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Donnerstag, 21. Oktober 2021
Ausgabe 7367 | Nr. 294 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Bauwirtschaft trotz vieler Unwägbarkeiten stabil

# 05.10.2021

Basiseffekte relativieren jüngsten Umsatzrückgang. Hohe private Investitionsbereitschaft steht Zurückhaltung der öffentlichen Hand gegenüber. Reichweite der Auftragsbestände erhöht sich

Basiseffekte relativieren statistische Werte der Bauwirtschaft

Statistiken zur konjunkturellen Lage der Bauwirtschaft können aufgrund von Basiseffekten mitunter nur bedingt aussagekräftig sein. Bild: S. Hofschlaeger / Pixelio Statistiken zur konjunkturellen Lage der Bauwirtschaft können aufgrund von Basiseffekten mitunter nur bedingt aussagekräftig sein. Bild: S. Hofschlaeger / Pixelio

Bei der Konjunkturanalyse der Bauwirtschaft weisen Experten immer wieder auf sogenannte Basiseffekte hin. Gemeint ist damit die Tatsache, dass die Veränderung eines Wertes, beispielsweise des Umsatzes, durch einen besonders hohen oder niedrigen Grundwert nur bedingte Aussagekraft hat.

Wirtschaftliche Statistiken aus verschiedenen Jahren sind dadurch auch nur bedingt vergleichbar. Die aktuelle Betrachtung der Konjunkturindikatoren im 1. Halbjahr 2021 durch die Bauverbände liefert gleich zwei Beispiele.

So weist Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, auf den Basiseffekt bezüglich des Umsatzrückgangs bei den Betrieben im Bauhauptgewerbe mit 20 und mehr Beschäftigten innerhalb der ersten sechs Monate 2021 hin.

Umsatz sinkt um 3,1 Prozent auf 41,3 Milliarden Euro

Zwar ergebe sich ein Minus von 3,1 Prozent auf 41,3 Milliarden Euro, was einem realen Rückgang von 6,9 Prozent entspreche (Juni: + 1,9 %, real: - 3,8 %). Doch man müsse bedenken, dass der Umsatz im Vergleichshalbjahr 2020 mit +8,1 Prozent (real: + 5,0 %) "sehr gut gelaufen" sei.

Auch hätten sich im ersten Halbjahr dieses Jahres noch die schlechte Witterung zu Jahresbeginn, die Vorzieheffekte aufgrund des Auslaufens der Mehrwertsteuersenkung Ende 2020 sowie der Preisanstieg bei den Baumaterialien negativ auf das Halbjahresergebnis ausgewirkt.

Große ÖPP-Projekte für mittelständische Bauunternehmen nicht repräsentativ

Den zweiten Fall eines aktuell zu beobachtenden Basiseffekts benennt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, mit Blick auf das größte ÖPP-Straßenbauprojekt an der A3 im Juni 2020.

Die Vergabe derartiger Aufträge sei für die Auftragslage im Straßenbau für die hier tätigen mittelständischen Bauunternehmen nicht repräsentativ. Ein derartiger Orderzugang spiegele wegen der langen Bauzeit auch nicht die Umsatzentwicklung in den nächsten Monaten wieder, so Pakleppa.

Vor diesem Hintergrund ist also das aktuelle Minus von 7,6 Prozent im Straßenbau zu betrachten. Im gesamten Öffentlichen Bau meldeten die Bauunternehmen im ersten Halbjahr 2021 einen Orderrückgang von nominal 5,0 Prozent. Tim-Oliver Müller sieht diesen Investitionsrückgang unter anderem im Wegfall der Kompensation der Gewerbesteuerausfälle bei den Kommunen durch Bund und Länder begründet.

Wohnungsbau und Wirtschaftsbau mit deutlichem Orderplus

"Aufgrund der guten Entwicklung im Wohnungsbau und im Wirtschaftsbau ergibt sich für das gesamte Bauhauptgewerbe im ersten Halbjahr aber noch ein Orderplus von nominal 4,8 Prozent und real einem Prozent", zeigt sich Müller erfreut. Mit circa 15 Prozent im Wohnungsbau und acht Prozent im Wirtschafsbau liegen die Auftragseingänge in beiden Sparten deutlich über dem Vorjahr.

Das zunehmende Auseinanderdriften der nominalen und realen Werte wird von dem Experten auf die wieder steigenden Preise für Bauleistungen zurückgeführt. Bei den vergleichsweise geringen Margen am Bau könne das leicht existenzgefährdend sein, wenn die hohen Preise nicht an die Auftraggeber weitergereicht werden.

Teure Baumaterialien und Lieferengpässe belasten Baubranche

Ein Ende des Preisanstiegs ist indes nicht in Sicht: Das Statistische Bundesamt meldete für Juli innerhalb eines Monats ein Plus bei den Erzeugerpreisen für Betonstahl von 10,6 Prozent, für Bauholz sogar von 15,2 Prozent. Insgesamt stiegen die Baupreise im Vergleich zu 2020 um 3,7 Prozent.

Problematischer als teure Baumaterialien sind hingegen gar keine Baumaterialien. Lieferengpässe hätten bereits zu Verzögerungen bei einzelnen Projekten geführt, so die Verbände. "Entsprechend hat sich die Reichweite der Auftragsbestände erhöht. Lag diese im Durchschnitt der Jahre 1995 bis 2020 bei 3,8 Monaten, waren es im Juli dieses Jahres 4,5 Monate", erläutert Tim-Oliver Müller die aktuelle Situation am Bau.

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