Fachbeiträge & Interviews
Montag, 21. Oktober 2019
Ausgabe 6636 | Nr. 294 | 19. Jahrgang
Autor: Wolfgang Smeets
Herausgeber: Halfen GmbH & Co. KG email-weiterempfehlendruckansicht

Rheinquerung der Autobahn 44 bei Ilverich

# 03.09.2001

Straßenbauprojekt an der A 44 / Rheinquerung Ilverich

Lageplan Rheinquerung bei Ilverich, Abb.: Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen Lageplan Rheinquerung bei Ilverich, Abb.: Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen

Das zur Zeit größte Straßenbauprojekt Nordrhein-Westfalens ist die A 44 Rheinquerung bei Ilverich. Das im Juni 1998 begonnene, rund 630 Mio. Mark teure Bauwerk soll im Mai 2002 fertig gestellt sein. Es wird das linksrheinisch gelegene Autobahnkreuz Meerbusch-Strümp mit der rechtsrheinischen Anschlussstelle Düsseldorf-Messe/Stadion verbinden. Auch der Rhein-Ruhr-Flughafen Düsseldorf - der größte deutsche Charterflughafen - ist dann von der linken Rheinseite aus ohne Umwege erreichbar. Motivation für den Bau des knapp 6 km langen Teilstücks war außerdem die Entzerrung der vorhandenen Engpässe im regionalen Straßennetz (konkret der Uerdinger Rheinbrücke sowie der Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf). Die neue Trasse unterteilt sich grob gesehen in drei Abschnitte: den 640 m langen "Tunnel Strümp", einen zweiten, 870 m langen Tunnel im Bereich des Naturschutzgebietes "Ilvericher Rheinschlinge" sowie das Brückenbauwerk, bestehend aus der linksrheinischen, 435 m langen Vorlandbrücke, der Strombrücke (290 m lang) und der Vorlandbrücke auf der rechten Rheinseite mit einer Länge von 560 m.

Vorlandbrücke rechtsrheinisch, Blick vom östlichen Widerlager auf die Vorlandpfeiler, Foto: Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen Vorlandbrücke rechtsrheinisch, Blick vom östlichen Widerlager auf die Vorlandpfeiler, Foto: Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen

Die beiden Tunnelbauwerke sind das Ergebnis der Bemühungen, die durch den Bau verursachten Eingriffe in Natur und Umwelt so gering wie möglich zu halten bzw. diese durch Renaturierungsmaßnahmen (z. B. durch die Wiederherstellung der ursprünglichen Vegetationsstrukturen auf den Tunneldecken) auszugleichen. Die Rheinbrücke wird als Schrägseilbrücke mit einem dreizelligen Hohlkasten gebaut. Sie ist sechsspurig mit einem 2,50 m breiten Rad- und Gehweg auf jeder Seite, der über Rampen von den Rheindeichen aus zu erreichen ist. Die Vorlandbrücken werden in Spannbeton, die Strombrücke in Stahl ausgeführt. Eine konstruktive Besonderheit bilden die V-Pylone. Diese wurden notwendig, um deren Höhe zu begrenzen, die wegen des Flugverkehrs nur 81 m über NN betragen darf. Der lichte Abstand der Strompfeiler von 275 m ergab sich aus den Forderungen der Rheinschifffahrt. Zusätzlich zu der schiffbaren Breite musste gewährleistet sein, dass bei dem höchsten schiffbaren Wasserstand noch eine lichte Durchfahrtshöhe von 9,10 m bleibt.

Der lichte Abstand der Strompfeiler von 275 m ergab sich aus den Forderungen der Rheinschifffahrt, Foto: Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen Der lichte Abstand der Strompfeiler von 275 m ergab sich aus den Forderungen der Rheinschifffahrt, Foto: Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen

