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Freitag, 01. Juli 2022
Ausgabe 7620 | Nr. 182 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Teures Bauen: Kosten für Baustoffe und Dienstleistungen historisch erhöht

# 01.03.2022

Stärkster Preisanstieg seit Datenerhebung amtlich bestätigt. Neubau von Wohngebäuden um 9,1 Prozent teurer als im Vorjahr. Bauindustrie fordert Bundesbauministerin zum Handeln auf

Historischer Preisanstieg bei Holz- und Stahlprodukten

Die Preise für Holz- und Stahlprodukte stiegen 2021 so stark wie nie zuvor. Grafik: Statistische Bundesamt (Destatis) Die Preise für Holz- und Stahlprodukte stiegen 2021 so stark wie nie zuvor. Grafik: Statistische Bundesamt (Destatis)

Inzwischen ist es amtlich: Bauen ist im letzten Jahr deutlich teurer geworden. Dabei muss der Preisanstieg tatsächlich als historisch bezeichnet werden.

Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) stiegen die Erzeugerpreise für einzelne Baustoffe wie Holz und Stahl im Jahresdurchschnitt 2021 nämlich so stark wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949.

Konkret verteuerten sich etwa Bauholz um 61,4 Prozent und Betonstahl in Stäben um 53,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr (siehe Grafik). Preistreibend auf den Baustellen wirkten sich auch die gestiegenen Erdölpreise aus. Bitumen auf Erdölbasis kostete 36,1 Prozent mehr. Im Vergleich dazu legte der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte insgesamt "nur" um 10,5 Prozent zu.

Baudienstleistungen ebenfalls deutlich verteuert

Neben den Baumaterialpreisen stiegen auch die Preise für Bauleistungen. So kostete der Neubau eines Wohngebäudes insgesamt 9,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Rohbau fiel der Preisanstieg für Zimmer- und Holzbauarbeiten 29,7 Prozent am höchsten aus.

"Wichtig ist, dass steigende Preise den Mieterinnen und Mietern nicht 1:1 zur Last gelegt werden", forderte zuletzt der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller. Deshalb müsse etwa die soziale Frage nach bezahlbarem Wohnraum zusätzlich mit Initiativen der Politik beantwortet werden.

Bauindustrie: Bundesministerium muss Lösungen finden

Müller sieht hier vor allem das Bundesbauministerium in der Pflicht. Dieses solle mit seinem Bündnis für bezahlbares Wohnen und im Dialog mit der Immobilienwirtschaft Lösungen suchen und finden.

Innerhalb seiner Branche appelliert Müller an alle Auftraggeber und Bauunternehmen, auch weiterhin Preisschwankungen in den Budgets und Kalkulationen zu berücksichtigen und sich auf einen fairen Umgang angesichts "nicht beeinflussbarer Faktoren" zu verständigen.

Rückgang im Wohnungsbau und Wachstum im Wirtschaftsbau

Mit den steigenden Baupreisen erklärt sich die Bauindustrie derweil unter anderem den Rückgang des Auftragseingangs im Wohnungsbau am Ende des letzten Jahres. "Diese Bausparte ist im letzten November um nominal 4,5 Prozent, real sogar um 15,4 Prozent, eingebrochen", sagt Tim-Oliver Müller.

Demgegenüber hätten die Baubetriebe mit mehr als 20 Mitarbeitenden im November für den Wirtschaftsbau ein Orderplus von nominal 11,7 Prozent gemeldet, für den gewerblichen Tiefbau, welcher von der Bahn dominiert werde, sei sogar ein Plus von 24,8 Prozent gemeldet worden.

Reales Umsatzplus von 1,5 Prozent für 2022 prognostiziert

"Für das laufende Jahr ist dies ein gutes Auftragspolster", so Müller. "Da wir davon ausgehen, dass sich die Lieferengpässe bei Vorprodukten im Laufe des ersten Halbjahres beruhigen werden, sind wir für die Produktion 2022 nach wie vor optimistisch. Wir gehen weiter von einem nominalen Umsatzplus von 5,5 Prozent, real von 1,5 Prozent aus."

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