Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 20. Oktober 2019
Ausgabe 6635 | Nr. 293 | 19. Jahrgang
Autor: Dipl.-Ing. Arno Bidmon
Herausgeber: Wapenhans und Richter - Bausachverständige, Dresden email-weiterempfehlendruckansicht

Schadensbeispiele im Mauerwerksbau - Teil 1/4

# 27.08.2001

Teil 1 - Durch unzulässiges Freilegen im Fußbereich der Fundamente kann es zum Grundbruch im Giebelbereich kommen

1. Vorbemerkung

In der Bundesrepublik Deutschland beträgt des Schadensvolumen am Bau jährlich mehr als 10 Milliarden Mark. Ein weites Aufgabengebiet der Sachverständigen, wenn man bedenkt, dass diese alarmierenden Zahlen u. a. auch wirtschaftliche Verluste bedeuten. Neben dem Finden der Ursachen und der daraus i.d.R. folgenden Therapie, spielt das Vermeiden von Schäden eine wichtige Rolle. Wie ein altes Sprichwort sagt: "Aus Schaden wird man klug." Sachverständigentätigkeit dient also auch dem Zweck, die aus Bauschäden gewonnenen Erfahrungen in die Praxis zu überführen. Im folgenden Vortrag möchte ich daher auf einige Schadensbeispiele eingehen, die ich in den letzten Jahren meiner Tätigkeit als Sachverständiger vorgefunden habe.

2. Abgesenkter Giebel

Gesamtansicht Giebel Wohnhaus, Foto: Wapenhans und Richter Gesamtansicht Giebel Wohnhaus, Foto: Wapenhans und Richter

Ein zweigeschossiges Wohngebäude zeigte am Giebel nahezu vertikale Risse an der Längswand im Giebelbereich. Bei der Begutachtung des Schadens ergab sich folgender Sachverhalt. In unmittelbarer Nähe wurde ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage errichtet. Die Erdarbeiten im nachbarlichen Grundstück wurden ohne Sicherungsmaßnahmen bis unterhalb der Fundamentunterkante des im Nachgang beschädigten Gebäudes geführt. Der Baugrund bestand aus sandigen Boden, Grundwasser war in diesem Bereich nicht zu verzeichnen. Nach erfolgter Abschachtung (der sogenannten Baufeldfreimachung) wurden Stahlspundwände in den Baugrund eingeschlagen, weil man beabsichtigte mit der Baugrube des Wohn- und Geschäftshauses noch weiter in die Tiefe zu gehen. Die Spundwand wurde unterhalb des nachbarlichen Gebäudes rückverankert. Bereits vor der Ausführung der Rückverankerungsarbeiten zeigten sich die auf dem Bild 2 zu sehenden Rissschäden, insbesondere im Gibelbereich.

Nachträglich eingetriebene Spundwand, Foto: Wapenhans und Richter Nachträglich eingetriebene Spundwand, Foto: Wapenhans und Richter

Folgende Schadensursachen konnten festgestellt werden: unzulässige Freilegung des Fußbereiches der Fundamente, mit der Entfernung der seitlichen Auflast der Fundamente kam es zum Grundbruch im Giebelbereich, Erschütterungen im Baugrund durch Einschlagen der Spundwände und möglicher Bodenentzug durch das Setzen der Anker.

Risse an der Fensteröffnung, Foto: Wapenhans und Richter Risse an der Fensteröffnung, Foto: Wapenhans und Richter

Durch das Nachgeben (Senken) der Fundamente im Giebelbereich versuchte die Giebelwand ihre Lasten in die Längswand einzuleiten. Die Schwächung der Längswände durch Fensteröffnungen, eingeschränkte Ringankerwirkung der Holzbalkendecke und das sich im Einflussbereich des Grundbruches befindliche Längswandfundament waren weitere Gründe dafür, dass diese zusätzlichen Lasten nicht übernommen werden konnten.

Der Giebel riss von der Längswand ab. Als Sofortmaßnahme wurde die Verfüllung des verbleibenden Zwischenraumes mit Beton angeordnet. Eine Verfüllung mit dem anstehenden Sand ohne Verdichtung hätte nicht den notwendigen Erfolg gebracht. Verdichtungsarbeiten am Giebel waren zu riskant und hätten einen möglichen Teileinsturz des Gebäudes bewirken können.

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Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
Wapenhans und Richter
Teil 2/4
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