Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 13. November 2019
Ausgabe 6659 | Nr. 317 | 19. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Laufendes Baujahr: Wachstum in allen Bausparten

# 29.10.2019

Branche rechnet mit 137,5 Milliarden Euro Jahresumsatz. Zentralverband fordert Verstetigung von Investitionsprogrammen des Bundes. Baukindergeld für Wohnungsneubau nur bedingt wirksam

Positive Stimmung im Baugewerbe hält an

Staatliche Maßnahmen wie die erhöhten Investitionen in die Infrastrukur und das Baukindergeld sorgen derzeit für eine sehr gute Auftragslage im deutschen Baugewerbe. Foto: Bernd Sterzl / Pixelio Staatliche Maßnahmen wie die erhöhten Investitionen in die Infrastrukur und das Baukindergeld sorgen derzeit für eine sehr gute Auftragslage im deutschen Baugewerbe. Foto: Bernd Sterzl / Pixelio

Das Baujahr begann mit einer kräftigen Steigerung des baugewerblichen Umsatzes im Januar um nominal 9,9 Prozent (siehe Quellen und Verweise). Diese positive Entwicklung hatte im bisherigen Jahresverlauf Bestand, sodass für das Gesamtjahr ein Umsatzwachstum von 8,7 Prozent auf 137,5 Milliarden Euro erwartet wird.

"Wir bewerten die Lage unserer Branche weiterhin positiv, denn das Wachstum betrifft alle Bausparten", kommentiert Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) die aktuelle Baukonjunktur.

Man gehe davon aus, dass bis Jahresende 855.000 Menschen im Baugewerbe tätig sein werden, was einen Anstieg um 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2009 bedeuten würde. Für das kommende Jahr wird ein weiteres Umsatzplus, von fünf auf 145 Milliarden Euro, prognostiziert. "Das entspricht der erwarteten Preisentwicklung, damit verstetigt sich die Umsatzentwicklung", so Quast.

297.000 neue Wohnungen für 2019 prognostiziert

Im Wohnungsbau erwartet der ZDB ein Plus von neun Prozent auf 50,9 Milliarden Euro. Laut Statistischem Bundesamt wurden bis zum Juni 2019 Baugenehmigungen für rund 142.400 Wohnungen erteilt, etwa 4.500 weniger als vor Jahresfrist.

Der Rückgang betrifft vor allem den Mehrfamilienhausbau (minus 2.700 Wohneinheiten). Bis zum Juni wurden 550 Ein- und Zweifamilienhäuser weniger genehmigt als vor Jahresfrist. Insgesamt rechnen die Experten mit der Fertigstellung von 297.000 neuen Wohnungen im laufenden Jahr.

Baukindergeld fließt hauptsächlich in Bestandswohnungen

Seit 2018 können Eltern für den Kauf oder Bau der ersten eigenen Immobilie das Baukindergeld des Bundes beantragen. Foto: Thorben Wengert / pixelio Seit 2018 können Eltern für den Kauf oder Bau der ersten eigenen Immobilie das Baukindergeld des Bundes beantragen. Foto: Thorben Wengert / pixelio

Als Gründe für den niedrigeren "Output" führt der Zentralverband fehlendes Bauland und zu lange Planungs- und Genehmigungsprozesse an.

Von dem aus Bundesmitteln finanzierten "Baukindergeld", welches bislang vorrangig für den Erwerb von Bestandswohnungen genutzt worden sei, verspricht sich der Zentralverband in Zukunft mehr.

"Wir gehen davon aus, dass das Baukindergeld in den folgenden Monaten auch im Neubau Wirkung zeigt", erklärt Quast. Die zuständige Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) habe bis zum 30. Juni 2019 rund 112.000 gestellte und knapp 56.000 bewilligte Anträge zum Baukindergeld gemeldet.

Dank boomendem Dienstleistungssektor: Steigende Aufträge im Wirtschaftsbau

Nach Einschätzung des ZDB weist der Frühindikator "Baugenehmigungen" bislang im Wirtschaftsbau auf einen Rückgang der Investitionsfreude hin. Zum anderen würden jedoch die Aufträge aktuell noch ausgeweitet. Insbesondere der Dienstleistungssektor floriere und beauftrage einen Großteil der Bauinvestitionen der gewerblichen Wirtschaft.

Vor diesem Hintergrund erwartet das Baugewerbe bis zum dritten Quartal 2019 eine positive Umsatzentwicklung. Im vierten Quartal wird mit einem "Tempoverlust" gerechnet. "Wir gehen von einem Umsatzwachstum von 7,5 Prozent auf 48,6 Milliarden Euro aus," so der ZDB-Präsident.

Baufirmen profitieren deutschlandweit von öffentlichen Investitionen

Die vermehrten Investitionen der öffentlichen Hand kommen den Firmen des Baugewerbes laut Zentralverband bundesweit zugute. Daher wird hier ein Anstieg um zehn Prozent auf 38 Milliarden Euro für 2019 angepeilt. Getragen werde diese Entwicklung maßgeblich vom Tiefbau. Dessen Umsatz wird bei 30,6 Milliarden Euro veranschlagt.

Quast zeigte sich erfreut über die Festlegung langfristiger Investitionen des Bundes im Bereich der Schiene. Hier sollen vom Bundeshaushalt bis 2029 insgesamt 51,4 Milliarden Euro bereitgestellt werden. "Das ist ein richtiges Signal, welches wir für die Investitionen in die Bundesfernstraßen und Wasserstraßen ebenfalls benötigen."

ZDB: Kommunale Infrastruktur auf Verschleiß gefahren

Im öffentlichen Hochbau erwartet der Zentralverband für 2019 einen Umsatz von sieben Milliarden Euro. Der Investitionshochlauf des Bundes, welcher in diesem Bereich Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von insgesamt 17 Milliarden Euro vorsieht, trage zu dieser Entwicklung bei.

Weiterhin Sorgen macht den Verbandsexperten das Investitionsverhalten der Kommunen, welche für 55 Prozent der öffentlichen Investitionen verantwortlich zeichneten, gleichzeitig aber nicht in der Lage seien, den Verschleiß ihrer öffentlichen Infrastruktur aufzuhalten und abzubauen.

Baugewerbe fordert Deutschlandfonds und erhöhte Abschreibung

Der Zentralverband begrüßt diesbezüglich den Vorschlag des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, einen "investiven Deutschlandfonds" mit 450 Milliarden Euro für die nächsten zehn Jahre aufzulegen, um den kommunalen Investitionsstau abzubauen. Eine solche Maßnahme böte eine klare Perspektive, auch hinsichtlich des Ausbaus der eigenen Kapazitäten, heißt es vom Zentralverband.

Darüber hinaus fordert der Zentralverband Deutsches Baugewerbe, dass die Absetzung für Abnutzung (AfA) bzw. Abschreibung spätestens nach Ablauf der jüngst gesetzlich festgelegten Sonderabschreibung für neu gebaute Mietwohnungen (Sonder-AfA, vgl. Quellen und Verweise) von zwei auf drei Prozent erhöht wird, um die Investitionen in den Wohnungsbau wie auch in die öffentliche Infrastruktur zu verstetigen.

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