Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 23. Juni 2021
Ausgabe 7247 | Nr. 174 | 20. Jahrgang
Autor: Dipl.-Ing. Arno Bidmon
Herausgeber: Wapenhans und Richter - Bausachverständige, Dresden email-weiterempfehlendruckansicht

Schadensbeispiele im Mauerwerksbau - Teil 3/4

# 10.09.2001

Teil 3 - Rissverlauf infolge des Schwindprozesses der Stahlbetondecke bei fehlender Papplage

Schadensbeispiel: Außenwandrisse im Eckbereich

Bild 4: Eckriss in der Außenwand. Foto: Wapenhans und Richter Bild 4: Eckriss in der Außenwand. Foto: Wapenhans und Richter

Das nächste Schadensbeispiel zeigt einen Horizontalriss im Außenmauerwerk, und zwar an einer Gebäudeecke (Bild 4). Auf den ersten Blick war dieser Riss etwas ungewöhnlich, jedoch nach weiteren Untersuchungen konnte anhand des Kraftverlaufes die Ursache ermittelt werden.

Die Decke oberhalb dieser Rissbildung bestand aus Stahlbeton und hatte eine Ausdehnung von ca. 20,0 x 10,0 Meter. Die Decke hatte keine Trennlage zwischen dem POROTON-Mauerwerk und dem Stahlbeton. In der Mitte der Längswand bildete sich ein geometrischer Festpunkt aus.

Schwindverkürzungen bewirken Kraftübertragung

Abb. 4: Typischer Rissverlauf infolge des Schwindprozesses bei fehlender Papplage zwischen Mauerwerk und Geschossdecke. Abb.: Wapenhans und Richter Abb. 4: Typischer Rissverlauf infolge des Schwindprozesses bei fehlender Papplage zwischen Mauerwerk und Geschossdecke. Abb.: Wapenhans und Richter

Schwindverkürzungen der Stahlbetondecke bewirken eine Kraftübertragung auf das Mauerwerk, die mit zunehmender Entfernung zum geometrischen Festpunkt steigt. Die Beanspruchbarkeit auf Scheibenschub hängt im Wesentlichen von der Auflast ab, die jedoch i.d.R. bei den oberen Decke eines Gebäudes nicht sehr hoch ist.

Übersteigt die Beanspruchung die Beanspruchbarkeit, so kommt es zur Rissbildung. Nun stellt sich jedoch die Frage, warum die Rissbildung nicht unterhalb der Decke, sondern in halber Geschosshöhe erfolgte. Die Antwort gibt der in Abbildung 4 dargestellte Kräfteverlauf.

DIN 18530 gibt Hinweise zur Schadensvermeidung

Bild 5: Eckriss infolge abhebende Ecke, Foto: Wapenhans und Richter Bild 5: Eckriss infolge abhebende Ecke, Foto: Wapenhans und Richter

Systembedingt wird dieser Effekt durch die geringeren Auflasten in den Ecken einer vierseitig gelagerten Decke überlagert und hängt außerdem von der Plattensteifigkeit ab.

Hinweise zur Schadensvermeidung bietet die DIN 18530 "Massive Dachkonstruktionen für Dächer" Planung und Ausführung.

Biegeverformungen durch falsche Deckenlagerung

Abb. 5: Mangelhafte Ausführung - Außenwand ohne bituminöse Papplage. Abb.: Wapenhans und Richter Abb. 5: Mangelhafte Ausführung - Außenwand ohne bituminöse Papplage. Abb.: Wapenhans und Richter

In der DIN 18530 heißt es in Kapitel 3.2.2 "Biegeverformungen":

Infolge der Durchbiegung der Dachdecke entstehen an den äußeren Auflagern Deckenverdrehungen. Sofern die Dachdecke der üblichen Baupraxis entsprechend nicht zentrisch und frei drehbar gelagert ist, erhalten die darunter liegenden Wände Biegeverformungen und ungleichmäßige Normalverformungen.

Ist der Drehwinkel der Dachdecke am Deckenauflager größer als derjenige der Wand, so hebt sich die Dachdecke außen von der Wand ab. An den Ecken kann sich die Dachdecke vollständig abheben.

Konstruktive Maßnahmen gegen Außenwandrisse

Abb. 6: Empfohlene Lösung - Außenwand mit bituminöser Papplage. Abb.: Wapenhans und Richter Abb. 6: Empfohlene Lösung - Außenwand mit bituminöser Papplage. Abb.: Wapenhans und Richter

Weiter heißt es in der DIN 18530 im Kapitel 4. "Konstruktive Planungsgrundsätze":

Die Gefahr des Auftretens von Rissen infolge zu großer Verformungen in den Wänden kann durch konstruktive Maßnahmen eingeschränkt werden.

Solche Maßnahmen sind z.B.:

  • Wahl geeigneter Baustoffkombinationen und Konstruktionsarten von Decken und Wänden bezüglich ihres Verformungsverhaltens
  • hohe äußere Wärmedämmung auf der Dachdecke
  • Anordnung von Trennschichten bzw. von Gleit- oder Verformungslagern zwischen Dachdecke und Wänden
  • Anordnung von Gebäudedehnfugen

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