Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 25. Februar 2020
Ausgabe 6763 | Nr. 56 | 19. Jahrgang
Autor: Manuela Schilling
Herausgeber: VUBIC e.V. email-weiterempfehlendruckansicht

Deutschen Bahnplanern droht massiver Know-how Verlust

# 08.03.2005

Consultingwirtschaft und Deutsche Bahn (DB) AG diskutieren gemeinsame Lösungsansätze bei zukünftigen Kooperationen

Angesichts der rigiden Sparpolitik der Bundesregierung bei Infrastrukturvorhaben der Deutschen Bahn AG bis zum Jahr 2008 ist ein Verlust von Bahn-Know-how bei den deutschen Ingenieurunternehmen durch Personalabbau nicht mehr aufzuhalten, so der Tenor einer Veranstaltung des VUBIC Verband Unabhängig Beratender Ingenieure und Consultants mit maßgeblichen Vertretern der DB AG im Januar 2005 im Deutschen Technikmuseum Berlin.

Die fehlenden Investitionen der Deutschen Bahn AG hatten binnen eines Jahres zu 70% Umsatzrückgang und 30 % Stellenabbau bei den betroffenen Ingenieurgesellschaften geführt. Während noch einige der 65 anwesenden Führungskräfte der deutschen Ingenieurgesellschaften, die nahezu das komplette deutsche Bahnplanungs-Know-how repräsentierten, mit Hoffnung auf neue Impulse angereist waren, war die Botschaft am Ende der Veranstaltungen, für ihre Unternehmen weitere Reduzierungen vorzunehmen.

Im Gespräch mit der DB AG wurde deutlich, dass bis einschl. 2010 keine neuen Projekte im Neu- und Ausbaubereich angegangen werden Im Gespräch mit der DB AG wurde deutlich, dass bis einschl. 2010 keine neuen Projekte im Neu- und Ausbaubereich angegangen werden

Die Bahn stellte sich offen der Diskussion, sieht sich aber im Sparkorsett der Politik gefangen. In der Diskussion mit den Vertretern der DB AG, Dr. Alexander Hedderich, Leiter Konzernentwicklung DB AG und Martin Bay, Geschäftsführer der DB Projektbau wurde deutlich, dass bis einschl. 2010 keine neuen Projekte im Neu- und Ausbaubereich angegangen werden. Zwar werde die eigene Fertigungstiefe nicht erhöht, d.h. Planungsleistungen würden auch künftig von Ingenieurgesellschaften erbracht, aber insgesamt müsse die Consultingwirtschaft auch über 2010 hinaus mit einem sinkenden Auftragsvolumen rechnen. Hinzu komme, dass die Finanzierung der wichtigsten Projekte (66er Liste) noch nicht vollständig gesichert sei. Die verbliebenen Aufträge müssten laut Bahn daher umso effizienter bearbeitet werden.

Nach diesen schonungslosen Aussagen der Bahn müssten die VUBIC-Unternehmen ihren eigenen unternehmerischen Anpassungen vornehmen, so Hans-Jörg Niemeck, Vorsitzender des VUBIC-Verkehrsausschusses. Zur Stabilisierung einer verlässlichen Investitionspolitik der Bahn hält auch er den Börsengang für richtig. Unabhängig davon seien jetzt alle Maßnahmen zur Effizienzsteigerung zu ergreifen. Hierzu zählten nach Meinung des VUBIC vor allem der Abbau von bürokratischen Hemmnissen und eine schlanke DB ProjektBau, die sich auf Bauherren-Aufgaben beschränkt.

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