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Montag, 20. August 2018
Ausgabe 6209 | Nr. 232 | 18. Jahrgang
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Nord-Ostseekanal erhält fünfte und längste Schleusenkammer

# 25.01.2017

Zusätzlicher Durchlauf wird auf bisheriger Kanalinsel errichtet. Anschließende Instandsetzung der bestehenden Doppelkammern. Spezialtiefbauverfahren soll Erschütterungen durch Baumaßnahmen gering halten

Hochfrequentierte Schifffahrtsstraße benötigt Instandsetzung

Auf der aktuell größten deutschen Wasserbaustelle am Nord-Ostseekanal kommen für den erschütterungsarmen Bau von Schlitzwänden so genannte Dichtwandgreifer zum Einsatz. Foto: HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs		Auf der aktuell größten deutschen Wasserbaustelle am Nord-Ostseekanal kommen für den erschütterungsarmen Bau von Schlitzwänden so genannte Dichtwandgreifer zum Einsatz. Foto: HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs

Der Nord-Ostsee-Kanal ist die meistbefahrene künstliche Seeschifffahrtsstraße der Welt (ca. 32.000 Schiffe pro Jahr). In Brunsbüttel überwinden je zwei Doppelkammer-Schleusen den Höhenunterschied des Wasserstands von Elbe und Ostsee. Diese sollen bis zum Jahr 2021 für rund 500 Millionen Euro Instand gesetzt werden.

Um den Fahrbetrieb dabei möglichst wenig zu beeinträchtigen, wird aktuell ein "Bypass" in Form einer fünften Schleusenkammer gebaut. Das neue Bauwerk findet auf der Insel zwischen der bisherigen so genannten "Kleinen" und "Großen Schleuse" Platz. Bei ihrem Bau ist besondere Vorsicht geboten, um die vorhandenen Schleusen in unmittelbarer Nähe nicht zu beschädigen. Auch sollen große Erschütterungen vermieden werden, damit das ständige Schleusen unbeeinträchtigt bleibt.

Schlitzwände anstelle von herkömmlichen Spundwänden

Anders als herkömmlich, begannen die Arbeiten an der Baugrube aus den genannten Gründen nicht mit dem Bau gerüttelter oder gerammter Spundwände, sondern mit der Errichtung vertikaler Schlitzwände. Dieses Spezialverfahren zur Herstellung von Schleusen- und Uferwänden soll die Erschütterungen des Bodens so gering wie möglich halten.

Hierzu hebt ein Spezialgreifer den Boden lotrecht aus, während gleichzeitig eine tonhaltige Suspension - das Tonmineral Bentonit - als Stützflüssigkeit in den entstehenden Schlitz gepumpt wird. Diese Suspension verhindert das Einstürzen des Schlitzes. Anschließend werden die Schlitzwandlamellen, welche lotrecht eine durchgehende Wand bilden müssen, präzise überlappend in die Schlitze eingestellt.

Zahlreiche Messanlagen überwachen komplexe Montage

Die jeweiligen Spundwandfüße werden durch Zugabe von Spezialzement in die untere Stützwandflüssigkeit betoniert. Auf diese werden - im Falle der Schleusenkammer von Brunsbüttel - die 40 Tonnen schweren Trag- und die Füllbohlen abgestellt.

Die beschriebene Montage ist in Brunsbüttel bereits erfolgt. Umfangreiche Messanlagen kontrollierten dabei eventuelle Auswirkungen auf die benachbarten Schleusen, um ein Höchstmaß an Sicherheit zu garantieren.

Düsenstrahlpfähle zur Verankerung als Sonderanfertigung

Auch bei der Verankerung der Schleusenkammer im Boden geht man einen Sonderweg, um Erschütterungen des Erdreiches nach Möglichkeit zu vermeiden. Mit schrägen, sogenannten Düsenstrahlpfählen, welche mittels Computer gesteuertem Hochdruckinjektionsverfahren entstanden, werden ihre Wände gegen den Erd- und Wasserdruck gesichert.

In der Schleusenkammer sind 1.690 solcher Anker geplant. Da sie mindestens die kommenden 100 Jahre halten sollen, stellt die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) an sie hohe geometrische und materialtechnische Anforderungen. Bereits im Vorfeld hat die bauausführende Arbeitsgemeinschaft (ARGE) "Neubau 5. Schleusenkammer Brunsbüttel" eine Reihe von Probepfählen angefertigt.

Entlastungskammer wird größer als bestehende Doppelkammern

Die neue Schleusenkammer wird ganze 20 Meter länger sein als die bisherige Große Schleuse. Foto: HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs Die neue Schleusenkammer wird ganze 20 Meter länger sein als die bisherige Große Schleuse. Foto: HeidelbergCement AG / Steffen Fuchs

"Hier gibt es keine Standardlösung. Bei den Probebohrungen haben wir Herstellparameter wie Pumpendruck, Pumpmenge, Umdrehungs- und Ziehgeschwindigkeit des Düsengestänges in enger Abstimmung mit BAW und Wasser- und Schifffahrtsamt immer wieder angepasst, um die geforderte Qualität und Langlebigkeit in den Böden vor Ort zu erreichen." erklärt Sebastian Grote, Bauleiter der ARGE.

In vier Jahren soll der Bypass gesetzt, die fünfte Schleusenkammer fertiggestellt sein. Dabei wird sie mit einer Länge von 350 Metern ganze 20 Meter länger sein als die bisherige "Große Schleuse" und damit noch größeren Schiffen die beliebte Abkürzung durchs Land ermöglichen.

Schleusenkammer Nord-Ostseekanal Seeschifffahrtsstraße Brunsbüttel Elbe Erschütterungen Schlitzwände Spundwände HeidelbergCement Tonmineral Bentonit Stützflüssigkeit Bundesanstalt für Wasserbau BAW Massivbau Wasserstraßen https://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/massivbau/nord-ostseekanal-erhaelt-fuenfte-und-laengste-schleusenkammer/2906.htm 529 de-DE
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