Zum reibungslosen Betrieb des Brückenbauwerkes gehört ferner dessen ordnungsgemäße Entwässerung. Diese wiederum kann nur gewährleistet werden, wenn die Abwasserrohre dauerhaft sicher befestigt sind. Mit dieser Aufgabe wurde die E. u. G. Lange GmbH aus Dortmund beauftragt. Zum Einsatz kamen dabei ausschließlich Produkte der Firma Halfen. Der Hersteller von Montagetechnik aus dem rheinländischen Langenfeld bietet die von Bauherrn, Planern und Verarbeitern immer wieder geforderten Eigenschaften Systemsicherheit, Sicherheitstauglichkeit und Wirtschaftlichkeit. Die Systemsicherheit basiert dabei auf der fast 70-jährigen Erfahrung von Halfen im Bereich der Rohrleitungsbefestigungen. Alle Komponenten sind optimal aufeinander abgestimmt und nach dem Qualitätsmanagement-System ISO 9001 geprüft. Da sämtliche Komponenten der Halfen-Montagetechnik auch komplett aus Edelstahl zu beziehen sind – dies ist vor allem für Bereiche wie Brücken-, Tunnel- und Kläranlagenbau, chemische Industrie etc. relevant –, ist ein optimaler Korrosionsschutz und damit maximale Sicherheit gegeben.

Blick vom linksrheinischen Pylon auf die Stahlbrücke - Im Vordergrund wird gerade Schuss 5 mit dem Schwimmkran montiert, Foto: Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen Blick vom linksrheinischen Pylon auf die Stahlbrücke - Im Vordergrund wird gerade Schuss 5 mit dem Schwimmkran montiert, Foto: Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen

Die Wirtschaftlichkeit liegt begründet in der schnellen Verfügbarkeit der Produkte sowie deren rascher, unproblematischer Montage. Diese ist auch dann gegeben, wenn, wie teilweise bei der A 44 Rheinquerung der Fall, eisige Witterungsbedingungen herrschen, die den Monteuren die Arbeit erschweren. Ein Grund, warum bei der Verlängerung der Autobahn 44 Rohrleitungsbefestigungen von Halfen zum Einsatz kamen, liegt auch in der Tatsache begründet, dass sie den hohen Anforderungen des Bundesverkehrsministeriums genügen. Das Basisprodukt des in Meerbusch-Ilverich und Düsseldorf verwendeten Systems ist die bauaufsichtlich zugelassene Halfenschiene Typ HTA in Edelstahlqualität. Diese wurde vor Ort an die Schalung genagelt und in die Brückendecke einbetoniert. Eine Vollschaumfüllung verhindert das Eindringen von Frischbeton in die Schiene. Nach dem Ausschalen des Betons wurde diese einfach mit einem geeigneten Werkzeug ausgekratzt, um die Folgearbeiten verrichten zu können.

Entwässerungstechnik unter der 38 m breiten Fahrbahn, Foto: Halfen Entwässerungstechnik unter der 38 m breiten Fahrbahn, Foto: Halfen

Im nächsten Arbeitsschritt befestigten die Verarbeiter der Firma Lange die Halfenschrauben und Schienenmuttern im durchgehenden Längsschlitz der Halfenschiene. Dabei konnten sie an jeder beliebigen Stelle in den Profilschlitz eingeführt werden, so dass ein schnelles und stufenloses Justieren möglich war. Die Halfenschraube ist durch einen Gelenkverbinder mit dem oberen Ende der Gewindestange verbunden. An deren unterem Ende wurden die Halfen-Rohrschellen montiert, an denen wiederum das Abwasserrohr aufgehängt wurde. Abschließend stellten die Verarbeiter nur noch den Rohranschluss an die Abwasserabläufe der Fahrbahndecke her. Auch wenn die Befestigung der Abwasserrohre nur einen kleinen Teil in der über vier Jahre veranschlagten Errichtung der Rheinquerung ausmacht, so sind es doch ausgereifte Montagetechniken wie diese, die das Bauwerk zu einem Ereignis für nationale und internationale Fachbesucher machen. Bis heute konnte man zahlreiche Besucher, sogar aus China und Japan, verzeichnen. Wirtschaftlichkeit und Dauerhaftigkeit sind gerade im Hinblick auf solche öffentlichen Bauvorhaben von großer Wichtigkeit. So werden die Kosten für die A 44 Rheinquerung zwar privat vorfinanziert, dann aber vom Bund in 15 Jahresraten aus Steuergeldern zurückgezahlt. Am Niederrhein deutet vieles darauf hin, dass dieses Straßenbauprojekt sein Geld wert ist.

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