Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 01. Juli 2022
Ausgabe 7620 | Nr. 182 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Michael Braun
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Feuerwache Langenfeld: Fotomotiv im Beton

# 09.10.2009

Riesig - und dennoch transparent und klar strukturiert: Die neue Hauptfeuer- und Rettungswache Langenfeld (Rheinland) ist alles andere als gewöhnlich. Das in U-Form konzipierte Gebäude vereinigt Funktionalität und moderne architektonische Gestaltung - und bietet 100 Mitgliedern des örtlichen Löschzugs sowie 30 Nachwuchskräften der Jugendfeuerwehr in Zukunft optimale Arbeitsbedingungen. Vorzuheben sind die weiße, gesäuerte Vorhangfassade aus Betonbauteilen in Verbindung mit dem großzügigen Einsatz von Glaselementen sowie der 24 Meter hohe Schlauchturm mit roter Sandwichfassade und ein aus Fotobeton umgesetztes Fassadenmotiv.

Ausgangssituation und Konzeptidee

Die Bildwirkung entsteht durch den Wechsel von fein gewaschenen Bereichen zu glatten Bereichen. Das Verfahren beruht auf unterschiedlichen Aushärtungszeiten des Betons, Foto: beton.org Die Bildwirkung entsteht durch den Wechsel von fein gewaschenen Bereichen zu glatten Bereichen. Das Verfahren beruht auf unterschiedlichen Aushärtungszeiten des Betons, Foto: beton.org

Da die bisherige Feuerwache den gestiegenen Anforderungen an Rettungsdienst und Brandschutz nicht mehr nachkommen konnte, entschied sich die Stadt Langenfeld zum Bau einer neuen Wache auf dem mehr als 9.000 Quadratmeter großen Gelände. Die Herausforderung dabei erklärt der verantwortliche Projektleiter Christian Mester: "Wir wollten ein Konzept schaffen, dass zahlreiche Anforderungen zusammenführt. Auf der einen Seite die räumlichen und funktionalen Anforderungen der Feuerwehr, die Feuerwehr spezifischen Normen und Vorschriften. Und auf der anderen Seite die Ansprüche des Bauherrn an die architektonische Gestaltung und wirtschaftliche Realisierbarkeit."

Vor diesem Hintergrund wurde ein u-förmiger Gebäudekomplex geplant, der von einem lichtdurchfluteten Aufbau geprägt ist und sich um einen zentralen Betriebshof anordnet. Durch diesen Ansatz erhält der Grundriss seine Geschlossenheit, die nur durch zwei Alarm-Ausfahrten unterbrochen wird. Großflächige Glasfassaden im Bereich der Fahrzeughallen lassen die sachliche Funktion von außen erkennen und ermöglichen einen Blick auf Fahrzeuge und Gerätschaften.

Gesamtkonzept mit vorgefertigten Betonelementen

Gesamtkonzept aus vorgefertigten Betonelementen: Während die Bodenplatte und die Wände des Untergeschosses – hier befinden sich die Technik- und Lagerräume – mit Ortbeton ausgeführt wurden, besteht der gesamte oberirdische Teil des Gebäudekomplexes aus Betonfertigteilen. Durch diese Konstruktion konnte im Inneren weitgehend auf Stützen und tragende Wände verzichtet werden, was besondere Gestaltungsfreiheit bei der Grundrissplanung ermöglichte. Und auch darüber hinaus Vorteile hat, wie Christian Mester erklärt: "Wir konnten die Rastermaße der Räume wirtschaftlicher gestalten und auch eine bessere Lastabtragung erzielen – was nahezu stützenfreie Grundrisse ermöglichte. Auch die Bauzeit ließ sich durch die Elementbauweise beschleunigen."

Fassade und Schlauchturm

Die Beton-Sandwichfassade des Schlauchturms wurde als tragendes Element geplant und geschossweise "hochgezogen". Die Fassade verfügt über eine fein gewaschene, aber raue Oberfläche. Durch eine spezielle Kombination aus Natursteinzuschlägen und Farbpigmenten wurde ein satter, roter Farbton der Betonteile erzielt, der den Turm schon von Weitem sichtbar macht. Die Farbgebung und die gewählte Oberfläche stellen sicher, dass der Turm den hohen Beanspruchungen durch regelmäßig stattfindende Abseil-, Anleiter-Übungen der Feuerwehrleute gewachsen ist. Die weiße Betonfassade ist als reine Vorhangfassade konzipiert – wobei der speziell gesäuerte Sichtbeton für eine lebendige Anmutung der Oberfläche sorgt. Alle Fassadenteile verfügen über eine Attika-Rückkantung. Das bedeutet: Für den Betrachter ist in der Ansicht keine Attika sichtbar.

Feuerwehr-Abbildung in Fotobeton

Neben der in sechs Meter großen Lettern auf die Glaselemente aufgebrachten Notrufnummer "112" sorgt vor allem das in die Fassade integrierte Bild von zwei Feuerwehrleuten nach einem erfolgreichen Einsatz für ein optisches "Highlight" der neuen Wache. Das 7,50 m x 4,30 m große Motiv wurde mit der sogenannten Fotobeton-Technik erstellt. Dabei wird das Motiv von einem Foto auf die gewünschte Größe gebracht und im Siebdruckverfahren auf eine besondere Folie übertragen, die mit einem Abbindeverzögerer beschichtet ist. Peter Körner, verantwortlicher Projektleiter, erklärt: "Bei der Zusammensetzung der Betonmischungen ist darauf zu achten, dass der Zementleim zusammen mit den verwendeten Körnungen am Ende des Herstellungsprozesses ein kontrastreiches Bild ergibt. Nachdem die erforderliche Festigkeit im Beton erreicht ist, wird das Fertigteil aus der Schalung entnommen und einem speziellen Waschgang unterzogen. Dann werden die Konturen des Bildes freigelegt. Durch die Vertiefungen im Bild ergeben sich wechselnde Kontraste und Schattenwirkungen, die das Motiv lebendig werden lassen."

Insgesamt wurden beim Neubau der Hauptfeuer- und Rettungswache Langenfeld unter anderem 3.510 Kubikmeter Stahlbeton und 381 Tonnen Baustahl verbaut. 825 speziell gefertigte Betonfassadenelemente wurden montiert, auf 2.156 Quadratmeter Glasfassade kommen unter anderem 32 Tore zum Einsatz. In 21 Monaten wurden 14 Millionen Euro verbaut.

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