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Sonntag, 17. Februar 2019
Ausgabe 6390 | Nr. 48 | 18. Jahrgang
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Brücke aus Textilbeton quert die Rottach in Kempten

# 17.10.2007

Kempten hat schon einige bemerkenswerte Brücken: Die längste deutsche Holzträgerbrücke und die weltgrößte über 100-jährige Eisenbahn-Stampfbetonbrücke. Anfang Oktober kam ein weiteres Superlativ dazu. Die nun weltlängste Brücke aus Textilbeton.

Die Textilbrücke wurde im sächsischen Oschatz vorgefertigt und in Kempten mit dem Mobilkran eingehoben, Foto: TU Dresden Die Textilbrücke wurde im sächsischen Oschatz vorgefertigt und in Kempten mit dem Mobilkran eingehoben, Foto: TU Dresden

Die neue Brücke aus Textilbeton verbindet die Mariaberger Straße und die Innere Rottach in Kempten und ermöglicht Fußgängern und Radfahrern wieder die Querung an dieser Stelle. Die Brücke ist die zweite ihrer Bauart und fast doppelt so lang wie ihr Vorgängermodell im sächsischen Oschatz: Die aus 18 Segmenten zusammengesetzte Brücke erreicht eine Gesamtlänge von 16,74 Metern und wiegt 12,5 Tonnen, ein drittel des Gewichts einer Brücke in herkömmlicher Stahlbetonbauweise. Textilbeton ist ein neuerer Baustoff, der seit einigen Jahren an der Technischen Universität Dresden erforscht wird. Gegenüber der klassischen Bauweise mit Stahlbeton biete der Textilbeton zahlreiche Vorteile, erläutert Prof. Manfred Curbach als Sprecher des Sonderforschungsbereichs 528 (SFB 528 Textile Bewehrungen zur bautechnischen Verstärkung und Instandsetzung): "Wir haben nach einer Alternative für Stahl gesucht und sie in den offenen Strukturen der textilen Gelege gefunden!"

Da man mit weniger Textilbeton den gleichen Wirkungsgrad wie mit Stahlbeton erzielen kann, eröffnet die neue Technologie den Weg zum superleichten Bauen. Ein Grund für das Gewicht herkömmlicher Bauteile liegt in der Schutzfunktion der Betondeckung, sie soll den Stahl vor der Korrosion bewahren. Die textilen Fasern können hingegen in extrem dünnwandigen Betonteilen eingesetzt werden und so die Kräfte optimal aufnehmen.

Die Brücke wurde an der Fakultät Bauingenieurwesen der TU Dresden geplant und besticht durch ihre Bauteildicke von nur drei Zentimetern. "Mit 12,5 Tonnen ist die Brücke über die Rottach ein Fliegengewicht - in herkömmlicher Bauweise mit Stahlbeton würde sie mindestens das Dreifache wiegen!", sagt Prof. Curbach überzeugt von diesem neueren Baustoff. Die leichtere und schlankere Bauweise beeinträchtigt die Sicherheit jedoch in keiner Weise. Die durchgeführten Versuche - zur Einhaltung der in Normen vorgeschriebenen Werte - haben die Erwartungen erfüllt bzw. übertroffen.

Die 18 jeweils 93 Zentimeter langen Segmente wurden im Oschatzer Betonwerk vorgefertigt. In den Handläufen und in den Rahmenecken befinden sich Aussparungen für Leerrohre, die die interne verbundlose Vorspannung aufnehmen; die Brücke ist mit sechs Stahllitzen vorgespannt. Die so im Werk zusammengesetzte Brücke wurde dann mit einem Spezialtransport nach Kempten gebracht und eingehoben.

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