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Montag, 26. Oktober 2020
Ausgabe 7007 | Nr. 300 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Bauwirtschaft: Zuwanderung sichert Wachstum

# 03.02.2015

Für 2015 nominaler Umsatzzuwachs von zwei Prozent erwartet. Zahlen im Wohnungsbau weiter am besten. Konsolidierung der öffentlichen Kassen hemmt Wachstum im Öffentlichen Bau

15-Jahres-Hoch: Umsatz steigt über 100 Milliarden Euro

Nach wie vor die entscheidende Kraft im Baugewerbe ist und bleibt der Wohnungsbau. Nicht zuletzt die Zuwanderung nach Deutschland sorgt für eine anhaltend große Nachfrage. Foto: Rainer Sturm  / Pixelio Nach wie vor die entscheidende Kraft im Baugewerbe ist und bleibt der Wohnungsbau. Nicht zuletzt die Zuwanderung nach Deutschland sorgt für eine anhaltend große Nachfrage. Foto: Rainer Sturm / Pixelio

Das Jahr 2015 ist schon einige Wochen alt, die ersten verlässlichen Zahlen und Statistiken zum Vorjahr liegen vor und so lässt sich umso leichter ein Blick in die Zukunft bzw. eine Prognose für die (nur noch) elf ausstehenden Monate treffen.

Genau wie die deutschen Bauingenieure, welche dieses Magazin unlängst nach den eigenen Konjunkturaussichten befragte (siehe "Quellen und Verweise"), ist auch die deutsche Bauwirtschaft für das Baujahr 2015 zuversichtlich gestimmt. Sowohl der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) als auch der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) erwarten nach Aussage ihrer beiden Präsidenten Thomas Bauer und Hans-Hartwig Loewenstein für das laufende Jahr ein nominales Wachstum der baugewerblichen Umsätze im deutschen Bauhauptgewerbe von zwei Prozent auf 101 Milliarden Euro.

Erstmalig seit 2000 würde damit wieder die 100-Milliarden-Marke überschritten. Der Wachstumstrend bleibe daher "intakt", wenngleich das Tempo "nachgibt".

Keine Abschwächung im Wohnungsbau zu befürchten

Im Wohnungsbau sind die Verbände sich einig: Hier brummt es weiter: "Wir gehen für 2015 nicht von großen Änderungen aus", meint ZDB-Präsident Loewenstein. Als Gründe für die wohl anhaltenden Investitionen in den Wohnungsbau nannte er die anhaltend hohe Zuwanderung nach Deutschland, einen stabilen Arbeitsmarkt verbunden mit steigenden Realeinkommen der privaten Haushalte, ein historisch niedriges Hypothekenniveau sowie Minimalrenditen auf alternative, sichere Kapitalanlagen.

Trotz des deutlichen Aufwärtstrends werde bei den Fertigstellungen das bedarfsdeckende Niveau von 250.000 Wohneinheiten gerade einmal erreicht. Die Defizite aus den Vorjahren seien damit noch nicht aufgeholt. Der Umsatz des Bauhauptgewerbes in dieser Sparte werde im laufenden Jahr um drei Prozent auf 36,8 Milliarden Euro steigen, heißt es von den Verbänden.

Niedriger Ölpreis kann Wirtschaftsbau Schub verleihen

"Für den Wirtschaftsbau wird es entscheidend darauf ankommen, wie sich die Gesamtwirtschaft entwickelt", so HDB-Chef Bauer. Anhaltend niedrige Ölpreise und zulegende Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts im Jahresverlauf 2015 könnten die Entwicklung im Wirtschaftsbau dynamischer verlaufen lassen, als es sich derzeit abzeichnet.

Aus momentaner Sicht erscheine 2015 im Wirtschaftsbau allerdings nur ein nominales Umsatzplus von 1,5 Prozent auf 36,3 Milliarden realistisch.

Sparzwang hemmt öffentlichen Bau

Für den Öffentlichen Bau befürchten die Verbände, dass die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte erneut zu Lasten von Investitionen geht. "Trotz der Rekordsteuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden für 2014 zeigt ein Blick in die Vergangenheit leider, dass daraus nicht automatisch mehr Investitionen resultieren", warnten Bauer und Loewenstein.

Seit dem Vorkrisenjahr 2008 seien die Steuereinnahmen bis 2014 um 16,7 Prozent angestiegen, während das Umsatzplus im Öffentlichen Bau lediglich bei 7,4 Prozent gelegen habe. Schon jetzt sei absehbar, dass die Ausgaben des Bundes für Baumaßnahmen um 140 Millionen Euro bzw. zwei Prozent unter dem Vorjahresergebnis liegen.

Auch bei den Bundesländern sei im laufenden Jahr nur mit stagnierenden Bauausgaben zu rechnen. Lediglich die Gemeinden, auf die aktuell etwa 55 Prozent der öffentlichen Bauausgaben entfielen, würden im laufenden Jahr laut Deutschem Städtetag ihre Bauausgaben um zwei Prozent erhöhen.

"Aus heutiger Sicht müssen wir daher für den Öffentlichen Bau im Bauhauptgewerbe von einem mageren Umsatzplus von lediglich einem Prozent ausgehen, der Umsatz liegt damit bei 28 Milliarden Euro", ergänzten Bauer und Loewenstein.

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