Fachbeiträge & Interviews
Sonntag, 17. Oktober 2021
Ausgabe 7363 | Nr. 290 | 21. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Dipl.-Ing. Pinar Türen: "Die Neuerrichtung des Henninger Turms war der Höhepunkt meiner bisherigen Karriere."

# 25.06.2021

Dipl.-Ing. Pinar Türen von der Sweco GmbH | Umstellung auf Homeoffice prägt internationales Ingenieurbüro. Wandel der Arbeitskultur und im Miteinander muss akzeptiert werden. Arbeitgeber ermöglichte Vollzeit-Ausbildung zur Schweißfachingenieurin

Dipl.-Ing. Pinar Türen

Dipl.-Ing. Pinar Türen arbeitet seit 2011 bei der Sweco GmbH in Frankfurt am Main. Sie leitet das Ressort Tragwerksplanung Hochbau. Foto: Sweco GmbH Dipl.-Ing. Pinar Türen arbeitet seit 2011 bei der Sweco GmbH in Frankfurt am Main. Sie leitet das Ressort Tragwerksplanung Hochbau. Foto: Sweco GmbH

Pinar Türen leitet das Ressort Tragwerksplanung Hochbau der Sweco GmbH in Frankfurt am Main. Ihr Team besteht aus elf Mitarbeitenden.

Als Bauingenieurin und internationale Schweißfachingenieurin ist Türen seit 2011 für Sweco tätig.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Stockholm versteht sich als größtes Architektur- und Ingenieurbüro in Europa und beschäftigt in Deutschland über 1.600 Menschen an über 35 Standorten.

Sowohl private als auch öffentliche Kunden beziehen Leistungen aus einem breiten Spektrum, dabei unter anderem in den Bereichen Verkehr, Infrastruktur und Energietechnik.

Frau Türen, was fordert Sie aktuell besonders in Ihrem Job?

Der Arbeitsalltag hat sich während der Coronapandemie rasant weiterentwickelt. Sowohl arbeitsschutztechnisch, im Hinblick auf die Infektionslage, als auch IT-technisch mussten wir neue Wege gehen.

Das war für alle Beteiligten eine enorme Aufgabe, zum einen in der Bereitstellung und zum anderen im Annehmen und im individuellen Einsatz. Unser Fokus liegt hierbei besonders auf unseren Mitarbeitenden mit Kindern. Wir wissen, was für eine große Leistung sie in den vergangenen Monaten erbracht haben.

Konkret hat die Umstellung auf die Arbeit im Homeoffice Sweco, wie viele andere Unternehmen auch, sehr geprägt. Speziell in unserem Bereich haben wir in Zeiten der Pandemie ein Wechselmodell eingeführt, in dem die zuvor festgelegten Teams wechselseitig eine Woche aus dem Home-Office und eine Woche aus dem Büro am Standort arbeiten konnten. Wir haben unter Einbindung aller Teammitglieder neue kreative Kommunikationskanäle für uns gefunden, um weiterhin den erforderlichen persönlichen Kontakt und den Zusammenalt innerhalb eines Teams aufrechtzuhalten.

Der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen in der Kaffeeküche, im Flur oder im Treppenhaus gehört genauso in den Arbeitsalltag wie ein fachlicher Austausch im Projekt. So haben wir beispielsweise eine wöchentliche freiwillige virtuelle "Kaffee- und Teerunde", in der wir uns auch aus dem Home-Office austauschen können und in der nicht nur über die Arbeit gesprochen wird.

Nun müssen wir uns langfristig neuen Herausforderungen stellen. Wir möchten nicht nur innerhalb Swecos ein zukunftsorientiertes Arbeitsmodell erarbeiten, sondern auch den Kundenfokus in diese Entwicklung mit einbeziehen. Die moderne Arbeitswelt von morgen wird uns nach der Pandemie weiter beschäftigen und Bestandteil unseres bisherigen flexiblen Arbeitszeitmodells sein. Hierzu ist es notwendig, die Bedürfnisse und Gedanken der Belegschaft und unserer Kunden mit in unsere Entwicklung einfließen zu lassen.

