Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 01. Juli 2022
Ausgabe 7620 | Nr. 182 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Michael Braun
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Balkonmontage im Gebäudebestand

# 17.11.2009

Ein neues Balkonsystem setzt Akzente bei Modernisierungen von Gebäuden: Sie sollen sich sehr gut eignen, wenn Sanierer auf eine schnelle Montage und eine thermische Trennung vom Gebäudebestand setzen und ein entsprechender Brandschutz gewährleistet sein muss. Weiterer Vorteil des von der Schöck Bauteile GmbH entwickelten Systems: Nach der Montage werden die Anschlüsse nicht mehr sichtbar sein.

Klinik in Bad Aibling: die sanierte Fassade mit der neuen Balkonanlage, Foto: Schöck Bauteile GmbH Klinik in Bad Aibling: die sanierte Fassade mit der neuen Balkonanlage, Foto: Schöck Bauteile GmbH

Mustergültig zum Einsatz kommt das neue System bei den Sanierungsmaßnahmen der Rheuma-Klinik in Bad Aibling: Zu den Maßnahmen gehörte eine nachträgliche Montage von insgesamt zehn Balkontürmen mit jeweils vier Doppelbalkonen und einem Fertigteildach. Die Entwicklung der Anschlüsse erfolgte nach den Vorgaben des Bauherren, der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern, die eine optimale thermische Trennung der Balkone forderte, um einen unnötigen Wärmeverlust über die Balkonanschlüsse zu vermeiden.

Zudem sollten die Anschlüsse nach der Montage nicht mehr sichtbar sein und ein Anbringen der Balkone nach der Fertigstellung der Fassade zulassen. Weitere Vorgabe war, dass ein entsprechender Brandschutz nach Feuerwiderstandsklasse F 90 gewährleistet ist. Die schnelle Montage der Balkone hatte eine hohe Priorität, damit die Patienten nach der Sanierungszeit möglichst schnell in den Genuss der neuen, sehr großzügig bemessenen Balkone kommen konnten und der Klinikbetrieb nicht unnötig lang durch Lärm gestört war.

Für diese Anforderungen wurde ein Anschlusselement entwickelt, das eine thermische Trennung der Balkone vom Gebäudebestand gewährleistet. Nach außen bekommt der spezielle Isokorb einen Adapter zur Aufnahme der Balkonplatte und der Stützelemente. Damit die Anschlüsse nach der Montage nicht mehr sichtbar sind, sind sie innerhalb der Stirnfläche der Balkone beziehungsweise der Balkonstützen angeordnet. Für die einzelnen Elemente wurde hochwertiger Edelstahl verwendet. Die statische Anforderung der Beweglichkeit der Anschlüsse realisieren dabei spezielle Gleitlager. Der integrierte Isokorb ermöglicht zudem die thermische Trennung. Dieser speziell für den Stahlbau entwickelte Isokorb erfüllt die Anforderungen an eine effektive Reduzierung der Wärmebrücken bei zugleich hoher statischer Stand -und Ermüdungssicherheit.

Das Bauteil gewährleistet durch seine 80 Millimeter Dämmfuge und die Verwendung von Edelstahl eine entsprechende Wärmedämmung - aufgrund der geringen Wärmeleitfähigkeit. Der Isokorb sorgt dafür, dass bei üblicher Raumfeuchte kein Tauwasser entstehen kann. Durch die Optimierung der wärmeleitenden Querschnittsfläche reduzieren sich Wärmebrücken auf ein Minimum. Die Temperaturdehnung innerhalb der äußeren Stahlbetonkonstruktion kann durch die gewählten Anschlüsse ermüdungssicher aufgenommen werden.

Der erste Bauabschnitt der Balkonerneuerung umfasst die Montage von drei Balkontürmen und ist bereits abgeschlossen. Die restlichen Balkontürme werden in zwei weiteren Bauabschnitten bis Anfang 2010 montiert. In der ersten Bauphase der Balkonmontage werden die Wandanschlüsse an die bestehenden Decken montiert. Die Montage der Wandanschlüsse umfasst auch die Isokörbe und Adapter. Nach der Fertigstellung der Fassade werden die Balkone an die Anschlüsse montiert. Hierbei wird zunächst der Stützenpylon aufgestellt und an Anschlusselementen der fünf Geschossdecken befestigt. Das Aufsetzen der Balkonplatten erfolgt von unten nach oben. Mittig sitzen diese auf Konsolen der Stütze auf und seitlich werden sie mit den Anschlüssen verschraubt. In der obersten Ebene wird die Balkonkonstruktion über identische Auflagerpunkte mit einer Fertigteil Dachplatte abgeschlossen.

Bei der Planung der Balkonanlage war zu beachten, dass alle Anschlüsse der jeweiligen Balkontürme zu einer Gesamtebene ausgerichtet werden mussten. Ein Ausgleich der Toleranzen in der bestehenden Gebäudesubstanz war unerlässlich. Aufgrund der Länge der einzelnen Stützenpylone und der damit verbundenen Temperaturverformungen müssen die Anschlüsse Dehnungen und Verdrehungen der Konstruktion zwängungsfrei aufnehmen können. Die Stützenpylone mussten im Fundamentbereich passgenau in ein Köcher gesetzt werden.

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