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Mittwoch, 26. Februar 2020
Ausgabe 6764 | Nr. 57 | 19. Jahrgang
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Autor: bdt
Herausgeber: dpa email-weiterempfehlendruckansicht

Ost-Wirtschaftswachstum 2003 höher

# 22.10.2002

Die positiven Aussichten für den Osten werden auf einmalige Nachfrageimpulse durch die Beseitigung der Flutschäden zurückgeführt

Berlin - Die ostdeutsche Wirtschaft wird im kommenden Jahr nach Einschätzung führender Konjunkturexperten erstmals seit 1997 wieder deutlich stärker wachsen als die westdeutsche. Die höhere Ost-Wachstumsrate von 2,3 Prozent gegenüber 1,3 Prozent im Westen sei allerdings vor allem auf einen Sondereffekt durch die Beseitigung der Flutschäden zurückzuführen. Das geht aus dem am Dienstag in Berlin vorgelegten Herbstgutachten der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hervor.

Danach werden die Wiederaufbauarbeiten in den Überschwemmungsgebieten auch den ostdeutschen Arbeitsmarkt entlasten und wieder zu mehr Beschäftigung führen. Von einer konjunkturellen Belebung oder einem schnelleren Aufholprozess gegenüber dem Westen könne noch keine Rede sein.

Mit dem für 2003 erwarteten Ost-Konjunkturplus halten die Experten im Gegensatz zur gesamtdeutschen und zur westdeutschen Prognose an den Erwartungen aus ihrem Frühjahrsgutachten fest. Für den Westen rechnen die Institute 2003 jetzt nur noch mit einem Plus von 1,3 Prozent gegenüber den vor einem halben Jahr angenommenen 2,4 Prozent. Für dieses Jahr gehen sie von einem Plus von 0,2 Prozent in den neuen (2001: minus 0,1) und von 0,4 Prozent in den alten Ländern (0,6) aus. Die Ost-Wirtschaft hinkt - bis auf ein Zwischenhoch 1999 - seit fünf Jahren der gesamtdeutschen Konjunktur deutlich hinterher.

Die positiven Aussichten für den Osten werden auf einmalige Nachfrageimpulse durch die Beseitigung der Flutschäden zurückgeführt. Bereits in diesem Jahr seien «Produktionsanstöße zu erwarten, die die schwache konjunkturelle Grundtendenz überdecken werden», heißt es in dem Gemeinschaftsgutachten. Insbesondere in Ostdeutschland dürfte die Produktion im Baugewerbe und bei Zulieferern vorübergehend angeregt werden. «Bei alledem wird lediglich der Zustand vor der Flut wieder hergestellt, das heißt weder Wohlstand noch Produktionspotenzial werden nennenswert verändert.» Zudem dürften für spätere Jahre geplante Anlageinvestitionen vorgezogen werden.

Die Beschäftigungseffekte durch den Wiederaufbau seien seit dem September spürbar. Wegen des vorherigen starken Rückgangs sei 2002 im Durchschnitt dennoch eine Abnahme der Erwerbstätigkeit im Osten um 60 000 Personen zu erwarten. Die Zahl der Arbeitslosen werde in diesem Jahr um 12 000 auf 1,27 Millionen steigen. Im nächsten Jahr sei durch Produktionsplus und Wiederaufbau ein Rückgang der Arbeitslosenzahl um 30 000 zu erwarten. Die Arbeitslosenquote werde aber mit 16,7 Prozent weiter mehr als doppelt so hoch sein als im Westen (8,1).

Die von der Beseitigung der Flutschäden angestoßene zusätzliche Nachfrage werde unter Berücksichtigung dämpfender Effekte durch weniger Einkommen und Konsum rund 8,5 Milliarden Euro betragen. Reichlich ein Drittel der Ausgaben werde noch in diesem Jahr getätigt, so dass das Bruttoinlandsprodukt einen Impuls von 0,15 in diesem und 0,25 Prozent im nächsten Jahr erhalte.

Von der lahmenden Weltkonjunktur ist die ostdeutsche Wirtschaft nach Angaben der Institute auf Grund niedrigerer Exportorientierung weniger stark betroffen. Die Industrieproduktion habe im ersten Halbjahr das Vorjahresniveau daher noch um 1,3 Prozent übertroffen, während sie im Westen um 4,4 Prozent abgenommen habe. Für das kommende Jahr gehen die Institute von einem Zuwachs der Ost-Industrieproduktion von bis zu sieben Prozent aus.

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