Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 24. August 2019
Ausgabe 6578 | Nr. 236 | 19. Jahrgang
Autor: Christian Wieg
Herausgeber: bauingenieur24® Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Sichtbetonflächen können digital begutachtet werden

# 30.05.2007

Die TU Dresden hat zusammen mit Bildverarbeitern der Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik e.V. Berlin und Baustoffspezialisten der TU Berlin ein bildbasiertes Verfahren zur Qualitätskontrolle von Betonoberflächen vorgestellt

Die Qualität von Sichtbetonoberflächen führt immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Bauherrn und Ausführenden, Foto: Redaktion Die Qualität von Sichtbetonoberflächen führt immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Bauherrn und Ausführenden, Foto: Redaktion

Ein Forscherteam vom Institut für Fördertechnik, Baumaschinen und Logistik der Technischen Universität Dresden (TUD) stellte zusammen mit Partnern Mitte Mai ein bildbasiertes Verfahren zur Qualitätskontrolle von Sichtbeton vor. Damit könnten Betonoberflächen auf ihren Porenanteil, die Gleichmäßigkeit der Farbe und die Oberflächenstruktur hin geprüft werden. Die Verfahren seien für Baugutachten vor Ort, Prozesskontrollen in Fertigteilwerken und technologische Untersuchungen in Labors einsetzbar. Zwar haben verschiedene Fachverbände objektive Qualitätskriterien erarbeitet, nach denen Sichtbeton bewertet werden kann - ein flexibles Messwerkzeug fehlte aber bisher.

Mit einer Digitalkamera fotografiert der Gutachter die Betonfläche, auf die ein Referenzrahmen zur Geometrie- und Helligkeitskorrektur geklebt ist. Die automatische Bewertung des Farbeindrucks erfolgt anhand einer Vergleichsfarbskala aus kleinen Betonsteinchen. Eine Software zur Bildanalyse, Statistik und Visualisierung gibt sofort Auskunft über die Porengrößen und -anteile sowie andere Strukturmerkmale, die bisher per Hand ausgezählt und vermessen werden mussten. Über 120 Probebetonierungen wurden auf diese Weise bereits analysiert.

Die Entwicklung sollte ursprünglich bei der Bewertung der erzielten Bauqualität helfen. Jetzt ist auch an eine Weiterentwicklung für den täglichen Praxiseinsatz gedacht: Mit Hilfe einer einfachen Knopfdrucklösung könnten Baufachleute beispielsweise Analysen erstellen, die im Streitfall rasch objektivierte Aussagen über die Qualität der Fassadenoberfläche zulassen. Die Testmethode stieß nach Angaben der TUD auf großes Interesse, da sie sich auf andere Oberflächen, wie Natursteine, Putze etc. erweitern ließe.

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