Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 16. Oktober 2021
Ausgabe 7362 | Nr. 289 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Timur Uzunoglu
Herausgeber: Coteba-Ast Projekt Management GmbH, Graz email-weiterempfehlendruckansicht

Kraftwerk Ankara - Bauplanungsmanagement am Beispiel

# 05.08.2002

Das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk Ankara hat eine Leistung von 770 MW und erzeugt Strom für die Stadt Ankara. Der Auftraggeber Tractebel (BEL) vergab den Auftrag an VA Tech Elin. Sämtliche Bauarbeiten inklusive Bauplanung werden von der türkischen Baufirma Yüksel bzw. dem türkischen Planungsbüro Prokon durchgeführt. Die Koordination der Bauplanung erfolgte durch vor Ort beigestelltes Personal der Coteba-Ast Projekt Management GesmbH.

Abb. 1 - Gesamtansicht des fertigen Kraftwerks - Künstlerische Darstellung Abb. 1 - Gesamtansicht des fertigen Kraftwerks - Künstlerische Darstellung

Die Bauarbeiten im Bereich der Hauptanlage umfassten die Errichtung der Maschinenhalle, der Fundamente der Gas- und Dampfturbinen, der Kesselhäuserfundamente, des Wartungs-hauses, des Elektrogebäudes, der Kühltürme, des Kühlwasserpumpenhauses und der Demineralisierungsanlage. Das Herz der Anlage ist die Maschinenhalle, eine bereichsweise unterkellerte filigrane Stahlkonstruktion, ausgestattet mit einem 90 to bzw. zwei 75 to Hallenkränen für Reparatur- und Wartungszwecke. Hohe Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit (die Anlage muss nach einem definierten "Betriebserdbeben" innerhalb von zwei Stunden wieder in Betrieb genommen werden können) erforderten detaillierte statische und dynamische Untersuchungen am Gesamtsystem. Die Gasturbine-Generator Einheiten sind auf 36,00m langen, 9,80m breiten und 2,90m hohen Blockfundamenten gelagert. Die Dampfturbine-Generator Einheit ist auf eine 40,70m lange, 14,00m breite und 3,50m hohe Platte eines Tischfundamentes gesetzt. Die Platte wird auf Feder- und Dämpfungselementen auf den Stützenköpfen der acht 14,10m hohen Stützen gelagert.

Abb. 2 - Das fertig ausgehobene Fundament der Maschinenhalle - Stand der Bauarbeiten Ende Januar 2002 Abb. 2 - Das fertig ausgehobene Fundament der Maschinenhalle - Stand der Bauarbeiten Ende Januar 2002

Eine äußerst kurze Bauzeit von 2 Jahren für die gesamte Anlage und von etwa 9 Monaten für die baulichen Anlagen erforderte einen hohen Einsatz aller Beteiligten, insbesondere auch denjenigen in der Bauplanung. Innerhalb eines Zeitraumes von 8 Monaten wurden über 1000 Bauausführungspläne durch ein Team von bis zu 60 Ingenieuren erstellt. Die Bauplanung und die Bauausführung begann fast zeitgleich – um die termingerechte Fertigstellung des Gesamtbauwerks nicht durch Planungsverzögerungen oder Fehlplanungen zu gefährden, war eine effektive Koordination der Bauplanung erforderlich. Im Rahmen dieses Bauplanungsmanagements wurden folgende Tätigkeiten durchgeführt:

Abb. 3 - Das Fundament der Maschinenhalle im Bereich der Dampfturbine mit den Rohren der Kühlwasserleitung (Ø 2,40 m) – Stand der Bauarbeiten im März 2002 Abb. 3 - Das Fundament der Maschinenhalle im Bereich der Dampfturbine mit den Rohren der Kühlwasserleitung (Ø 2,40 m) – Stand der Bauarbeiten im März 2002

Im Vorfeld der Planung waren die Wünsche des Bauherrn zu erfassen, in Entwurfs- und Planungsanforderungen zu übersetzen und dann an den Bauplaner weiterzugeben. Während der Planung war die Umsetzung und Erfüllung der Entwurfs- und Planungsanforderungen zu veranlassen bzw. zu überprüfen. Die Bauplanung war in Abhängigkeit des Baufortschrittes terminmäßig abzustimmen und der ausreichende Informationsfluss zwischen der Bauplanung und den anderen Fachplanern sicherzustellen. Die korrekte Einarbeitung der Änderungen, u.a. bedingt durch die Vielfalt der beteiligten Gewerke war zu überprüfen. Für jedes Bauwerk war die Erstellung von "Basis of Design" Dokumenten vor Beginn der Ausführungsplanung zu veranlassen und deren Freigabe durch den Bauherrn zu erreichen. Diese "Basis of Design" Dokumente beschreiben kurz das Bauwerk und die gestellten Anforderungen, definieren alle damit verbundenen Normen, Basisunterlagen und Lastangaben, geben das statische Konzept und die verwendete Software an.

Abb. 4 - Die Fundamente der Kühltürme, die Demineralisierungsanlage sowie die FundamenFundamente für die „Filtered Water“ (500 m³) and „Demineralized Water“ (1000 m³) Tanks Abb. 4 - Die Fundamente der Kühltürme, die Demineralisierungsanlage sowie die FundamenFundamente für die „Filtered Water“ (500 m³) and „Demineralized Water“ (1000 m³) Tanks

Für alle Bauarbeiten war die Erstellung von "Method Statement of Erection" Dokumenten zu veranlassen und deren Freigabe durch den Bauherrn zu erreichen. Diese "Method Statement of Erection" Dokumente beschreiben kurz die durchzuführende Arbeit, legen die erforderliche Vorgangsweise fest und definieren sämtliche, die Arbeitssicherheit betreffende Aspekte. Während der Bauausführung wurde die Bauleitung auf kritische Bauteile und Bauabläufe hingewiesen, um mögliche Verzögerungen und Fehler während des Bauablaufs zu minimieren.

Abb. 5 - Der Stahlbau der Maschinenhalle – Stand der Bauarbeiten im Juli 2002 Abb. 5 - Der Stahlbau der Maschinenhalle – Stand der Bauarbeiten im Juli 2002

Die Bautätigkeit begann im Januar 2002 und wird voraussichtlich termingerecht im Oktober 2002 zu einem Großteil abgeschlossen sein.

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Coteba-Ast Projekt Management GmbH, Graz
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