Unsere einzigartigen und vielfältigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden unter Pandemiebedingungen spielen hierbei eine wichtige Rolle. Eine engere und persönlichere Zusammenarbeit mit dem Kunden wurde durch die vermehrte Akzeptanz der digitalen Möglichkeiten, beispielsweise durch Video-Calls, möglich.

Ebenfalls ist es spannend zu beobachten, welche Veränderungen durch den Trend zum Homeoffice auf uns Planer zukommen. Das betrifft unter anderem auch die Auswirkungen der Investitionen im Bau, zum Beispiel die Planung von weiteren Tragwerken mit Büronutzung.

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig und warum?

Dieses Jahr werden es genau zehn Berufsjahre, die sehr schnell vergangen sind. Zuvor habe ich in Frankfurt Bauingenieurwesen mit der Vertiefung konstruktiver Ingenieurbau studiert. Schon sehr früh merkte ich, wie sehr mich die Bauwelt interessiert.

Vor allem die Möglichkeiten des Bauingenieurwesens mit einem breiten Spektrum an Ingenieurleistungen faszinierten mich bereits damals und das hält bis heute an. Langweilig wurde mir in meinem Berufsleben nie, was auch daran liegt, dass diese Zeit stets mit sehr vielen abwechslungsreichen Aufgaben gefüllt war.

Ich blicke gerne auf viele spannende Projekte zurück, aber eines liegt mir besonders am Herzen, und zwar die Neuerrichtung des Henninger Turms in Frankfurt am Main. Der alte Henninger Turm galt als Wahrzeichen Frankfurts, von daher wurde der neue Henninger Turm architektonisch in Anlehnung an den alten entworfen. Bei diesem Projekt mitwirken zu dürfen, war für mich einer der Arbeitshöhepunkte bei Sweco.

Welche Wege geht Ihr Unternehmen in punkto Personalgewinnung?

Wir legen besonderen Wert darauf, unsere Mitarbeitenden in ihrer Karrierelaufbahn stets zu fördern und sie auf dem aktuellen Fachwissenstand zu halten. Über unsere Sweco Akademie haben alle Mitarbeitenden die Möglichkeit, sich über zahlreiche interne und externe Schulungsangebote kontinuierlich und auf ihrer persönlichen Entwicklungsstufe weiterzubilden.

Bereits am ersten Arbeitstag erhält jedes neue Teammitglied zahlreiche Erstschulungen, um interne Arbeitsprozesse und Qualitätsstandards bei Sweco kennenzulernen. Insbesondere unsere jungen Nachwuchskräfte werden so vom Berufseinstieg an eng und unkompliziert eingearbeitet und begleitet.

Eine komplett neu ausgerichtete Berufsausbildung, die Aufnahme eines Studiengangs im Nachgang zur Berufsausbildung oder aber auch ganz klassisch dual Studierende unterstützen wir von Beginn an sehr gerne. Aktuell konnten wir eine junge Auszubildende für uns gewinnen, die parallel zu ihrer Ausbildung zur Bauzeichnerin ein duales Studium im Bauingenieurwesen aufgenommen hat.

Insbesondere beim Thema Work-Life-Balance können wir auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken, die wir mit dem Qualitätssiegel "audit berufundfamilie" regelmäßig sichtbar machen. Hierzu zählt unter anderem auch unser auf Vertrauen ausgerichtetes flexibles Arbeitszeitmodell und verschiedene Angebote rund um das Thema Kinderbetreuung oder die Betreuung von nahen Angehörigen. Unsere Mitarbeitenden hierin zu unterstützen, macht uns als Sweco besonders stolz.

Über verschiedenste soziale und persönliche Netzwerke sowie unser eigenes kompetentes Recruiting-Team teilen wir unser Geschäftsmodell und unsere Kultur gern.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: "Um erfolgreich zu planen und zu bauen kommt es in Zukunft darauf an, dass..."

