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Mittwoch, 26. Februar 2020
Ausgabe 6764 | Nr. 57 | 19. Jahrgang
Autor: mbv
Herausgeber: dpa email-weiterempfehlendruckansicht

Wirtschaft mit leichtem Plus - Bau mit Negativrekorden

# 23.09.2002

Nach Angaben des Bauindustrieverbandes meldeten in den ersten sechs Monaten des Jahres 292 Baubetriebe Insolvenz an

Schwerin - Trotz eines neuen Pleitenrekords in der Baubranche entwickelt sich Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaft offenbar besser als angenommen. Entgegen der Vorhersage der Norddeutschen Landesbank zeichnet sich für das erste Halbjahr ein überdurchschnittlicher Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt ab. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes vom Freitag sind insbesondere das Plus in der Industrie und der anhaltende Tourismusboom Gründe für diese Entwicklung. Demgegenüber spricht der Bauindustrieverband von einem Auftragseinbruch und Massenentlassungen in seiner Branche.

Im Vorjahr hatte Mecklenburg-Vorpommern mit einem Minus von 0,8 Prozent den bundesweit stärksten Rückgang des Bruttoinlandsproduktes verzeichnet. Jüngsten Berechnungen zufolge wurde das Minus im ersten Halbjahr teilweise wieder ausgeglichen. «Die guten Ergebnisse der gewerblichen Wirtschaft werden nun nicht mehr vom Minus am Bau aufgefressen», sagte Wirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD). CDU-Landeschef Eckhardt Rehberg sagte dagegen, dass angesichts neuer Pleiterekorde nicht von einer Trendwende gesprochen werden könne. Das Wirtschaftswachstum sei weit von den von der Landesregierung erwarteten 1,75 Prozent entfernt.

In der Industrie lag der Gesamtumsatz zur Jahresmitte mit 4,1 Milliarden Euro 6,6 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Das Plus ist nach Mitteilung des Statistischen Landesamtes insbesondere auf den Schiffbau zurückzuführen, der eine Umsatzverdopplung meldete. Auch im Holzgewerbe und der Chemischen Industrie gab es ein Plus, während die Umsätze in der Gummi- und Kunststoffindustrie, der Elektrotechnik und im Ernährungsgewerbe schrumpften.

Mecklenburg-Vorpommerns Bauwirtschaft meldete am Freitag erneut einen Pleitenrekord. Nach Angaben des Bauindustrieverbandes meldeten in den ersten sechs Monaten des Jahres 292 Baubetriebe Insolvenz an - 38 mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres und fast doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Die Zahl der Beschäftigten sei auf 23 000 gesunken. Damit habe mehr als jeder sechste Bauarbeiter seinen Job verloren. Die kleineren Betriebe hätten sogar ein Fünftel ihrer Beschäftigten entlassen müssen. Eine Besserung der Situation sei nicht in Sicht. Gegenüber dem Vorjahr seien fast neun Prozent weniger Aufträge registriert worden.

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