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Freitag, 27. Mai 2022
Ausgabe 7585 | Nr. 147 | 21. Jahrgang
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Autor: bdt
Herausgeber: dpa email-weiterempfehlendruckansicht

Wirtschaft startet pessimistisch ins Winterhalbjahr

# 29.10.2002

Die Bau-Branche rechne «mit dem schlimmsten Winter seit 1995»

Berlin/Passau - Die deutsche Wirtschaft startet pessimistisch ins Winterhalbjahr. Nach einer Konjunkturumfrage der in Berlin erscheinenden Tageszeitung «Die Welt» (Montag) äußerte sich keine der befragten Branchen optimistisch. Zu den ohnehin schwierigen konjunkturellen Umständen komme das rot-grüne Sparpaket, das die Investitionen von Firmen und Privatkunden weiter drücke.

«Für Optimismus gibt es angesichts der Koalitionsvereinbarungen der Bundesregierung keinen Anlass», sagte auch Gustav Horn, Leiter der Konjunkturabteilung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), der Zeitung.

Die Bau-Branche rechne «mit dem schlimmsten Winter seit 1995», hieß es beim Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Das Umsatzminus von 7,8 Prozent bis zum August dürfte sich fortsetzen. Wenig Optimismus auch beim Einzelhandel: Selbst bei einem guten Weihnachtsgeschäft erwartet die Branche ein Umsatzminus in diesem Jahr von 2,5 Prozent. Durch die Sparbeschlüsse der Koalition sollen den Händlern Umsätze von fünf Milliarden Euro entgehen. Wie der Bau erwartet auch der Handel für 2002 einen Pleitenrekord.

Die Autoindustrie fürchtet die Pläne der Koalition, Dienstwagen stärker zu besteuern. «Die neue Steuer ist Gift für die Branchenkonjunktur», heißt es laut «Welt» beim Verband der Automobilindustrie (VDA). Experten schließen derzeit nicht aus, dass der Umsatz der Branche statt um zwei bis drei Prozent nur noch um ein Prozent wächst oder gar stagniert.

So fürchtet der Münchner Autohersteller BMW einen Absatzrückgang für den Fall, dass die Regierung tatsächlich - wie im rot-grünen Koalitionsvertrag vereinbart - die Dienstwagensteuer erhöht. BMW- Finanzvorstand Stefan Krause sagte der «Passauer Neuen Presse» (Montag): «Als besonders kritisch sehe ich, dass mit der geplanten neuen Steuerregelung genau die Automobile getroffen werden, die die Innovationsträger unserer Industrie sind.»

Als 1996 diese Steuer in ihrer jetzigen Form in Deutschland eingeführt wurde, seien «auf dem deutschen Markt schlagartig weniger Dienstwagen verkauft» worden. Krause: «Das obere Marktsegment sank von 1995 bis 1997 um knapp ein Viertel von 39 700 auf 30 800 Einheiten.»

Die Finanzbranche blickt mit Grauen auf das Jahresende, ergab die «Welt»-Konjunkturumfrage. Haben sich die Börsen bis dahin nicht erholt, müssen vor allem Versicherungen ihre Bilanzen kräftig nach unten korrigieren. Für die Banken werde der Winter ähnlich hart - verzweifelt versuchten sie, die Kosten zu drücken.

Zu den Lichtblicken der Wirtschaft dürfte auch im Winterhalbjahr der Außenhandel gehören. Mittelfristig hofft der Maschinenbau, vor allem im Ausland gute Geschäfte zu machen. «Die Branche könnte 2003 um rund fünf Prozent zulegen. Das allein reicht allerdings nicht für einen kräftigen Aufschwung», sagte DIW-Experte Horn der «Welt».

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