Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 17. September 2019
Ausgabe 6602 | Nr. 260 | 19. Jahrgang
Autor: Pressestelle
Herausgeber: Readymix AG email-weiterempfehlendruckansicht

Die neue Betonnorm EN 206 und die deutsche Anwendungsregel - Teil 4/5

# 01.10.2001

Im vierten Teil werden Prüfverfahren, Sieblinien und Betonfamilien in der neuen Betonnorm EN 206 behandelt

9. Prüfverfahren

Die kontinuierliche Güteprüfung aller Korngrößen ist unerlässlich, Foto: Readymix AG Die kontinuierliche Güteprüfung aller Korngrößen ist unerlässlich, Foto: Readymix AG

Die Prüfverfahren werden ebenfalls europäisiert, doch ist die neue Norm nicht so restriktiv, dass nur ein einziges Prüfverfahren zugelassen wird; dies kommt bereits in den neuen Bezeichnungen für Betone zum Ausdruck. So wird es hier zu Lande weiterhin Prüfungen in Bezug auf Druckfestig keiten geben; allerdings ändert sich die Lagerung der Probekörper. Heute wird in Deutschland die Würfelfestigkeit geprüft, üblicherweise an einem Würfel mit 150 mm Kantenlänge. Nach alter Norm ist diese Festigkeit umzurechnen auf den größeren 200-mm-Würfel. Diese Umrechnung entfällt zukünftig, da in der europäischen Norm der Würfel mit 150 mm Kantenlänge vorge schrieben ist. Die Lagerung der Probekörper wird hingegen der europäischen Norm angepasst. Gemäß EN 206 wird der Probekörper bis zur Prüfung nass gelagert und geprüft, während in der deutschen Norm sieben Tage Wasser und 21 Tage Trockenlagerung vorgeschrieben sind. Um die in Deutschland übliche Lagerungsmethode weiter zu verwenden, kann eine Umrechnung der Prüfergebnisse mit dem Faktor 0,92 erfolgen. D.h. für die praktikablere DIN-Lagerung ist der Prüfwert um 8 % abzumindern.

10. Sieblinie

Die neue Norm EN 206 sieht keine Grenzwerte für die Sieblinie mehr vor. Dennoch wird die Sieblinie der Zuschläge auch weiterhin von betontechnologischer Bedeutung sein und bei der Herstellung Berücksichtigung finden. Wie bisher müssen bei der Lieferung von Zuschlägen die geforderten Grenzbereiche eingehalten werden. Verändert werden allerdings die Regelungen zum Mehlkorngehalt. Die überholte Festlegung von Grenzwerten von Mehlkorn sowie Mehlkorn und Feinstsandgehalt wird zukünftig entfallen. Betrachtet wird damit ausschließlich der Mehlkorngehalt, dessen Höchstwert für die Expositionsklassen XF (Frost) und XM (Verschleiß) um jeweils 50 kg/m3 erhöht wird.

11. Betonfamilien

Betonfamilien müssen neben Einzel- und Mittelwertkriterien ein zusätzliches Kriterium für die Familie erfüllen, Abb.: Readymix AG Betonfamilien müssen neben Einzel- und Mittelwertkriterien ein zusätzliches Kriterium für die Familie erfüllen, Abb.: Readymix AG

Bislang wurde nach der alten DIN 1045 jede Betonsorte für sich betrachtet und überwacht. Hier durch konnte zur Beurteilung der Betonqualität jeweils nur eine sehr geringe Probenzahl herangezogen werden. Eine Produktionssteuerung war in dieser Form nur bedingt möglich. Daher wurde in jüngerer Zeit die Zusammenfassung mehrerer Sorten zu Überwachungszwecken zugelassen. Die neue Norm trägt diesem Umstand Rechnung und ermöglicht die Bildung von Betonfamilien. Hierzu dürfen verschiedene Sorten, die unterschiedlichen Festigkeitsklassen, Konsistenz klassen und Expositionsklassen angehören, hinsichtlich der Auswertung zusammengefasst werden. Die mengenmäßig maßgebende Sorte ist dabei als Referenzbeton auszuwählen.

Die Prüfwerte aller anderen Sorten werden auf diesen Referenzbeton umgerechnet. Hierzu bestehen verschiedene Umrechnungsmöglichkeiten, die in einem CEN-Bericht beschrieben sind. Vorteil ist, dass Trends und mögliche Abweichungen für alle Familienmitglieder frühzeitig erkannt werden können und somit eine bessere Produktionssteuerung möglich ist. Selbstverständlich müssen die Betonfamilien auch alle Kriterien der Einzelsorte erfüllen. Zusätzlich wird eine Betrachtung der einzelnen Prüfwerte sowie des Mittelwerts der Familie durchgeführt.

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Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
Readymix AG
Teil 5/5
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