Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 06. Oktober 2022
Ausgabe 7717 | Nr. 279 | 22. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Preisgleitklauseln: Sonderregelung bis Jahresende verlängert

# 01.07.2022

Bauunternehmen können steigende Baustoffkosten gegenüber öffentlicher Hand weiter geltend machen. Straßenbau besonders auf Maßnahmen des Bundes angewiesen. Wohnungsbau weiter im Sinkflug

Steigende Baukosten: Bundesregierung verlängert Gegenmaßnahmen

Für viele Bauunternehmen, vor allem im Straßenbau, sind die verlängerten Preisgleitregelungen derzeit die Rettung. Foto: Thommy Weiss / Pixelio Für viele Bauunternehmen, vor allem im Straßenbau, sind die verlängerten Preisgleitregelungen derzeit die Rettung. Foto: Thommy Weiss / Pixelio

Der Krieg in der Ukraine belastet die deutsche Bauwirtschaft in erheblichem Maße (wir berichteten). Die Bundesregierung reagierte bereits Ende März mit mehreren Erlassen des Bau- sowie des Verkehrsministeriums.

Ziel war die einheitliche Regelung von Lieferengpässen und Stoffpreisänderungen für den gesamten Bundesbau. Diese Erlasse sind nun bis zum 31. Dezember 2022 verlängert und um wichtige Punkte ergänzt worden.

Bauunternehmen können demnach die steigenden Kosten für bestimmte Baustoffe, wie Stahl, Zement oder Bitumen, gegenüber der öffentlichen Hand weiter geltend machen.

"Engpässe bei Baustoffen und exorbitante Preissprünge bestimmen nach wie vor das Baugeschehen. Angesichts dieser schwierigen Ausgangslage begrüßen wir die Verlängerung ausdrücklich", so Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB).

Straßenbau: Preisgleitung als "Rettungsanker"

Viele Bauunternehmen hätten ihre Angebote überhaupt nur durch diese Sonderregelungen abgeben können, so Pakleppa weiter. Insbesondere für viele Straßenbaubetriebe seien die Erlasse "ein Rettungsanker".

Neu ist, dass innerhalb einer Auftragssumme bereits 0,5 Prozent des jeweiligen Baustoffs ausreichen, damit die Klauseln greifen. Bislang musste der Anteil mindestens ein Prozent ausmachen, um Mehrkosten erstattet zu bekommen.

Auch die Einführung eines neuen Formblatts für die Ermittlung des Basiswerts wird als eine große Hilfe seitens des Baugewerbes wahrgenommen. "Mit den neuen Regelungen werden mehr Unternehmen von der Preisgleitung profitieren als bisher", sagt Pakleppa.

Baugewerbe hofft auf Kostenbeteiligung der Länder und Kommunen

Ob die vom Bund beschlossenen Maßnahmen wirklich greifen, hängt nach wie vor von den Ländern und Kommunen ab. Die meisten Bundesländer hätten den ersten Erlass übernommen und dies auch den Kommunen empfohlen, weiß man beim ZDB.

"Wir hoffen sehr auf eine Signalwirkung und dass alle öffentlichen Auftraggeber sich an den unkalkulierbar steigenden Materialkosten für ihre Bauprojekte weiter beteiligen", betont Felix Pakleppa.

Laufendes Baujahr 2022: Sechs Prozent mehr Umsatz im ersten Quartal

Die hohen Materialkosten sind bekanntlich derzeit nicht das einzige Problem der Bauwirtschaft. Alles in allem schlagen sich die Bauunternehmen hierzulande im laufenden Jahr dennoch wacker. So wurde der Umsatz im März immerhin um gut ein Prozent auf rund 8,6 Milliarden Euro gesteigert.

Im gesamten ersten Quartal stieg der Umsatz im Vergleich zu 2021 real um sechs Prozent auf rund 20 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten lag bei 522.000 und damit um gut zwei Prozent über Vorjahresniveau. Die Aufträge nahmen real um vier Prozent zu.

Auch im April blieb die konjunkturelle Lage einigermaßen stabil. Das Statistische Bundesamt verzeichnete nur einen leichten Orderrückgang (-0,1 %). Beim Umsatz blieb ein Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Laut ZDB mehrten sich aus den Unternehmen Rückmeldungen zu Auftragsstornierungen.

Wohnungsbau 2021 weit hinter den Erwartungen

Die Bausparte, in welcher die Zeichen eindeutig auf Abschwung stehen, ist der ehemals boomende Wohnungsbau. 2021 wurden in Deutschland 293.393 Wohnungen fertiggestellt. Es waren sogar 12.983 weniger als im Vorjahr, was einem Minus von 4,2 Prozent entspricht. Die Zahl neuer Wohnungen in Einfamilienhäuser ging mit -10,6 Prozent deutlich und in Mehrfamilienhäuser mit -3,6 Prozent immer noch stark zurück.

"Der Rückgang der Baufertigstellungen bei gleichzeitiger starker Zunahme des Bauüberhangs deuten auf angebotsseitige Störungen hin, die Unternehmen und Bauherren daran hindern, ihre Vorhaben zeitnah zu realisieren", erklärt Felix Pakleppa.

ZDB: Mindeststandard EH 40 ab 2025 zu ambitioniert

Was die Investoren jetzt dringend bräuchten, sei Sicherheit bei den investiven Rahmenbedingungen. Bei der derzeit diskutierten Fortschreibung von Anforderungen im Neubau im Gebäudeenergiegesetz (GEG) sei auf deren wirtschaftliche Tragfähigkeit zu achten. Ist eine Wirtschaftlichkeit nicht gegeben, müsse durch Förderung entsprechend ausgeglichen werden, so die klare Haltung des ZDB.

Den gesetzlichen Mindesteffizienzstandard im Neubau ab dem 1. Januar 2025 auf EH 40 anzuheben und damit nicht mehr zu fördern, halten die Vertreter des Baugewerbes indes für zu ambitioniert.

Ihre Bewertung für diesen Fachbeitrag
0 von 5 Sternen | 0 Abstimmungen
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
http://www.bauingenieur24.de/url/700/3451