Fachbeiträge & Interviews
Samstag, 01. Oktober 2022
Ausgabe 7712 | Nr. 274 | 22. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Michael Putz: "Rasanter Fortschritt braucht Veränderungsmanagement."

# 15.06.2022

Michael Putz von der DeepUp GmbH: Software identifiziert unterirdische Leitungen - Change-Management in konservativer Baubranche besonders gefragt - Mehr Förderung für kapitalintensive Unternehmensgründungen erwünscht

Michael Putz

Michael Putz ist Gründer und Geschäftsführer eines Tech-Startups für den Tiefbau. Foto: DeepUp GmbH Michael Putz ist Gründer und Geschäftsführer eines Tech-Startups für den Tiefbau. Foto: DeepUp GmbH

Michael Putz ist Gründer und Geschäftsführer der DeepUp GmbH mit Sitz in Bonn.

Das Unternehmen hat eine Software für den Tiefbau bzw. Netz- und Kabelleitungsbau entwickelt, mit der unterirdische Leitungen und Gesteine via 3D-Technologie identifiziert werden können.

Beschäftigt werden aktuell 40 Fachkräfte, vor allem aus den Bereichen 3D, Georeferenzierung, KI und Cloud.

Was fordert Sie aktuell besonders in Ihrem Job?

Als Gründer und Geschäftsführer eines stark wachsenden Technologie-Startups sehe ich mich täglich mit zahlreichen technischen, organisatorischen, ökonomischen und finanziellen Herausforderungen konfrontiert.

Hierzu gehören insbesondere auch äußerliche Faktoren, wie die aktuelle, geopolitische Lage oder generelle Marktunsicherheiten, die insbesondere für unsere aktuellen Personalwachstumspläne nicht förderlich sind.

Glücklicherweise verfügen wir in unserer Organisation über eine große Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, um derartige Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig und warum? Was war Ihr bisheriger berufliche Höhepunkt?

Mittlerweile blicke ich auf über zehn Jahre berufliche und persönliche Erfahrungswerte als Fach- und Führungskraft bei verschiedenen Netzbetreibern zurück. Besonders reizvoll finde ich die Netzbranche, da hier mit den unterirdischen Versorgungsleitungen die Lebensadern einer jeden Industrienation geplant, gebaut, betrieben und gewartet werden, ohne die unser heutiges Leben und unser Wohlstand nicht möglich wären.

Bis heute war für mich die Gründung, der Aufbau und die Führung eines eigenen Unternehmens zusammen mit meinem Geschäftspartner Sinka Ismail, der zusammen mit mir Gründer und Geschäftsführer der DeepUp GmbH ist, einer der Highlights meiner Karriere. Wir revolutionieren den gesamten Bauprozess, um uns allen ein sicheres und zukunftsträchtiges Leben in einer boomenden Infrastrukturwelt zu ermöglichen.

Die Aufgaben im Bauwesen sind gewaltig und erfordern gut ausgebildete Fachkräfte. Wie können sich Unternehmen der Baubranche heute den Nachwuchs von morgen sichern?

Obwohl das Bauwesen einer der wichtigsten und größten Wirtschaftsmotoren auf der gesamten Welt ist, hängt die Branche anderen im Bereich der Digitalisierung stark hinterher.

Aus diesem Grund bin ich davon überzeugt, dass Digitalisierungsmaßnahmen dabei unterstützen können, die Arbeitgeberattraktivität im Bauweisen deutlich zu steigern. Die Nutzung neuartiger Technologien vereinfacht nicht nur die Prozesse auf der Baustelle, sondern erzeugt auch eine hohe Anziehungskraft für junge talentierte Fachkräfte.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: Um erfolgreich zu planen und zu bauen, kommt es in Zukunft darauf an, dass...

...sämtliche Leitungen unterhalb der Erde dreidimensional und zentimetergenau kartographiert werden und deren Informationen allen relevanten Akteuren einfach zugänglich gemacht werden.

Was bedeutet die Digitalisierung bzw. Automatisierung des Bauens für Sie? Welche technischen Potenziale und welche Grenzen sehen Sie?

Digitalisierung bedeutet in meinen Augen nicht, Einmessungen und Aufmaße auf Baustellen vor Ort manuell durchzuführen, deren Ergebnisse einzuscannen und diese dann wiederum händisch in historisch gewachsene IT-Landschaften zu überführen. Dies ist zeitaufwändig, teuer und sehr fehleranfällig.

Digitalisierung bedeutet für mich viel mehr. Mit der Nutzung neuartiger Technologien, wie zum Beispiel Künstlicher Intelligenz und 3D-Rekonstruktion, lassen sich gesamte Prozessketten von Grund auf neu gestalten. Abläufe können insgesamt schneller, kostengünstiger und in einer besseren Qualität abgebildet werden.

Ein rasanter Wandel oder disruptive technische Veränderungen sorgen natürlich nicht nur für Begeisterung, sondern können auch Ängste schüren. Change-Management (d.h. Veränderungsmanagement, Anm. d. Red.) ist insbesondere bei Menschen, die über mehrere Jahre in alteingesessenen Unternehmen in konservativen Branchen wie dem Bauwesen arbeiten, gefragt. Sie stehen Digitalisierungsmaßnahmen von Vornerein ablehnend und skeptisch gegenüber, anstatt sich über prozessuale Arbeitserleichterungen zu freuen.

Die Adaption von innovativen (Digital)-Ansätzen oder neuen Technologien erfolgt insofern nicht immer sofort, sondern benötigt einen Kulturwandel sowie Zeit und Geduld.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Aus Startup-Sicht sollten weitere lukrative Akzelerator-Programme und finanzielle Fördermöglichkeiten in Deutschland geschaffen werden, um kapitalintensive Unternehmensgründungen erfolgreich und nachhaltig bei ihrer Produktentwicklung unterstützen zu können.

Wie muss man sich heute weiterbilden, um morgen im Bauwesen noch bestehen zu können?

Wie zuvor angedeutet, wird die fortschreitende Digitalisierung die Arbeitswelt im Bauwesen ganzheitlich verändern. Aus diesem Grund kann ich jeden nur ermutigen, sich schon frühzeitig privat mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Neben klassischen Weiterbildungsmaßnahmen ist es oftmals hilfreich, an spannenden Digitalisierungsvorträgen aus der Startup-Szene teilzunehmen und regelmäßig Fachzeitschriften zu lesen.

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

Familie und Freunde sind ein starker Rückhalt in besonders stressigen Phasen des Gründerlebens.

Ansonsten helfen mir Ruhepausen, Spaziergänge an der frischen Lust und sportliche Aktivitäten dabei, den Kopf wieder freizukriegen.

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