Fachbeiträge & Interviews
Donnerstag, 21. Februar 2019
Ausgabe 6394 | Nr. 52 | 18. Jahrgang
Autor: 
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst bauingenieur24 Informationsdienst Jobs Stellenangebote Stellen Stellenanzeigen email-weiterempfehlendruckansicht

Beton-Böschungswand mit Naturstein-Optik

# 17.07.2012

Die L 19 ist eine wichtige Erschließungsstraße in Tirol. Eine zu enge Fahrbahn und die Gefahr von Steinschlägen machten den Ausbau der Strecke notwendig. Obwohl ursprünglich eine Böschungssicherung aus glattem Beton vorgesehen war, wurde mithilfe von Strukturmatrizen eine Wand mit Natursteinoptik errichtet.

Mit der Strukturmatrize Murus Romanus lässt sich das Erscheinungsbild einer gemauerten Natursteinwand wiedergeben, Foto: NOE-Schaltechnik Mit der Strukturmatrize Murus Romanus lässt sich das Erscheinungsbild einer gemauerten Natursteinwand wiedergeben, Foto: NOE-Schaltechnik

Für die Region Fiss-Serfaus-Ladis ist der Fremdenverkehr ein wichtiger Wirtschaftszweig. Vor allem im Winter besuchen zahlreiche Touristen das Gebiet. In diesem Zusammenhang stellt die Serfauser Straße L 19 einen wichtigen Erschließungsweg dar. Dieser wurde jedoch auf Dauer zu schmal für das hohe Verkehrsaufkommen und von der Böschung herab rutschende Steine gefährdeten die Kraftfahrer zusätzlich. Deshalb entschied sich das Land Tirol die Straße zu verbreitern sowie eine Böschungssicherung zu errichten. Um die Nutzung der Straße schnellstens wieder vollständig zu ermöglichen, standen für diese Bauarbeiten nur wenige Wochen zur Verfügung. Mit der Ausführung wurde das Bauunternehmen Hilti & Jehle aus Feldkirch beauftragt. Seitens des Landes Tirol war eine einfache glatte Betonwand als Böschungssicherung vorgesehen.

Das ausführende Unternehmen schlug dem Auftraggeber vor, die Betonoberfläche mit Strukturmatrizen zu gestalten. Eine damit gestaltete Betonwand vermittelt dem Betrachter den Eindruck auf eine mit Natursteinen erstellte Mauer zu blicken. Da diese Lösung einerseits ästhetisch wesentlich attraktiver ist und sich andererseits sehr effizient umsetzen ließ, stimmte der Auftraggeber zu.

Die Strukturmatrizen bestehen aus Polyurethan und werden in die Schalung gelegt bzw. geklebt. Alternativ besteht die Möglichkeit, die Matrizen dauerhaft auf einer Trägerplatte zu fixieren, um sie mit der Schalung zu verschrauben. Da so die Matrize jederzeit wieder von der Schalung gelöst werden kann, bietet diese Variante gleich zwei Vorteile: Erstens kann die Matrize mithilfe einer Kreissäge gekürzt werden, wenn Betonelemente mit unterschiedlicher Größe gefertigt werden müssen. Zweitens wird die Schalung durch dieses Verfahren nicht nennenswert beeinflusst, wodurch sie auch für die Herstellung glatter Betonwände herangezogen werden kann. Nachdem der Verarbeiter die Matrize entsprechend den baulichen Voraussetzungen in die Schalung eingebracht hat, wird betoniert. Nach dem Ausschalen ist die Struktur wie ein Abdruck im Beton sichtbar.

Für den Bau der 800 m langen Betonwand benötigte das Bauunternehmen Hilti & Jehle nur drei Schalungsmatrizen mit einer Blocklänge von ca. acht Meter und einer Höhe von ca. zwei bis fünf Meter. Jede Matrize kam ungefähr 40-mal zum Einsatz. Damit nutzten die Mitarbeiter des ausführenden Unternehmens die Vorteile der Matrize sehr gut aus, denn diese lässt sich bis zu 100-mal wieder verwenden, wodurch sie mit jedem Betoniervorgang noch wirtschaftlicher wird. Um auf der gesamten Länge ein einheitliches Erscheinungsbild zu gewährleisten, setzte das ausführende Unternehmen zwischen den Taktgrenzen eine 10 cm breite sowie glatte Blockfuge. So konnten eventuelle Höhenversprünge in den "Mauerschichten" ausgeglichen werden.

Bei der Auswahl des Betons legten die Verantwortlichen großen Wert auf eine gute Frost- und Tausalzbeständigkeit. Damit trugen sie den harten Wintern der Tiroler Alpen Rechnung, bei denen es häufig nicht ausreicht die Straßen nur zu räumen, sondern auch der Einsatz von Streusalz notwendig ist, um einen sicheren Straßenverkehr zu gewährleisten. Für die Arbeit mit den NOEplast Matrizen eignet sich beinahe jeder Beton. So lassen sich zum Beispiel mit Normal-, Leicht- und Schwerbeton ansprechende Ergebnisse erzielen. Auch weißer oder durchgefärbter Beton kann eingesetzt werden. Selbst Beigaben von Glas- oder Stahlfasern beeinträchtigen das optische Ergebnis nicht.

Wie so häufig spielte auch auf der Baustelle in Fiss der Faktor Zeit eine gravierende Rolle. Da die Straße so schnell wie möglich wieder befahrbar sein sollte, blieben den Mitarbeitern der Firma Hilti & Jehle nur acht Wochen, um die anfallenden Arbeiten auszuführen. Zudem musste ein Fahrstreifen der L 19 gesperrt und die Kraftfahrzeuge beider Richtungen auf die übrige Fahrbahn umgeleitet werden. Dies hatte zur Folge, dass den Bauleuten nur wenig Platz zur Verfügung stand und sie konstant auf den Verkehr achten mussten, der an der Baustelle vorbei fuhr. Dennoch ist es ihnen gelungen, die Aufgaben pünktlich zum Beginn der Winter- bzw. Skisaison fertigzustellen.

Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
NOE-Schaltechnik
Massivbau Schalungsmatrize Sichtbeton Stützwand NOE Böschung Strasse Sicherheit Steinschlag Böschungswand Natursteinböschung Strassenverkehr Massivbau Massivbau https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/massivbau/beton-boeschungswand-mit-naturstein-optik/2467.htm 639 de-DE
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/2467