Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 24. April 2019
Ausgabe 6456 | Nr. 114 | 18. Jahrgang
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Herausgeber: HTWK Leipzig HTWK Leipzig email-weiterempfehlendruckansicht

Selbstverdichtender Beton - Teil 2/2

# 12.08.2002

Ein Ursprünglich vor 10 jahren in Japan entwickelter innovativer Baustoff bietet neue Möglichkeiten und erfreut sich nunmehr auch in Deutschland einer stetig wachsender Beliebtheit

Die Festbetoneigenschaften von SVB und Rüttelbeton sind vergleichbar

SVB zeichnet sich in der Regel durch eine bessere Homogenität und Mikrostruktur gegenüber konventionellem Rüttelbeton aus. So ist die Kontaktzone zwischen Zementstein und Zuschlag beim SVB wesentlich porenärmer und die Porenverteilung gleichmäßiger, was die Festbeton- eigenschaften vorteilhaft beeinflusst. Andererseits weist SVB einen hohen Mehlkornanteil auf, der sich durchaus ungünstig auswirken kann (zeitabhängige Betonverformungen, Verbundverhalten). Da unklar war, welche dieser beiden Tendenzen die dominierende ist, waren die bemessungs- relevanten Eigenschaften des SVB Gegenstand zahlreicher Versuchsprogramme. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse zeigen, dass SVB nach den gleichen Regeln wie Rüttelbeton bemessen werden kann.

SVB bietet viele Vorteile, die bei sinnvoller Verwendung die höheren Stoffkosten ausgleichen

Abb. 3 - Fuß- und Radwegbrücke Gaulis - Pilotprojekt für die Anwendung von SVB im Brückenbau Abb. 3 - Fuß- und Radwegbrücke Gaulis - Pilotprojekt für die Anwendung von SVB im Brückenbau

Der innovative Charakter des SVB kommt in erster Linie darin zum Ausdruck, dass kein Verdichtungsvorgang mehr erforderlich ist. Die daraus resultierenden Folgen sind vielgestaltig; so fällt die Lärmbelästigung durch das Verdichten des Betons weg, was dazu führt, dass in innerstädtischen Lagen zu Zeitpunkten betoniert werden kann, an denen das bisher nicht möglich war. Außerdem sind Rüttellücken in der oberen Bewehrung nicht mehr erforderlich, selbst Bereiche mit hohen Bewehrungsgehalten werden vollständig vom SVB ausgefüllt.

Ein weiterer Vorteil des SVB liegt in der Möglichkeit, fehlerfreie Sichtbetonoberflächen ohne Nester und Lunker erzeugen zu können; Nacharbeiten sind in der Regel nicht erforderlich. Damit kann man bei der Gestaltung der Betonoberflächen in neue Dimensionen vorstoßen. Hinzu kommt, dass beim SVB durch das Vermeiden von Fehlstellen infolge unzulänglicher Verdichtung das Herstellungsrisiko von der Baustelle weg, hin zum Betonwerk verlagert wird, wo wesentlich bessere Voraussetzungen für die Qualitätssicherung bestehen.

Die reinen Stoffkosten des SVB liegen gegenwärtig noch deutlich über denen konventioneller Rüttelbetone, was bei sinnvoller Anwendung des SVB durch den vereinfachten und beschleunigten Bauablauf aber mehr als wettgemacht werden kann. Es soll jedoch auch nicht verschwiegen werden, dass die Herstellung von SVB von besonderer Sorgfalt begleitet sein muss. Auf Schwankungen in seiner Zusammensetzung, was besonders den Wassergehalt des Frischbetons betrifft, reagiert SVB äußerst empfindlich und mit unerwünschten Folgen.


SVB als Transportbeton für ein Brückenbauwerk

Abschließend sei auf ein interessantes Anwendungsbeispiel verwiesen. Im Rahmen eines Pilotprojektes kam im November 2001 selbstverdichtender Transportbeton beim Bau einer Fuß﷓ und Radwegbrücke im Südraum von Leipzig zur Verwendung [6]. Die Brücke weist eine Spannweite von etwa 20 m auf, der Überbau besteht aus einer Platte in Verbindung mit einer bogenförmigen Stegscheibe. Während für den Steg ein selbstverdichtender Beton der Festigkeits- klasse B 65 zur Anwendung kam, wurde die Platte mit einem selbstverdichtenden Leichtbeton SVLB 45 betoniert. Die im Rahmen dieses Bauvorhabens gewonnenen Erfahrungen werden für die weitere Entwicklung und Verbreitung des Baustoffes SVB äußerst nützlich sein.

Literatur:

Prof. Dr. Ing. Klaus Holschemacher Prof. Dr. Ing. Klaus Holschemacher

[1] Deutscher Ausschuß für Stahlbeton: Richtlinie Selbstverdichtender Beton. Ausgabe Juni 2001.
[2] Holschemacher, K.; Weiße, D.: Sandreiche selbstverdichtende Betone. In: :König, G:; Holschemacher, K.; Dehn, F.: Selbstverdichtender Beton. Bauwerk Verlag Berlin, 2001, S.117 - 128.
[3] Dehn, F; Holschemacher, K.: Selbstverdichtender Leichtbeton für den Brückenbau. In: König; G.; Holschemacher, K.; Dehn, F.: Selbstverdichtender Beton: Bauwerk Verlag Berlin, 2001, S. 85 - 94.
[4] Grünewald, S.: Stahlfaserbeton mit selbstverdichtenden Eigenschaften, In: König, G.; Holschemacher, K.; Dehn, F.: Selbstverdichtender Beton: Bauwerk Vertag Berlin, 2001, 95 - 108.
[5] Ehrlich, N.: Erfahrungen mit SVB im Fertigteil- und Transportbetonwerk. In: König, G.; Holschemacher, K.; Dehn, F.: Selbstverdichtender Beton. Bauwerk Verlag Berlin, 2001, S. 241 - 249.
[6] König, G.; Holschemacher, K.; Maurer, R.; Dehn, F.: Selbstverdichtender Beton für den Brückenbau. Beton- und Stahlbetonbau 97(2002), H.6.

Zu den Autoren:

Dipl. Ing. Yvette Klug Dipl. Ing. Yvette Klug

Prof. Dr. Ing. Klaus Holschemacher

  • Bauingenieurstudium und Promotion (1992) an der Technischen Hochschule Leipzig

  • 1991 bis 1996 Mitarbeiter und Partner in einem Ingenieurbüro für Tragwerksplanung mit Sitz in Braunschweig und Leipzig

  • 1996 Berufung zum Professor für Stahlbetonbau an den Fachbereich Bauwesen der HTWK Leipzig

  • Forschungsschwerpunkte: Selstverdichtender Beton, Faserbeton, Verbundverhalten der Bewehrung.
Tel. 0341/3076-6267
[email protected]

Dipl.-Ing. Yvette Klug
  • Ausbildung als Bauzeichnerin
  • 1997 bis 2001 Studium des Bauingenieurwesens an der HTWK Leipzig
  • Seit November 2001 Promotionsstudentin am Lehrbereich Stahlbetonbau der HTWK Leipzig
Quellen-und-Verweise  QUELLEN UND VERWEISE:
HTWK Leipzig - Fachbereich Bauwesen
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