Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 21. April 2019
Ausgabe 6453 | Nr. 111 | 18. Jahrgang
Autor: 
Herausgeber: Readymix AG Readymix AG email-weiterempfehlendruckansicht

Grundsanierung der Talsperre Kerspetal / NRW

# 06.09.2004

Um Rissbildungen durch Temperaturspannungen zu vermeiden, durfte die Betontemperatur während des Einbaus 23 °C nicht überschreiten

Von 1909 bis 1912 erbaut, steht die Kerspetalsperre heute unter Denkmalschutz Von 1909 bis 1912 erbaut, steht die Kerspetalsperre heute unter Denkmalschutz

Die Kerspetalsperre ist eine der ältesten Talsperren Nordrhein-Westfalens. In den 1990er Jahren wurde nach einer Prüfung ihrer Statik eine Grundsanierung nötig, an der die Readymix AG Bereich - Nordwest beteiligt war. Nach dem Prinzip der Intze-Staumauern – Gewichtsstaumauern, deren Standsicherheit hauptsächlich von ihrem Eigengewicht herrührt – entstand von 1909 bis 1912 die Kerspetalsperre. Ihre Aufgabe damals wie heute: die Trinkwasserversorgung der Stadt Wuppertal.

Die Überprüfung der statischen Standsicherheit im Jahr 1990 ergab, dass eine Grundsanierung nötig war. Deren umfassende Zielsetzung: die Standsicherheit sowie die geologischen und hydrologischen Verhältnisse zu verbessern, Konstruktionsmängel und alterungsbedingte Schäden zu beheben, die Entnahmeanlagen zu modernisieren, die Bauwerksüberwachung auszuweiten – und alles unter der Prämisse eines dauerhaften Schutzes der vorhandenen Substanz und unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes.

Halteanker verhindern dass Abwölben der Dichtwand Halteanker verhindern dass Abwölben der Dichtwand

Die Sanierungsarbeiten begannen 1992. Eine Vorsatz- bzw. Ausgleichsschicht aus Beton B 15 verstärkte die Wasserseite der Staumauer, mit dem vorhandenen Mauerkörper - schubfest verbunden. Den resultierenden monolithischen Mauerkörper verschließt eine anliegende Dichtwand aus Stahlbeton B 35 mit Luftporen. Eine dahinter liegende Flächendränage aus filterfähigem Mauerwerk ermöglicht mit senkrecht angeordneten Dränrohren eine Kontrolle der Wasserundurchlässigkeit der Dichtwand. Dichtwand und Flächendränage sind durch eine Trennschicht (Bitumenschweißbahn, dauerelastisch) von der alten Mauer getrennt, damit die Dichtwand bei jeder Belastung ohne Zugspannungen bleibt. Halteanker verhindern, dass sich die Dichtwand von der Mauer abwölben kann.

Hochofenzement (HOZ) aus Dortmund

Die alte Staumauer wurde durch eine anliegende Dichtwand aus Stahlbeton B 35 mit Luftporen verstärkt Die alte Staumauer wurde durch eine anliegende Dichtwand aus Stahlbeton B 35 mit Luftporen verstärkt

Ein Arbeits- und Kontrollgang aus WU-Beton B 25 verbindet die Abdichtung der Staumauer mit dem Untergrund. Der Gang ist nicht starr mit dem tragenden Mauerkörper verbunden: Bei Einstau presst ihn die Wasserauflast auf den Untergrund, was den Anschluss zum Untergrund zusätzlich dichtet. Um Rissbildungen durch Temperaturspannungen zu vermeiden, durfte die Betontemperatur während des Einbaus 23 °C nicht überschreiten.

Trotz warmer Witterung wurde HOZ 35 L (nach heutiger Norm CEM III/A 32,5 N) aus dem Readymix-Werk Dortmund diesem Anspruch gerecht. Insgesamt lieferte die Readymix AG - Bereich Nordwest gemeinsam mit der Oberbergischen Transportbeton GmbH & Co. KG 32.000 m³ Beton für die Sanierung. Die Talsperre befindet sich wieder im Dauerbetrieb. Neben ihrem wirtschaftlichen Zweck bietet sie seltenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.

Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
Readymix AG
baustoffkunde talsperre sanierung wasserbau readymix massivbau wasserundurchlässig abdichtungswand verankerung betonieren b25 b 25 Massivbau https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/massivbau/grundsanierung-der-talsperre-kerspetal-nrw/1440.htm 377 de-DE
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/1440