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Freitag, 23. Februar 2018
Ausgabe 6031 | Nr. 54 | 17. Jahrgang
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Baukonjunktur 2018: Trendwende im Wohnungsbau prognostiziert

# 19.01.2018

Neubau nach jahrelangen Wachstumssprüngen laut Wirtschaftsinstitut vor Abschwung. Wachsende Investitionen in Modernisierung als Ausgleichsreaktion wahrscheinlich. Ungebremst hohe Nachfrage lässt gesamtes Bauvolumen weiter steigen

Bauhauptgewerbe 2017 mit höchsten Einnahmen seit 20 Jahren

Während das Wohnungsbauvolumen insgesamt auch 2018 voraussichtlich zulegen wird, verschieben sich die Investitionen vom Neubau in Richtung Modernisierung von Bestandsgebäuden. Grafik: DIW Berlin 2017 Während das Wohnungsbauvolumen insgesamt auch 2018 voraussichtlich zulegen wird, verschieben sich die Investitionen vom Neubau in Richtung Modernisierung von Bestandsgebäuden. Grafik: DIW Berlin 2017

2017 konnten sich Baugewerbe und Bauindustrie über teils deutliche Zuwachsraten freuen. So lagen im Oktober die Umsätze um 4,5 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. In den ersten drei Quartalen 2017 errechnete das Statistische Bundesamt sogar ein Umsatzplus von 5,6 Prozent gegenüber demselben Zeitraum des Jahres 2016.

Nachdem der Umsatz im Bauhauptgewerbe 2016 das sechste Jahr hintereinander gestiegen war, erwartet die Branche für das Gesamtjahr 2017 die höchsten Erlöse seit 20 Jahren.

Entsprechend groß war die Nachfrage nach qualifiziertem Fachpersonal. Die Zahl der am Bau Beschäftigten lag im Oktober 2,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

DIW: Bauvolumen steigt 2018 auf 392 Milliarden Euro

2018 und auch darüber hinaus bleibt die Baukonjunktur deutlich aufwärtsgerichtet. Dies ergab eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), welche jährlich vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Auftrag gegeben wird.

Den nominalen Steigerungen des Bauvolumens von 373 Milliarden Euro im Jahr 2017 auf 392 Milliarden Euro im Jahr 2018 und 414 Milliarden Euro im Jahr 2019 dürften nach DIW-Angaben daher deutlich schwächere reale Zuwächse gegenüberstehen. Die Steigerungsraten dürften 2018 bei 1,8 Prozent und 2019 bei 2,4 Prozent liegen, so die Einschätzung des Wirtschaftsinstituts.

Wohnungsbau bleibt Konjunkturmotor der Baubranche

Weiterhin bilde der Wohnungsbau das Fundament mit Wachstumsraten von real 3,5 Prozent in diesem Jahr und weiteren drei Prozent im Jahr 2019. Der öffentliche Bau werde in realer Rechnung in diesem Jahr deutlich verlieren (-1,6 Prozent) und im darauf folgenden Jahr das Niveau mit 0,6 Prozent nur leicht ausweiten.

Der gewerbliche Bau werde im laufenden Jahr zwar zunächst stagnieren (0,2 Prozent), im Jahr 2019 allerdings mit einer Ausweitung von zwei Prozent einen spürbaren Beitrag zum Wachstum der Branche leisten, so die Meinung der Forscher. Zusätzliche Nachfrage in diesem Segment verspricht der Neubau von Fabrik- und Werkstattgebäuden.

Hohe Bodenpreise und stagnierende Baugenehmigungen hemmen Neubau

Neben der weiterhin guten Entwicklung der Bauwirtschaft erwartet das DIW gleichzeitig eine Trendwende. So würden die Bauinvestitionen in Sanierungen und Modernisierungen voraussichtlich stark steigen während in den Neubau weniger als zuletzt investiert werde.

Konkret erwarten die Forscher, dass sich nach der enormen Steigerungsrate von 12,9 Prozent beim Wohnungsneubau im vorigen Jahr der Zuwachs 2018 auf acht Prozent und 2019 auf vier Prozent verlangsamen wird. Die Zuwachsraten bei Arbeiten an bestehenden Gebäuden werden der DIW-Prognose zufolge im Vergleich von 4,7 Prozent im vergangenen Jahr auf 7,4 Prozent im Jahr 2019 steigen.

Als Gründe für ein Ende des Neubaubooms werden extrem gestiegene Bodenpreise, die weitere Stagnation der Baugenehmigungen sowie eine veränderte Zinspolitik der Europäischen Zentralbank genannt.

Forscher regen Investitionszulage für Nachverdichtung an

Insgesamt geht das DIW davon aus, dass die Baufirmen ihre Umsätze im Wohnungsbau in Deutschland bis 2019 auf 243,3 Milliarden Euro steigern werden, was einem Drittel mehr als 2014 entspräche. Somit werde laut DIW die Baubranche die Konjunktur in Deutschland weiter anschieben.

Um die Investitionen im Wohnungsneubau zu fördern und vor allem dahingehend zu steuern, dass sie tatsächlich dort entstehen wo sie gebraucht werden, empfehlen die DIW-Ökonomen eine gezielte Investitionszulage für die Nachverdichtung.

Diese Förderung könne in Stadtentwicklungsgebiete fließen und damit zielgenau den Bau dringend benötigten Wohnraums unterstützen, heißt es. Eine pauschale Förderung würde dagegen in der derzeitigen konjunkturellen Lage vor allem in steigenden Preisen verpuffen.

bauingenieur24-Umfrage: Bauingenieure bestätigen positive Aussichten

Die beschriebene positive Aussicht auf das neue Baujahr 2018 wird durch die jüngste Umfrage des Berufsportals bauingenieur24 bestätigt. Hierbei gaben ganze 85 Prozent der befragten Bauingenieure an, dass sie mit einem "sehr guten" bzw. "guten" ersten Halbjahr für sich und ihr Unternehmen rechnen.

Zehn Prozent der Teilnehmer bewerten ihre Auftragslage immerhin noch als "befriedigend", lediglich fünf Prozent gehen von einem "eher schlechten" Verlauf der ersten sechs Monate in 2018 aus.

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