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16. Jahrgang | Ausgabe 5821 | Nr. 209
Fachbeiträge für Bauingenieure » Nachgefragt bei
 
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Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst
 

Nachgefragt bei: Dieter Geiger

 

Dieter Geiger von der Geiger Ing.-GmbH & Co. KG - Jeder Bauingenieur tickt in seiner beruflichen Praxis anders. Arbeitsabläufe und Planungen gestalten sich, je nachdem, worauf der Einzelne Wert legt, unterschiedlich. Um den individuellen Eigenschaften erfolgreicher Ingenieure auf die Spur zu kommen und ihre Tipps und Hinweise für den Beruf für alle nutzbar zu machen, heißt es bei bauingenieur24 einmal im Monat "Nachgefragt bei ...". Bauingenieure und Experten ihres Faches liefern dabei im Interview aufschlussreiche Antworten zu unseren Fragen.

 

Dipl.-Ing. Dieter Geiger ...

Dipl.-Ing. Dieter Geiger hat 1966 das eigene Ingenieurbüro gegründet, welches sein Sohn, Dipl.-Ing. Christof Geiger, fortführt. Foto: Geiger Ingenieure Dipl.-Ing. Dieter Geiger hat 1966 das eigene Ingenieurbüro gegründet, welches sein Sohn, Dipl.-Ing. Christof Geiger, fortführt. Foto: Geiger Ingenieure

...ist Gründer, Senior-Geschäftsführer und Berater der Geiger Ingenieur-Gesellschaft mbH & Co. KG aus Bietigheim-Bissingen nahe Stuttgart.

Dass Unternehmen besteht seit 50 Jahren und realisiert schwerpunktmäßig Projekte im Geschosswohnungsbau sowie im Industriebau. Leistungen im Spezialtiefbau und im Bestandsbau runden das gesamtplanerische Portfolio ab.

Geiger verantwortet unter anderem die Prozesse der internen Administration und des Controllings.

 

Herr Geiger, was fordert Sie aktuell besonders in Ihrem Job?

Das große Thema für uns lautet aktuell BIM. Damit ist die zukünftige und langfristige Ausrichtung des Unternehmens eng verbunden. Wir arbeiten zwar, wie überall, schon lange digital, aber das nicht sehr intensiv. Alle Prozesse des Planens und Bauens auf eine Datengrundlage zu stellen ist zugegebenermaßen ein sehr hochgestecktes Ziel. Ich bin aber überzeugt, dass dies unumgänglich und letztlich auch für die Branche von Vorteil sein wird.

Bislang erkenne ich aber noch keine klaren KMU-Konzepte zum Thema BIM. Jeder erzählt einem etwas anderes. Wir suchen daher noch nach unserem eigenen Weg, was mindestens noch die erste Hälfte des nächsten Jahres beanspruchen wird. Ein erstes Pilotprojekt und die generelle Erstellung sämtlicher Pläne in 3D sind bereits im Gange. Die weiteren Fragen lauten: Welche Software nutzen wir? Wer schult unser Team in welchem Umfang? Wer hält im Unternehmen bzw. im jeweiligen Projekt die Fäden in der Hand, agiert also als "BIM-Manager"?

In letzterem Punkt sehe ich die ausführenden Bauunternehmen eher in der Lage, diese Koordinationsrolle zu übernehmen. Ich sehe nicht, dass wir uns dadurch in irgendwelche Abhängigkeiten begeben würden. Diese Befürchtung gibt es jedoch leider in der Ingenieurkammer Baden-Württemberg, wie ich in einer ihrer letzten Veranstaltungen erfahren musste.

Dort hieß es, die Planung und Ausführung müssten auch in Zukunft streng getrennt gehalten werden, was der BIM-Idee völlig entgegensteht. Ich meine, wir, die Planer und Ingenieure, sollten definitiv enger mit den Ausführenden zusammenarbeiten, uns mehr vernetzen und dadurch Reibungs- und Zeitverluste via BIM abbauen. Zusammenarbeit und Unabhängigkeit schließen sich keineswegs gegenseitig aus. Wir, d.h. alle am Bau Beteiligten, müssen Wege suchen und finden, um das Bauen wirtschaftlicher zu machen, denn Wirtschaftlichkeit ist das Optimum zwischen Qualität und Preis.

Ich bin Jahrgang 1937 und erlebe mit BIM nicht die erste technische und planerische Innovation. Wahrscheinlich handelt es sich diesmal um eine noch intensivere Neuerung als beispielsweise die längst abgeschlossene Umstellung auf CAD.

 

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig und warum?

