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Donnerstag, 21. Februar 2019
Ausgabe 6394 | Nr. 52 | 18. Jahrgang
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Neuartige Technologie zur Abdichtung von Betonfertigteilkellern

# 30.11.2011

Eine neue Technologie soll das Abdichten von Betonfertigkellern verbessern: Die neu entwickelte Dichtungsmembran ist mit einer gitternetzartigen Struktur geprägt, die wiederum mit einem speziellen Dichtstoff gefüllt ist. Kommt es zu einer Beschädigung der Dichtungsmembran, wird das Wasser innerhalb eines kleinen Teilbereichs gehalten und kann die Dichtungsbahn nicht hinterwandern.

Die Dichtungsmembran ist mit einer gitternetzartigen Struktur geprägt. Bei Beschädigung der Membran wird das Wasser innerhalb eines kleinen Teilbereichs gehalten und kann die Dichtungsbahn nicht hinterwandern, Abb.: Sika Die Dichtungsmembran ist mit einer gitternetzartigen Struktur geprägt. Bei Beschädigung der Membran wird das Wasser innerhalb eines kleinen Teilbereichs gehalten und kann die Dichtungsbahn nicht hinterwandern, Abb.: Sika

Wirtschaftlicher Druck und möglichst kurze Bauzeiten sind der Grund, warum Bauwerke immer öfter in Fertigteilbauweise realisiert werden. Dieser Trend ist in allen Bereichen der Bauindustrie zu verzeichnen - vom Wohnungsbau über Industrie- und Gewerbebau bis hin zu Gebäuden mit besonders hochwertigem Nutzungsanspruch, wie zum Beispiel Archive und Lagerräume für feuchtempfindliche Güter.

Die Ausführung erfolgt entweder mit massiven Vollwandelementen oder mit Dreifachwänden. Das Abdichten stellt jedoch eine besondere Herausforderung dar, da die üblichen Bauweisen als WU-Konstruktion mit Fugenband hier nur sehr begrenzt möglich sind. Die Firma Sika aus Stuttgart verspricht nun eine einfach zu installierende und wirtschaftliche Systemlösung: Die Kombination aus dem Fugenabklebesystem Tricoflex und der neuen Frischbeton-Verbunddichtungsbahn SikaProof A.

Flächenabdichtungen sind bereits seit vielen Jahrzehnten am Markt. Ihr Nachteil ist der hohe Sanierungsaufwand im Schadensfall, denn die Flächenabdichtung (z.B. Schwarze Wanne) umhüllt das Bauwerk nur lose. Deshalb kann Feuchtigkeit gegebenenfalls durch eine Perforation der Abdichtung eintreten und anschließend zwischen Bauwerk und Abdichtungslage wandern. Die Dichtungsbahn SikaProof A ist eine mehrlagige Abdichtungsmembran auf Basis einer bewährten FPO-Dichtungsbahn und soll dieses Hinterlaufen verhindern.

Eine mit SikaProof A vorbereitete Bodenplatte. Darauf folgt Frischbeton, der sich durch Erhärten dauerhaft mit der Dichtungsbahn verbindet, Foto: Sika Eine mit SikaProof A vorbereitete Bodenplatte. Darauf folgt Frischbeton, der sich durch Erhärten dauerhaft mit der Dichtungsbahn verbindet, Foto: Sika

Die dahinterstehende Technologie ist nach dem Prinzip eines Mini-Compartment-Systems aufgebaut: Die Dichtungsmembran ist mit einer gitternetzartigen Struktur geprägt, die wiederum mit einem speziellen Dichtstoff gefüllt ist. Kommt es zu einer Beschädigung der Dichtungsmembran, wird das Wasser innerhalb eines kleinen Teilbereichs gehalten und kann die Dichtungsbahn nicht hinterwandern. Ein Wassereintritt in das Bauwerk kann nur im sehr seltenen Fall auftreten, nämlich wenn ein Riss oder eine Fehlstelle im Beton deckungsgleich mit der Beschädigung in der Membran ist. Aber auch in solch einem Fall kann die Sanierung sehr einfach mittels Bohrpackerinjektionen erfolgen.

Auf der Betonageseite ist die Membran mit einen Vlies kaschiert und wird vor der Betonage in die Schalung oder auf der Sauberkeitsschicht ausgelegt. Im Fertigteilwerk wird die Bahn auf die entsprechenden Wandflächen vorkonfektioniert und auf dem Schalwagen ausgelegt. Bei der anschließenden Betonage penetriert der Frischbeton in das Vlies und haftet mit Erhärten mechanisch auf dem Bauwerk - aufgrund der flächigen Verkrallung.

Neben dem flächigen Verbund und dem Hinterlaufschutz bieten solche Systeme vor allem bauphysikalische und wirtschaftliche Vorteile. Im Gegensatz zur wasser-undurchlässigen Bauweise handelt es sich hier um eine wasserdichte Bauweise: Nach dem Austrocknen der Betonrestfeuchte ist kein weiterer Feuchteeintrag mehr von außen möglich. Dies ist vor allem bei Wohnräumen, Archiven, Technik- und EDV-Zentralen von enormer Wichtigkeit, da hier ein möglichst trockenes Raumklima herrschen muss.

Die hochflexiblen rissüberbrückenden Eigenschaften der FPO-Dichtmembran lassen eine Reduzierung der rissbegrenzenden Bewehrung bis 1 mm Rissweite bei der Berechnung der Bauteile zu. Ebenso sind die in der WU-Richtlinie geforderten Mindestbauteilstärken nicht erforderlich.

Nach Fertigstellung der im Ortbeton hergestellten Bodenplatte, können die im Fertigteilwerk mit Dichtungsbahn ausgestatteten Wände gestellt und ggf. ausbetoniert werden. Durchführungen, Sonderdetails, Spannstellen sowie die Arbeits- und Dehnfugen werden im Nachgang mit dem Tricoflex-Abklebesystem geschlossen. Bei diesem System wird eine TPE-Dichtmembran beidseitig der Fuge in ein Epoxydharzkleberbett eingeklebt. Somit kann der gesamte Fugenverlauf geschlossen abgedichtet werden.

Nach Fertigstellung aller Arbeitsgänge ist das Bauwerk allumfassend in eine geschlossene und dichte Hülle gebettet. Sämtliche Detailpunkte und Übergänge sind in Funktionsprüfungen nachgewiesen und mit einem allgemein bauaufsichtlichen Prüfzeugnis belegt.

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