Fachbeiträge & Interviews
Montag, 27. September 2021
Ausgabe 7343 | Nr. 270 | 21. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Bauwirtschaft auch 2020 deutlich gewachsen

# 03.03.2021

Starkes viertes Quartal mit Rekordumsatz im November 2020. Mehrwertsteuersenkung führt zu Vorzieheffekten. Dieter Babiel nicht mehr Geschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie

Bauindustrie: Bauwirtschaft verhindert Konjunkturabsturz wie zur Finanzkrise

Foto: Auch 2020 blieb die Bauwirtschaft auf einem stabilen Wachstumskurs. Foto: Stihl024 / Pixelio Foto: Auch 2020 blieb die Bauwirtschaft auf einem stabilen Wachstumskurs. Foto: Stihl024 / Pixelio

2020 wird definitiv als wirtschaftliches Krisenjahr in Erinnerung bleiben. Allerdings hat sich nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes ein ähnlich starker Konjunkturrückgang wie in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 nicht wiederholt.

Nach Ansicht des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie lag das vor allem an der Bauwirtschaft. "Die Bauinvestitionen sind im vergangenen Jahr nominal um 3,2 Prozent gestiegen", freut sich Verbandsvizepräsident Tim Lorenz.

Wachstum trotz pandemiebedingter Behinderungen

Trotz Einschränkungen, wie vereinzelter Stilllegung von Baustellen, partiellem Ausfall ausländischer Fachkräfte durch Grenzschließungen oder fehlender Materiallieferungen und Auftragsstornierungen konnte ein preisbereinigtes Wachstum von 1,5 Prozent erreicht werden. Ohne dieses wäre das reale Bruttoinlandsprodukt laut Hauptverband um 5,7 Prozent zurückgegangen, was einen größeren Verlust als 2009 (ca. -5 %) bedeutet hätte.

Wie auch in den Jahren zuvor verlief 2020 nicht für alle Bausparten gleich. Im Wirtschaftsbau gingen die Bauinvestitionen um 0,7 Prozent zurück. "Wir befürchten, dass sich dieser Rückgang auch 2021 fortsetzen wird", so Lorenz.

Er begründet seine Einschätzung unter anderem mit "Vorzieheffekten" aufgrund der Mehrwertsteuersenkung im zweiten Halbjahr 2020. Die dadurch mehr erwirtschafteten Umsätze würden 2021 fehlen. "Für dieses Jahr gehen wir heute nur von einer nominalen Umsatzstagnation aus, real dürfte das ein Umsatzrückgang von zwei Prozent sein", so Lorenz.

Öffentliche Bauinvestitionen kompensieren Gewerbesteuerausfälle

Ganz anders sah es 2020 bei den öffentlichen Investitionen aus. Die Kompensation der Gewerbesteuerausfälle bei den Gemeinden durch Bund und Länder habe laut Hauptverband mit dazu beigetragen, dass der öffentliche Bau real um 3,3 Prozent gestiegen sei.

"Wir hoffen, dass Bund und Länder auch im laufenden Jahr den Gemeinden unter die Arme greifen werden", appelliert Lorenz. "Ansonsten könnten die negativen Finanzierungssalden der kommunalen Gesamthaushalte zu einem Investitionsstopp führen." Beim Wohnungsbau ist die Bauindustrie für 2021 optimistisch, dass sich der Anstieg der Bauinvestitionen 2020 (real: +2,1 %) fortsetzen wird.

Umsatz: Bester November-Wert seit 1990

Wie in der Gesamtwirtschaft hat auch am Bau insbesondere das letzte Quartal die Bilanz des Jahres 2020 nach oben verbessert. Dabei kam es laut Hauptverband sogar zu einem erneuten Rekord: "Die Bauunternehmen haben die gute Witterung im November 2020 genutzt, um ihre Auftragsbestände abzuarbeiten. Der Umsatz lag deutlich über dem schon hohen Vorjahresniveau und erreichte damit den höchsten gesamtdeutschen November-Wert."

Konkret stieg der baugewerbliche Umsatz im Bauhauptgewerbe im November um nominal 7,1 Prozent (real: +5,1 %). Gleichzeitig sank der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahresmonat um nominal 2,3 Prozent (real: -4,2 %). Interessant dabei: Während in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Berlin die Aufträge einbrachen, blieben alle anderen Bundesländer im Plus.

Basiseffekt relativiert Auftragsrückgang im letzten Jahr

Zieht man für die Einordnung der aktuellen Bauwirtschaft das Jahr 2019 hinzu, relativieren sich einige Zahlen. So sind in Baden-Württemberg und Berlin die Einbrüche von bis zu 50 Prozent im November 2020 vor allem auf einen Basiseffekt zurückzuführen: Die Auftragseingänge hatten im November 2019 um mehr als 55 Prozent zugelegt.

Auch der gesamtdeutsche Rückgang im Wirtschaftshochbau im November 2020 um 19,0 Prozent basiert auf diesem Effekt (Nov. 2019: +38 %). Lediglich der Straßenbau war im November 2020 mit minus 1,3 Prozent (real: -2,7 %) von einer Nachfrageschwäche betroffen, der Auftragseingang war schon im November 2019 im Minus.

Hauptverband entlässt Dieter Babiel

Während die Analyse der konjunkturellen Entwicklung beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie im Januar noch Dieter Babiel als Hauptgeschäftsführer übernommen hatte, kam dies zuletzt ungewohnter Weise dem Vizepräsidenten Wirtschaft Tim Lorenz zu.

Hintergrund ist die Tatsache, dass der Personalausschuss des Verbandspräsidiums, bestehend aus der Vizepräsidentin Jutta Beeke, den Vizepräsidenten Tim Lorenz und Matthias Jacob sowie dem Präsidenten Peter Hübner, Anfang Februar einstimmig beschlossen hat, Dieter Babiel von seiner hauptamtlichen Tätigkeit zu entbinden. Zur Ursache der Trennung wurden keinerlei Angaben gemacht. Weder der Hauptverband noch Babiel selbst haben sich bislang weitergehend zu der Sache geäußert.

Geschichts- und Politikwissenschaftler übernimmt Geschäftsführung

Als Nachfolger hat der Personalausschuss zunächst den bislang stellvertretenden Hauptgeschäftsführer, René Hagemann-Miksits, bestimmt. Hagemann-Miksits studierte in Düsseldorf Geschichte und Politikwissenschaft. Nach seinem Studium war er von 2000 bis 2005 als Referent der Abteilung Strategie und Kampagnen in der FDP-Bundesgeschäftsstelle tätig. Anschließend wechselte er zum Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).

Im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie war er von 2010 bis 2018 verantwortlich für den Bereich Politik und Koordinierung. Seit Mitte 2018 leitet er den Geschäftsbereich Technik, Bausparten und Klima.

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