Ich habe in den 1950er Jahren Maurer und Betonbauer gelernt. Mit der Arbeit in dem Beruf habe ich mir das Geld für ein Studium verdient, worin meine Mutter mich immer bestärkt hat. 1962 konnte ich so meinen Abschluss als Diplom-Bauingenieur machen. Während des Studiums habe ich bereits vereinzelte Aufträge bekommen und auch ausgeführt.

Nach zwei Jahren als angestellter Ingenieur habe ich dann mein eigenes Büro gegründet, was von jeher mein Ziel war. Bereits mein Großvater, von dem ich die ersten bauhandwerklichen Griffe gelernt habe, hatte seinerzeit ein eigenes Tiefbauunternehmen. Mein Sohn wiederum hat meine Nachfolge im eigenen Büro übernommen. Die Selbstständigkeit liegt mir und der Familie also im Blut.

Ich bin Unternehmer geworden, weil ich kein "Unterlasser" sein wollte. Das Risiko, sei es eine eventuelle Berufsunfähigkeit oder die fehlende finanzielle Sicherheit, habe ich immer ausgeblendet. Heute würde mir das wahrscheinlich nicht mehr gelingen. Wer es wagt, braucht möglichst schnell ein gutes Netzwerk mit Vertretern der Industrie, Architekten und Behörden, womit am besten schon während der Studienzeit begonnen wird. Wichtig ist dann ein organisches Wachstum, damit man langfristig leben kann.

Neben der frühkindlich geprägten Neigung zum Bauingenieurwesen wäre die Betriebswirtschaftslehre das zweite spannende Studium für mich gewesen, wozu es aber nie kam. Ich habe mir die nötigen Kenntnisse dennoch in regelmäßigen Fortbildungen angeeignet, sodass mir die Unternehmensführung all die Jahre erfolgreich gelungen ist.

 

Welche Wege geht Ihr Unternehmen in punkto Personalgewinnung bzw. Personalbindung?

Ich habe es eigentlich nie erlebt, dass gutes Personal einfach zu bekommen war. Ich erinnere mich, dass meine Kommilitonen und ich nach unserer Ausbildung direkt von den Unternehmen abgeholt wurden, die händeringend Leute suchten. Das Problem ist also alt.

Es hat sich mit der Zeit für unser Büro bewährt, neben Festanstellungen auch auf freie Mitarbeiter zu setzen. Dies bietet die Möglichkeit der flexiblen Überbrückung von wirtschaftlichen Engpässen. Die Zusammenarbeit ohne Festvertrag schließt eine enge und verlässliche Beziehung nicht aus. Einige unserer freien Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten regelmäßig für uns tätig.

In der Ansprache der Nachwuchskräfte geht heute mit Sicherheit kein Weg mehr an digitalen Plattformen im Internet vorbei. Dennoch nutzen wir ab und an Kollektivanzeigen in Printmedien, um dabei sowohl über interessante Projekte sowie freie Stellen in unserem Haus zu informieren. Für die optische Präsenz unseres Logos reizt mich die Werbung auf öffentlichen Videowänden. Dadurch lässt sich die Wahrnehmung unseres Unternehmens sicherlich steigern.

Neue Mitarbeiter dürfen sich bei uns auf ein intaktes Betriebsklima mit gelebter Transparenz und Offenheit freuen. Der Qualitätsstandard Planer am Bau sichert die professionellen Prozesse innerhalb der Firma, was einer schnellen Integration zugute kommt. Wir verfügen über einen jahrzehntelang gewachsenen Stamm an Kunden und Partnern, was eine langfristige Planungs- und Auftragssicherheit mit sich bringt.

Wichtig ist uns, dass jede neue Fachkraft bereit ist, den Weg in die digitale Zukunft mit uns zu gehen. Wir erwarten keine fertigen BIM-Experten, aber die Bereitschaft, notwendige Entwicklungsschritte mit zu tragen und voran zu treiben. Nie langweilige Projekte und die Aussicht auf eine spätere Unternehmensbeteiligung sind im Gegenzug Teil unseres Angebots an junge Ingenieure.

 

Auf wen hören Sie beruflich?

Ich pflege eine intensive Kommunikation mit allen meinen Mitarbeitern, Partnern und Kunden. Andere erfolgreiche Büroinhaber sind dabei immer meine Vorbilder gewesen. Als Maßstab gilt für mich seit jeher ein gut gefülltes Auftragsbuch, ermöglicht durch eine große Stammkundschaft.