...wir mit der Zeit und den dazugehörigen Entwicklungen gehen. Diese Entwicklungen anzunehmen ist eine gesellschaftliche Aufgabe, zu der jeder von uns einen Beitrag leisten kann.

Ich wünsche mir in vielen Bereichen, dass wir eine gewisse Aufgeschlossenheit und Akzeptanz gegenüber neuen Ideen und den damit verbundenen Veränderungen zeigen und hierbei mitwirken.

Die Bandbreite der Möglichkeiten reicht hier vom Annehmen moderner Arbeitsbedingungen und dem kulturellen Arbeitswandel, über die Berücksichtigung der Nachhaltigkeit im Bauen bis hin zum Miteinander in der Baubranche.

In welche Technik investiert Ihr Unternehmen?

Unser IT-Team ist ebenso wie alle Mitarbeitenden bei Sweco auf dem aktuellen Stand der Technik. Das reicht von moderner IT-Ausstattung bis hin zu zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten. Wir haben verschiedene Arbeitsgruppen rund um das Thema Hardware und Software, die sich mit den IT-Themen auseinandersetzen.

Die vergangenen Monate waren zwar stark an der Ermöglichung eines reibungslosen Arbeitens aus dem Homeoffice heraus ausgerichtet gewesen, jedoch hatte dies keinerlei negativen Einfluss auf unsere eigentlichen perspektivischen Fortschritte unserer IT-Modernisierungsmaßnahmen.

Ganz im Gegenteil, die bereits vor der Pandemie angestoßenen Entwicklungen waren für uns ein enormer Vorsprung und wir sind kontinuierlich dabei, diesen noch auszubauen.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

In Deutschland besteht seit Jahren ein Investitionsstau bei Neubau- und Modernisierungsmaßnahmen im Bereich der Infrastruktur, darunter Verkehrswege, Brücken, Kläranlagen, Kanäle, Kraftwerke oder die Energienetze. Hier wäre es wünschenswert, dass verstärkt Finanzmittel für diese Bereiche eingesetzt würden, um die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland sicherzustellen.

Insbesondere im Zusammenhang mit den ökonomischen Verwerfungen infolge der Coronapandemie bestünde damit die Möglichkeit, durch gezielte Investitionen die Wirtschaft anzukurbeln und zusätzlich eine bessere Basis für das Wirken kommender Generationen zu schaffen.

Die Nichterhaltung der Infrastruktursubstanz als eine Grundlage unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit führt langfristig zu deutlich höheren Belastungen als Ausgaben für eine rechtzeitige Instandhaltung und Modernisierung der entsprechenden Einrichtungen.

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

In meiner bisherigen Berufslaufbahn wurden mir in regelmäßigen Abständen Softwareschulungen sowie individuelle Weiterbildungsmaßnahmen ermöglicht, die ich auch selbst definieren konnte.

Nach wenigen Jahren wurde mir bei Sweco unter anderem die Vollzeit-Ausbildung zur internationalen Schweißfachingenieurin ermöglicht, die insgesamt 13 Wochen dauerte. Hiermit eröffneten sich mir wesentliche Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens. So konnte ich bereits schweißtechnische Überwachungen im Ausland betreuen und mir ein größeres standortübergreifendes Netzwerk innerhalb unseres international aufgestellten Unternehmens aufbauen.

Darüber hinaus hat mich eine interne Projektleiterschulung, welche modular aufgebaut ist, in meinen Projektleiteraufgaben sowohl in der fachlichen als auch kaufmännischen Projektabwicklung in umfassender Weise vorangebracht.

Auch in meiner Funktion als Ressortleiterin erhalte ich regelmäßig die Möglichkeit, meine fachspezifisch und führungstechnisch erforderlichen Schulungsbedarfe abzudecken.

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

Da ich mich schon seit meiner Jugend über die Pflanzenkunde informiere, bin ich sehr gerne in der Natur unterwegs und fleißig als Hobbygärtnerin aktiv.

Mit Familie und Freunden beisammen sein, bietet mir ebenfalls einen unverzichtbaren Ausgleich.

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