Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 30. Oktober 2020
Ausgabe 7011 | Nr. 304 | 20. Jahrgang
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

3D-Betondruck in Deutschland: Erstes Wohngebäude entsteht

# 16.10.2020

Genehmigung für zweigeschossiges Einfamilienhaus liegt vor. Nordrhein-Westfalen unterstützt mit 200.000 Euro. Beteiligte Unternehmen treiben weitere Betondruck-Projekte voran

Schalungshersteller druckt erstes Wohnhaus in Deutschland

Mit dem Portaldrucker BOD2 wird in Beckum, Nordrhein-Westfalen erstmals in Deutschland ein Wohngebäude gedruckt. Foto: obs / Peri GmbH Mit dem Portaldrucker BOD2 wird in Beckum, Nordrhein-Westfalen erstmals in Deutschland ein Wohngebäude gedruckt. Foto: obs / Peri GmbH

Das erste mittels 3D-Betondruck errichtete Wohnhaus Deutschlands entsteht derzeit in der 37.000-Einwohner-Stadt Beckum in Nordrhein-Westfalen. Die bauausführende Peri GmbH, international aktiver Hersteller von Schalungs- und Gerüstsystemen aus Bayern, geht hierbei bewusst langsamer vor, als es technisch möglich wäre.

"Da es das erste Gebäude seiner Art ist, nutzen wir die Gelegenheit, um weiter Erfahrungen im Alltagsbetrieb zu sammeln, die uns beim nächsten Druckprojekt helfen, das Potenzial der Kostensenkung weiter zu heben", sagt Leonhard Braig, Geschäftsführer Produktion & Supply Chain bei Peri.

Beckumer Planungsbüro spezialisiert sich auf 3D-Druck-Projekte

Der prototypische Neubau wurde als zweigeschossiges Einfamilienhaus mit rund 80 Quadratmetern Wohnfläche pro Geschoss vom ortsansässigen Planungsbüro Mense-Korte geplant. Inhaber Waldemar Korte freut sich über das "große Privileg, das erste 3D-gedruckte Gebäude in Deutschland zu realisieren."

Er glaubt an die Zukunftsfähigkeit der Betondrucktechnologie für den Bausektor. Man denke bereits über weitere 3D-Druck-Projekte nach. "Das Betondruckverfahren bietet uns Planern ein hohes Maß an Designfreiheit in der Gestaltung von Gebäuden, die in herkömmlicher Bauweise nur mit hohem finanziellem Aufwand umsetzbar wären", so Korte.

200.000 Euro Förderung für Pilotprojekt der Betondrucktechnologie

Auch Peri bereitet weitere Wohnhaus-Druckprojekte in Deutschland vor, rechnet das Unternehmen doch mit einem erheblichen Bedeutungsgewinn der Betondrucktechnologie in den nächsten Jahren. Wie in Beckum, dürften hierbei zunächst die behördlichen Genehmigungsprozesse für die neue Bautechnik anstehen.

Peri wurde dabei bislang von der Technischen Universität München sowie dem Ingenieurbüro Schießl Gehlen Sodeikat unterstützt. Finanzielle Hilfe in Höhe von 200.000 Euro erhielt das 3D-Betondruck Projekt in Beckum im Rahmen des nordrhein-westfälischen Förderprogrammes "Innovatives Bauen".

Peri seit 2018 an dänischem Druckerproduzenten beteiligt

Der Druckkopf des BOD2 kann sich in seinem Rahmen an jede Position innerhalb der Konstruktion bewegen. Foto: obs / Peri GmbH Der Druckkopf des BOD2 kann sich in seinem Rahmen an jede Position innerhalb der Konstruktion bewegen. Foto: obs / Peri GmbH

Bei dem Pilotprojekt werden 3D-Drucker vom Typ BOD2 eingesetzt. Diese Drucktechnologie stammt vom dänischen Hersteller COBOD, welcher 2017 das erste gedruckte Gebäude Europas herstellte und an dem Peri bereits seit 2018 beteiligt ist.

"Der Druckkopf des in Beckum verwendeten Portaldruckers bewegt sich über drei Achsen auf einem fest installierten Metallrahmen", erklärt Fabian Meyer-Brötz, Leiter 3D Construction Printing bei Peri.

Der Vorteil sei, dass sich der Drucker in seinem Rahmen an jede Position innerhalb der Konstruktion bewegen kann und nur einmal kalibriert werden muss.

Eigene Betonmischung für 3D-Druck entwickelt

Der verwendete Beton nennt sich i.tech® 3D und wurde von HeidelbergCement speziell für den 3D-Druck entwickelt. Seine Eigenschaften sind angepasst auf die besonderen Anforderungen des 3D-Drucks mit Beton. Zudem wurden Betonmischung und Drucker aufeinander abgestimmt.

Die Konstruktion des Hauses besteht aus dreischaligen Wänden, die mit Isoliermasse verfüllt werden. Während des Druckvorganges berücksichtigt der Drucker bereits die später zu verlegenden Leitungen und Anschlüsse, unter anderem für Wasser und Strom.

Doppelschalige Wand in fünf Minuten gedruckt

Laut Peri ist der BOD2 so zertifiziert, dass auch während des Druckvorgangs im Druckraum gearbeitet werden kann. Manuelle Arbeiten, wie zum Beispiel das Verlegen von Leerrohren und Anschlüssen, können daher in den Druckprozess integriert werden.

Bedient wird der Drucker von zwei Personen, der Druckkopf und die Druckergebnisse werden per Kamera überwacht. Mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde ist der BOD2 aktuell der schnellste 3D-Betondrucker auf dem Markt. Für einen Quadratmeter doppelschalige Wand benötigt der BOD2 rund fünf Minuten.

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