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Dienstag, 19. Juni 2018
Ausgabe 6147 | Nr. 170 | 17. Jahrgang
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Bauwirtschaft korrigiert Umsatzprognose nach oben

# 11.06.2018

Sechs Prozent nominelles Wachstum für 2018 angepeilt. Hauptverband räumt erstmals Kapazitätsengpass im boomenden Wohnungsbau ein. Bund soll Investitionen in öffentlichen Bau der Kommunen fortführen

Bauwirtschaft soll mittelfristig stark bleiben

Sowohl für 2018 als auch für 2019 erwartet man in der Bauwirtschaft einen nominalen Umsatzzuwachs von sechs Prozent. Grafik: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie Sowohl für 2018 als auch für 2019 erwartet man in der Bauwirtschaft einen nominalen Umsatzzuwachs von sechs Prozent. Grafik: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

Von vier auf sechs. So kurz und knapp lässt sich der gesteigerte Optimismus innerhalb des Deutschen Bauhauptgewerbes ausdrücken.

War man beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie im Frühjahr noch von einem nominalen Umsatzzuwachs für 2018 von vier Prozent ausgegangen, werden nun ganze sechs Prozent als realistisch angesehen. Bei stärker steigenden Preisen als 2017 entspreche dies einem realen Wachstum von zwei Prozent.

Verbandspräsident Peter Hübner weitet diese positive Sicht sogar auf das Jahr 2019 aus und bekräftigt: "Die Bauwirtschaft bleibt auch auf mittlere Sicht eine Stütze der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland."

Bauindustrie gesteht Kapazitätsprobleme im Wohnungsbau ein

Treiber der Baukonjunktur bleibe dabei auch 2018 der Wohnungsneubau. Für den gesamten Wohnungsbau einschließlich der Modernisierung erwartet der Hauptverband ein Umsatzplus von nominal sieben Prozent. Hübner rechnet mit einem Anstieg der Fertigstellungszahlen auf bis zu 340.000 Einheiten (2017: 284.800). Die von der Bundesregierung angepeilten 375.000 Wohnungsfertigstellungen pro Jahr würden damit nicht erreicht.

Fertigstellungszahlen in dieser Größenordnung ließen sich jedoch nicht von heute auf morgen realisieren. Die Bauwirtschaft brauche Zeit, ihre Kapazitäten an das stark steigende Nachfrageniveau anzupassen.

Im Herbst letzten Jahres klang dies von Seiten des Hauptverbandes noch anders. Damals hatte der Hauptgeschäftsführer, Dieter Babiel, Kapazitätsengpässe der Bauwirtschaft als nicht existent bezeichnet. "Die Bauindustrie verfügt über ausreichende Kapazitäten, die hohe Nachfrage nach Wohnraum zu bedienen", sagte Babiel damals (siehe Quellen und Verweise).

Hübner: Standort Deutschland für Wirtschaft wieder attraktiv

Nach Einschätzung des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie hat der Wirtschaftsbau im vergangenen Jahr den Anschluss an den allgemeinen Bauaufschwung geschafft. Hübner spricht von einer "Renaissance des Investitionsstandortes Deutschland".

Als positive Wachstumsfaktoren nennt er die anhaltende Investitionsneigung des verarbeitenden Gewerbes, insbesondere der Industrie, die lebhafte Nachfrage nach Büroarbeitsplätzen, die vorsichtige Belebung beim Breitbandausbau sowie die Investitionsbereitschaft der Deutschen Bahn AG, die sowohl den Netzausbau als auch die Modernisierung ihrer Bahnhöfe vorantreibe. Der Hauptverband rechnet vor diesem Hintergrund für 2018 mit einem Umsatzplus von fünf Prozent.

2018 über 14 Milliarden Euro für Verkehrswegebau

Im öffentlichen Bau profitiere die deutsche Bauwirtschaft derzeit von der Investitionswende des Bundes im Verkehrswegebau. Von 2014 bis 2017 seien die Verkehrsinvestitionen des Bundes von 10,3 auf gut 13,4 Milliarden Euro gestiegen. Für das laufende Jahr sei ein weiterer Aufwuchs der Investitionsmittel auf 14,2 Milliarden Euro vorgesehen, weiß Hübner.

Finanzmittel stünden damit auf der Ebene des Bundes ausreichend zur Verfügung, es komme jetzt darauf an, diese Mittel auch in Projekte umzusetzen. In diesem Zusammenhang fordert Hübner von der Bundesregierung ein Planungsbeschleunigungsgesetz. "Es kann nicht sein, dass wir für den Ersatzneubau einer Brücke ähnlich viel Zeit veranschlagen müssen, wie für einen Neubau auf der grünen Wiese", kritisiert Hübner.

Bauindustrie fordert weitere Bundesunterstützung für kommunale Bautätigkeit

Im Vergleich zum Bund stecken viele Kommunen weiterhin im Investitionsstau. Zwar hätten die Städte und Gemeinden in den vergangenen Jahren ihre Ausgaben für Baumaßnahmen erhöht. Dieser Zuwachs reiche jedoch nicht aus, um den anhaltenden Werteverzehr des öffentlichen Kapitalstocks zu bremsen.

Hübner appelliert deshalb an den Bund, einen Investitionsfonds zugunsten struktur- und steuerschwacher Kommunen einzurichten. Dank der expansiven Investitionspolitik des Bundes erwartet der Hauptverband für den öffentlichen Bau insgesamt ein Umsatzplus von sechs Prozent.

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