Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 04. April 2020
Ausgabe 6802 | Nr. 95 | 19. Jahrgang
Autor: san
Herausgeber: dpa email-weiterempfehlendruckansicht

Verband - Beseitigung der Flutschäden wird Baukrise nicht überwinden

# 14.10.2002

Die mit den Flutschäden zusammenhängenden Aufträge in Sachsen binden nur rund ein Fünftel der vorhandenen Kapazitäten

Dresden - Die Beseitigung der Flutschäden wird nach Verbandseinschätzung die sächsische Bauwirtschaft nicht aus der Konjunkturkrise führen. «Für kleine Handwerksbetriebe sowie den Tiefbau wird es zeitweise einen Auftragsschub geben, eine generelle Trendwende ist allerdings nicht zu erwarten», sagte der Hauptgeschäftsführer des Sächsischen Bauindustrieverbandes, Rolf Zimmermann, in einem dpa-Gespräch. Mit der Beseitigung der Hochwasserschäden gingen unabdingbar auch Kürzungen von geplanten Investitionen einher.

Zudem seien in der Bauwirtschaft immer noch Überkapazitäten vorhanden. «Diese resultieren nicht mehr aus dem Einheitsboom nach der Wende, sondern aus dem stetigen Rückgang der Bauinvestitionen von den Kommunen, aber auch vom Bund und dem Land», sagte Zimmermann. Der Verband rechnet damit, dass die Baunachfrage in Sachsen bis 2010 um durchschnittlich bis zu 1,5 Prozent jährlich sinkt. «Die Talsohle ist noch lange nicht erreicht», sagte der Hauptgeschäftsführer. Die Bauinvestitionen im Freistaat werden sich in diesem Jahr auf rund 12 Milliarden Euro belaufen. 2001 seien es noch 14 Milliarden Euro gewesen.

Die mit den Flutschäden zusammenhängenden Aufträge in Sachsen binden laut Zimmermann nur rund ein Fünftel der vorhandenen Kapazitäten. Die Geräteauslastung sächsischer Baubetriebe liege bei 62 Prozent. «Der Umsatz der Branche wird sich 2002 im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent und die Zahl der Beschäftigten um bis zu 14 Prozent verringern», schätzte Zimmermann die Geschäftslage ein.

Ein düsteres Konjunkturbild zeichnete der Bauindustrieverband auch für das nächste Jahr. «Wir rechnen noch einmal mit einem drastischen Beschäftigungsabbau von 10 Prozent sowie weiter rückläufigen Umsätzen von etwa 8 Prozent», prognostizierte Zimmermann. Den Angaben zufolge beschäftigt die Bauwirtschaft in Sachsen derzeit etwa 120 000 Arbeitnehmer, 40 000 Bauarbeiter sind arbeitslos. «Wir haben jetzt schon wesentlich weniger Beschäftigte im Bau als 1991.»

Auch künftig würden noch kleine Betriebe vom Markt verschwinden, die den harten Konkurrenzkampf nicht überstehen. Zimmermann mahnte Reformen an, um die Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern. Notwendig sei eine Senkung der Arbeitskosten und der Steuern.

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