Die fehlenden BWL-Kenntnisse habe ich als Jungunternehmer durch den Lehrgang einer Bank erworben. Bis heute weiß ich bereits mit Abschluss eines Quartals ziemlich genau über den Stand der Geschäfte bescheid, ohne die exakte Bilanz abwarten zu müssen.

 

In welche (Informations-)Technik investieren Sie wieviel?

Allein die Unterhaltung unserer Bestandssoftware, wozu Updates und Lizenzgebühren zählen, kostet uns etwa 15 bis 20 Tausend Euro pro Jahr. Darin enthalten sind noch keine Ausfallkosten und Seminarkosten für die Schulungen der Mitarbeiter.

Mit BIM werden wir garantiert noch einmal kräftig investieren müssen, doch die Richtung ist beschlossen, auch wenn die Orientierung für den genauen Weg noch etwas Zeit braucht. Wir sind bislang auch noch für etwaige Kooperationen offen. Wenn uns morgen jemand anruft und die Sache gemeinsam angehen will, sind wir dabei. Das richtet sich sowohl an alt vertraute als auch neue Partner. Aktuell praktizieren wir ein learning by doing, da wie gesagt noch keine fertigen Konzepte vorliegen.

 

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Ein konkreter und praxisbezogener Wunsch ist die politische Unterstützung des Holzbaus. Hier sehe ich aufgrund eines hohen Vorfertigungsgrades, den wachsenden Anforderungen durch die Verdichtung des urbanen Raums und der Nachhaltigkeit große ökonomische und ökologische Potenziale, was einige wenige Firmen bereits erkannt haben.

Leider ist das Bauen mit Holz aktuell rechtlich und planerisch so ziemlich das Komplizierteste, womit ein Bauingenieur sich beschäftigen kann. Hier braucht es eine stärkere Bewusstseinsbildung und schließlich durch die Politik klar festgelegte einfachere Standards, Tools und Regelungen.

Mein zweiter Wunsch geht weniger an die bestehende Politik als in Richtung der Ingenieure und Techniker selbst. Ich war als selbstständiger Bauingenieur 40 Jahre lang kommunalpolitisch tätig und habe dabei immer andere Vertreter unserer Branche vermisst. Das muss sich ändern, da sonst weiter über unsere Köpfe hinweg entschieden wird, was wir wie und zu welchen Konditionen in Zukunft leisten sollen.

Wer sich als Ingenieur um ein politisches Amt oder Mandat bemüht, der wird, anders als ein Lehrer zum Beispiel, dafür zwar keine Freistellung von seinem Beruf erhalten. Es ergeben sich aber immer Kontakte und Verbindungen, die dem eigenen Berufsstand und nicht zuletzt dem eigenen Unternehmen helfen. Das ist keine Kungelei sondern legitime berufspolitische Lobbyarbeit.

Um die Bedeutung des politischen Engagements zu verdeutlichen, hilft schon der Blick auf die Gründung der Ingenieurkammer Baden-Württemberg vor gerade einmal 26 Jahren. Damals ließ ein gewisser Lothar Späth, Spitzname "Cleverle", in der Diskussion um die neue Körperschaft des öffentlichen Rechts durchblicken, dass er befürchte, die Berufsgruppe werde dadurch zu stark und ihre Leistungen entsprechend teurer. Es kam dennoch zur Kammergründung, was heute ein Glück, aber eben keine Selbstverständlichkeit für die Ingenieure ist.

Politische Arbeit ist somit keine leichte, aber immer eine lohnende Aufgabe. Und meine Erfahrungen und Einblicke in die Parlamente haben mich eines in Bezug auf die Ingenieure gelehrt: Man achtet uns und unseren Sachverstand.

 

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

Fachliche Informationen erhalte ich durch Fachliteratur in Printmedien und im Web. Hinzu kommen einschlägige Veranstaltungen der Akademien der Ingenieurkammern, aber auch Kongresse und Fachtagungen anderer Anbieter.

Besonders erkenntnisreich sind für mich die regelmäßigen Erfahrungsaustausch-Kreise "Planer am Bau" des Berater-Team Bau, wo man sich mit Kollegen und Partnern trifft und ein klares Wörtchen miteinander spricht.

 

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

Das ist in erster Linie meine eigene, intakte Familie. Darüber hinaus habe ich stets auch die Sitzungen, welche für mich lange Zeit durch die erwähnte Feierabendpolitik anstanden, als eine gewisse Art der Entspannung vom Büroalltag empfunden.

Oft bin ich dort mit einem sorgenvollen Gemüt hineingegangen. Während der politischen Gespräche hat sich dann vieles relativiert, sodass ich hinterher wieder freier und gelöster in mein Büro zurückkehren konnte.

 
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