Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 01. Juli 2022
Ausgabe 7620 | Nr. 182 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Pressestelle
Herausgeber: Bayerische Ingenieurkammer - Bau email-weiterempfehlendruckansicht

Bauwirtschaft im deutschsprachigen Raum stagniert

# 02.01.2002

Schlechte Noten für die deutsche Baupolitik

Basel / Innsbruck / Berlin - Die Krise in der Bauwirtschaft erreicht internationalen Ausmaße. Nicht länger verschont bleiben auch die südlichen Anrainer Deutschlands.

Mit einem Umsatzplus von 2,2 % präsentierte sich das schweizerische Bauhauptgewerbe in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres noch stabil. Doch der Eindruck täuscht. Um die Teuerungsrate bereinigt, präsentiert das Umsatzplus als schwarze Null. Zudem weisen die Daten für den Arbeitsvorrat und den Auftragseingang auch in der Schweiz nach unten. Kein Wunder also, dass sich die Schweizerische Bauwirtschaftskonferenz über die sinkende Nachfrage tief besorgt zeigt. Vor allem die Lage des Hochbaus, der allein im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 4,3% zurückging, bereitet Kopfzerbrechen. Beim Wohnungsbau beträgt das Minus in den ersten neun Monaten 3,1%. Das vierte Quartal dürfte nochmals schlechter ausgefallen sein. Da kommt ein Silberstreif am Konjunkturhorizont der Bauwirtschaftskonferenz sehr gelegen, den die BAK Konjunkturforschung Basel AG ausgemacht haben will. Die Ökonomen prognostizieren für das Jahr 2002 ein leichtes Wachstum der Bauinvestitionen. Weiterhin problematisch, weil real rückläufig, sei aber die Lage im Wohnungsbau. Aber auch der öffentliche Bau und die gewerblich-industriellen Bauinvestitionen würden nur Wachstumsraten zwischen null und einem Prozent annehmen.

So recht keine Neujahrsfreude mag in der Bauwirtschaft des östlichen Nachbarn der Schweiz aufkommen. Katerstimmung verbreitet die Österreichische Wirtschaftskammer. Während die übrige Wirtschaft im Jahr 2002 mit einem realen Wirtschaftswachstum von rund 1,7 % rechnen dürfe, fällt der Ausblick für die Tiroler Bauwirtschaft wenig erfreulich aus: "Wir gehen für 2002 von einem Rückgang der realen Wertschöpfung von 2 Prozent gegenüber 2001 aus", so der Tiroler Wirtschaftskammer-Präsident Jäger. Dieses Minus sei zwar kleiner als 2001, bedeute aber nochmaliges Schrumpfen und damit eine Rezession in dieser Branche.

Unterdessen glaubt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) den Grund für die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland zu kennen. Der Arbeitsmarkt sei zubetoniert, erklärte BDA-Präsident Hundt gegenüber der dpa. Ein besonderes Ärgernis sei das geplante Tariftreue-Gesetz. Es werde von der "gesamten deutschen Wirtschaft mit Ausnahme von Teilen der Bauwirtschaft" abgelehnt. Man wolle keinen Tarifzwang bei der öffentlichen Auftragsvergabe. Die Vergabepraxis würde unnötig verkompliziert und verteuert. Manipulationen und regionalem Protektionismus würden zudem Tür und Tor geöffnet. Hundts Sorge gilt in- und ausländische Firmen, die sich diesem "Lohndiktat" nicht unterwerfen wollten. Er fürchtet, dass diese aus dem Markt gedrängt würden. Ob sich die Bautätigkeit allein durch die Absenkung des Lohnniveaus stimulieren lässt, muss bezweifelt werden. Nachhaltige Investitionsanreize scheinen besser geeignet. Die Lösung der Krise der Bauwirtschaft, die das Statistische Bundesamt erst vor wenigen Tagen in nüchterne Zahlen fasste, duldet keinen Aufschub: Die Baunachfrage nahm demnach im Oktober im Hochbau um 5,2 % und im Tiefbau um 1,3 % gegenüber den Vorjahresniveau ab.

Schlechte Noten für die deutsche Baupolitik kommen auch aus Brüssel. Von allen Mitgliedstaaten verzeichnete Deutschland im dritten Quartal 2001 mit -9,6% den stärksten jährlichen Rückgang des Produktionsindex für das Baugewerbe.

Ihre Bewertung für diesen Fachbeitrag
0 von 5 Sternen | 0 Abstimmungen
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/467