Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 27. Mai 2022
Ausgabe 7585 | Nr. 147 | 21. Jahrgang
Autor: bdt
Herausgeber: dpa email-weiterempfehlendruckansicht

ifo - Bauwirtschaft bleibt Wachstumsbremse in Europa

# 09.12.2002

Impulse erhoffen sich jedoch die Experten von der Planung, Finanzierung und Realisierung von Infrastrukturprojekten durch private Unternehmen

München/Frankfurt/Main - Die schwächelnde Bauwirtschaft wird nach Einschätzung des ifo Instituts auch in den kommenden Jahren in Europa eine Wachstumsbremse bleiben. In diesem Jahr werde der Sektor wegen der Rezession in Deutschland und in anderen Staaten über Stagnation nicht hinauskommen, berichtete das Wirtschaftsforschungsinstitut am Freitag in München. Auch in Mittelosteuropa sehe es in diesem Jahr nicht gut aus. Vor allem der Wohnungsbau komme in vielen Ländern nicht voran. Der Vorsitzende der IG BAU, Klaus Wiesehügel, rechnet unterdessen wegen der fehlenden öffentlichen Investitionen mit weiter steigenden Arbeitslosenzahlen im deutschen Baugewerbe.

In den kommenden Jahren erwarten die Experten bestenfalls eine moderate Erholung. So werde das Bauvolumen 2003 in Europa nur um 0,6 Prozent wachsen. In Westeuropa liege der Anstieg mit 0,4 Prozent sogar noch darunter. Dagegen erwarten die Wirtschaftsforscher, dass die Baukonjunktur in Mittelosteuropa mit einem Zuwachs von 4,4 Prozent anspringt. Selbst mittelfristig gibt das ifo Institut keine Entwarnung. Für 2005 prognostizieren die Experten einen Anstieg des Bauvolumens in Europa von 2,0 Prozent. Damit werde der Bauanteil am Bruttoinlandsprodukt kontinuierlich weiter zurückgehen.

Impulse erhoffen sich die Experten von der Planung, Finanzierung und Realisierung von Infrastrukturprojekten durch private Unternehmen. In vielen europäischen Staaten gebe es erste Erfahrungen mit der so genannten Public-Private-Partnership. In Deutschland komme die Diskussion nur allmählich auf Touren. Die deutsche Bauwirtschaft setze aber große Erwartungen in die Privatisierung von größeren Infrastrukturprojekten. Auf diesem Weg könne insbesondere der Ausbau des Straßen- und Schienennetzes schneller vorangetrieben werden. Allerdings gebe es auch bei vielen Experten Bedenken, ob die private Realisierung wirklich effizienter sei, berichtete das ifo Institut. Man müsse erste größere Projekte abwarten, um diese wichtige Frage klären zu können.

In Deutschland sind nach Aussagen von Wiesehügel in den kommenden zwei Jahren im Bauhauptgewerbe Rückgänge von mehr als fünf Prozent zu erwarten. «Bereits in den vergangenen drei Jahren sind 250 000 Arbeitsplätze in der deutschen Bauwirtschaft verloren gegangen», sagte er am Freitag in Frankfurt/Main. Allein die von der Bundesregierung geplante Kürzung der Eigenheimzulage werde zum Verlust mehrerer 10 000 Arbeitsplätze führen. Deshalb werde die IG BAU gemeinsam mit 18 Organisationen der Bau- und Wohnungswirtschaft für den Erhalt der substanziellen Grundförderung für Wohneingentum kämpfen, kündigte Wiesenhügel an.

Gleichzeitig forderte er, bei einer eventuellen Wiedereinführung der Vermögenssteuer einen Teil der Gelder in die Infrastruktur zu stecken. Allein für den Erhalt von Straßen und Gebäuden seien jährlich 70 Milliarden Euro notwendig.

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