ruhigen Hand wird schnell eine lahme Hand." Die Regierung kürze nur die Investitionen, anstatt wirklich zu sparen. Wäre die Baubranche nicht abgewürgt worden, hätte Deutschland statt des mageren Wirtschaftswachstums von 0,7 Prozent im vergangenen Jahr ein Plus von 1,7 bis 1,8 Prozent erreichen können.

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