Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst

Nachträglicher Bewehrungsanschluss: Technischer Bericht schafft neue Möglichkeiten

# 20.03.2020

Forscher stellen neue Bemessungsmethode für Stahlbetonverbindungen vor. Gerade Bewehrungsstäbe können nachträglich installiert werden. Hilti bietet Injektionsmörtel für erweiterte Anwendungsmöglichkeiten

Eurocode 2 limitiert Anwendungsbereich

Für den nachträglichen Bewehrungsanschluss gibt es aufgrund einer neuen Bemessungsmethode mehr Möglichkeiten. Foto: Hilti Deutschland AG Für den nachträglichen Bewehrungsanschluss gibt es aufgrund einer neuen Bemessungsmethode mehr Möglichkeiten. Foto: Hilti Deutschland AG

Das Anwendungsspektrum für nachträgliche Bewehrungsanschlüsse ist breit gefächert und reicht von Fundamenterweiterungen über den Anschluss von Wandscheiben bis hin zum nachträglichen Anbringen eines Balkons beim Bauen im Bestand.

Bisher limitierte der Eurocode 2 den Anwendungsbereich von nachträglichen Bewehrungsanschlüssen, da diese Anschlüsse nur als Übergreifungsstoß bemessen und ausgeführt werden durften.

In der Praxis bedeutete dies, dass kostspielige und arbeitsintensive Übergreifungsverbindungen mit Eisen am richtigen Ort hergestellt werden mussten.

Technischer Bericht zu biegesteifen Bewehrungsanschlüssen gilt seit 2020

Nach mehreren Jahren intensiver Forschung hat die Europäische Organisation für Technische Bewertung (EOTA) eine neue Bemessungsmethode (TR 069) für den nachträglichen Bewehrungsanschluss von biegesteifen Stahlbetonverbindungen entwickelt.

Der neue, seit 2020 geltende technische Bericht TR 069 [Design method for anchorages of post-installed reinforcing bars (rebars) with improved bond-splitting behaviour as compared to EN 1992-1-1] erlaubt die Bemessung von nachträglichen, biegesteifen Bewehrungsanschlüssen, die nicht als Übergreifungsstoß ausgeführt werden müssen bzw. der ohne eine Verbindung zu bestehenden Bewehrungsstäben auskommt.

Stahlbetonverbindungen ohne Übergreifung möglich

Auf dieser Grundlage hat der Bauproduktehersteller Hilti unlängst den Injektionsmörtel Hilti HIT-HY 200-R V3 entwickelt. Damit sei laut Unternehmen ab sofort die Bemessung und Ausführung von momententragfähigen Beton-Betonverbindungen ohne Übergreifung möglich, die bisher nur mittels Übergreifungsstoß ausgeführt werden konnten.

Der Injektionsmörtel erlaube die Konstruktion von Verbindungen, die sonst nur durch Bohren "um die Ecke" möglich wären. Zudem könne die volle Leistung (Verbundspannung) des Injektionsmörtels Hilti HIT-HY 200-R V3 genutzt werden, womit auch die Optimierung der Konstruktionslösung verbunden sei, so Hilti.

Neues Verfahren verspricht Bauablauf ohne Unterbrechung

Die Liechtensteiner Experten zielen mit ihrem neuen Injektionsmörtel auf ein erweitertes Anwendungsspektrum auf der Baustelle, da anstelle des Einlegens von L- oder U-förmiger Bewehrung gerade Bewehrungsstäbe nachträglich installiert werden könnten.

Das biete, so die Theorie, mehr Flexibilität bei der Planung, Detaillierung und Platzierung von Bewehrungsstäben sowie einen unterbrechungsfreien Bauablauf ohne die Notwendigkeit eines Teilabbruchs. Zudem könnten Gesundheits- und Sicherheitsrisiken minimiert werden, da keine eingegossenen Bewehrungseisen aus dem Beton herausragen.

Software hilft bei Berechnung von Anschlüssen

Um Bewehrungsanschlüsse in der neuen Form möglichst schnell und einfach zu berechnen, bietet Hilti eine kostenlose Software (PROFIS Rebar) an, die alle Hilti Produkte umfasst, welche für die Umsetzung nachträglicher Bewehrungsanschlüsse genutzt werden können.

Mit der Software können laut Hersteller nachträgliche Bewehrungsanschlüsse sowohl nach Eurocode 2 als auch nach TR 069 oder der Hilti Bemessungsmethode berechnet werden.

Hersteller bietet Rundum-Paket für nachträgliche Bewehrungsanschlüsse

Mit einem ebenfalls digitalen Volumenrechner kann auch die genaue Menge des benötigten Injektionsmörtels vorab berechnet werden. Die App berechnet auf Basis der einzubauenden Bewehrungsstäbe die Anzahl der benötigten Mörtel-Kartuschen und unterstützt so bei der Vorplanung der Baustelle.

Weitere Werkzeuge und Systeme zur Dosierung und Verarbeitung des Injektionsmörtels runden das erweiterte Hilti-Sortiment ab.

Bewertung für diesen Fachbeitrag
0 von 5 Sternen | 0 Abstimmungen
Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/massivbau/hilti-hit-hy-150-nachtraegliches-verankern-von-bewehrungsstaeben-teil-1-2/1187.htm
Kurz-Link  Kurz-Link zu diesem Beitrag:
https://www.bauingenieur24.de/url/700/3220