Fachbeiträge & Interviews
Freitag, 01. Juli 2022
Ausgabe 7620 | Nr. 182 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Michael Braun
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Spezialbeton für Kühlturm

# 25.09.2009

Ungeachtet der rechtlichen Probleme beim Bau des Kohlekraftwerks Datteln von E.ON entsteht wenige Kilometer entfernt am Lünener Stummhafen im Auftrag der Trianel Kohlekraftwerk Lünen GmbH seit September 2008 ein weiteres Steinkohlekraftwerk. Derzeit wächst hier mit einem zusätzlichen Höhenmeter pro Tag die Kühlturmschale empor. Über den Kühlturm erfolgt später gleichzeitig die Abgasableitung. Beton mit erhöhtem Säurewiderstand von Cemex Deutschland sorgt dafür, dass der Kühlturm ohne Beschichtung dauerhaft chemischen Angriffen durch die Kraftwerksabgase standhält.

Einen Meter täglich wächst die Kühlturmschale in die Höhe, Foto: Heitkamp Ingenieur- und Kraftwerksbau Einen Meter täglich wächst die Kühlturmschale in die Höhe, Foto: Heitkamp Ingenieur- und Kraftwerksbau

Abgase aus der Kohleverbrennung über den Kühlturm abzuleiten ist inzwischen Stand der Technik im Kraftwerkbau. Für den Kühlturm bedeutet dies jedoch trotz wirksamer Abgasreinigung eine höhere Belastung durch Säureangriffe, der vor allem Bauteile im Kühlturminneren und die Kühlturmschale ausgesetzt sind. Eine Spezialrezeptur für Kühlturm-Beton, die auch schon bei einem Braunkohlekraftwerk in Boxberg in ähnlicher Zusammensetzung verwendet wurde, macht den Baustoff so widerstandsfähig, dass dennoch auf eine zusätzliche Beschichtung verzichtet werden kann. Für den Bauherrn bedeutet dies eine erhebliche Kostenersparnis, zumal eine Beschichtung in regelmäßigen Abständen erneuert werden müsste, während der unbeschichtete Beton auf die gesamte Lebensdauer des Kraftwerks ausgelegt ist.

"Rund 8.500 m³ Beton werden für die Kühlturmschale über eine mobile Produktionsanlage just-in-time direkt auf der Baustelle erzeugt", erklärt Frank Mathia. In seiner Funktion als Werkleiter mobile Mischanlagen der Transmobil GmbH, betreut er die Baustelle vor Ort. Wegen der sich über mehrere Jahreszeiten erstreckenden Bauzeit wurden vorab Rezepturen entwickelt und getestet, die den unterschiedlichen Temperaturbereichen gerecht werden.

Durch die spezielle Beton-Rezeptur kann eine Beschichtung der Kühlturmschale entfallen, Foto: Cemex Durch die spezielle Beton-Rezeptur kann eine Beschichtung der Kühlturmschale entfallen, Foto: Cemex

Als Bindemittel kommt CEM II/B-S 42,5 R-NA zum Einsatz. Dieser Portlandhüttenzement verursacht durch seinen im Vergleich zu Portlandzement niedrigeren Klinkeranteil einen geringeren CO2-Ausstoß bei der Produktion. Zudem hat er den Vorteil, dass er dem Beton eine optisch angenehme, helle Färbung verleiht. Der Spezialbeton unterliegt ständigen umfangreichen Qualitätskontrollen - von den Ausgangsstoffen bis zum fertigen Beton kurz vor dem Einbau. Sie werden detailliert dokumentiert, Rückstellproben aufbewahrt. "Die Stützenbetonage haben wir im Februar erfolgreich abgeschlossen", erklärt Betontechnologe Ulrich Starkmann, der den Baufortschritt begleitet. "Auch mit dem Bau der Kühlturmschale liegen wir gut im Zeitplan."

Die Trianel GmbH – ein Zusammenschluss mehrerer Stadtwerke – investiert gemeinsam mit weiteren Stadtwerken mehr als eine Milliarde Euro in das Bauobjekt. Generalunternehmer für dieses Projekt ist ein Konsortium, das von der Siemens AG, der japanischen IHI und der österreichischen AE&E gebildet wird. Die Bauarbeiten für den Kühlturm führt die Heitkamp Ingenieur- und Kraftwerksbau GmbH, Herne, aus. 2012 soll das Kraftwerk mit einer Leistung von 750 MW und einem Wirkungsgrad von über 45 Prozent in Betrieb genommen werden. Die günstige Lage zum Datteln-Hamm-Kanal erleichtert die Kohlelogistik.

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