Fachbeiträge & Interviews
Mittwoch, 23. September 2020
Ausgabe 6974 | Nr. 267 | 20. Jahrgang
D.I.E. Baustatik Software - Einfach | Anders | Besser
Autor: Fabian Hesse
Herausgeber: bauingenieur24 Informationsdienst email-weiterempfehlendruckansicht

Nachgefragt bei: Dipl.-Ing. (FH) Andreas Müller

# 28.01.2020

Dipl.-Ing. (FH) Andreas Müller von der Thieken GmbH - Jeder Bauingenieur tickt anders. Arbeitsabläufe und Planungen gestalten sich, je nachdem, worauf der Einzelne Wert legt, unterschiedlich. Um den individuellen Eigenschaften erfolgreicher Ingenieure auf die Spur zu kommen und ihre Tipps und Hinweise für den Beruf für alle nutzbar zu machen, heißt es bei bauingenieur24 einmal im Monat "Nachgefragt bei ...". Bauingenieure und Experten ihres Faches liefern dabei im Interview aufschlussreiche Antworten zu unseren Fragen.

Dipl.-Ing. (FH) Andreas Müller ...

Dipl.-Ing. (FH) Andreas Müller ist als geschäftsführender Gesellschafter und Leiter im Bereich Tragwerksplanung & Bauphysik tätig. Foto: Thieken GmbH Dipl.-Ing. (FH) Andreas Müller ist als geschäftsführender Gesellschafter und Leiter im Bereich Tragwerksplanung & Bauphysik tätig. Foto: Thieken GmbH

...ist geschäftsführender Gesellschafter und Leiter im Bereich Tragwerksplanung & Bauphysik bei der Thieken GmbH im nordrhein-westfälischen Dorsten. Das Architektur- und Ingenieurbüro mit 40 Mitarbeitern ist neben vielen anderen Leistungsfeldern und Projektarten vor allem auf den Krankenhausbau spezialisiert.

Andreas Müller übt seinen Beruf als Beratender Ingenieur, staatlich anerkannter Sachverständige (saSV) für Schall- und Wärmeschutz, Sicherheits- und Gesundheitskoordinator (SiGeKo), Energieeffizienzexperte (KfW) sowie als Sachverständiger für Schäden an Gebäuden aus.

Herr Müller, was fordert Sie aktuell besonders in Ihrem Job?

Eine besondere persönliche Herausforderung, der immer mehr Bedeutung zukommt, ist neben immer steigenden fachlichen Anforderungen, wie BIM und sich ändernden Normen und Richtlinien, die Bindung und Führung der Mitarbeiter, unter anderem zum Stichwort Work-Life-Balance. Diese Dinge sind nicht zu unterschätzen und werden in den nächsten Jahren noch weiter an Bedeutung gewinnen.

Die Weiterbildung der Mitarbeiter und der Führungskräfte, um das Niveau des Büros aufrecht zu erhalten und zu steigern, erfordert ebenfalls viel Zeit und Aufwand und nicht zu vergessen, das tägliche Projektgeschäft.

Bei letzterem sind wir in der glücklichen Lage, breit aufgestellt zu sein. Neben dem Wohnungs-, Industrie- und Gewerbebau bearbeiten wir auch Bildungsbauten wie Schulen und Kindergärten und Bauten für das Gesundheitswesen.

Besondere Highlights sind hier im Krankenhausbau die Umsetzung eines OP-Umbaus an der Charité Universitätsmedizin in Berlin oder die Umsetzung eines neuen Kinder- und Jugendhauses in Bottrop für die Manuel Neuer Kids Foundation, welches wir momentan realisieren.

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig und warum?

Angefangen mit meiner Ausbildung zum Bauzeichner bin ich jetzt seit insgesamt 33 Jahren in der Baubranche tätig.

Wenn man fragt, warum, kann ich nur sagen, dass ich meinen Beruf als Berufung verstehe und auch nach dieser langen Zeit gerne ausübe. Vor allem die tägliche Abwechslung und Vielseitigkeit schätze ich sehr.

Welche Wege geht Ihr Unternehmen in punkto Personalgewinnung bzw. wie können sich Unternehmen der Baubranche heute den Nachwuchs von morgen sichern?

In Zeiten des Fachkräftemangels versuchen wir, unseren Nachwuchs selbst auszubilden, darunter sowohl Bauzeichner als auch kaufmännische Mitarbeiter. Wir bieten Schülern als den Auszubildenden von Morgen die Möglichkeit, Praktika zu absolvieren, und auch Umschülern bieten wir eine Plattform.

Studierende unterstützen wir durch das Angebot einer Nebentätigkeit, damit hier bereits Einblicke in die Praxis stattfinden. Wir unterstützen Bachelor- und Masterabsolventen im Zuge ihrer Abschlussarbeiten und bilden so auch den Übergang ins Berufsleben.

Unsere Mitarbeiter unterstützen wir bei Fortbildungen, darunter beispielsweise die duale Weiterbildung zum staatlich geprüften Bautechniker, aber auch bei diversen Fachfortbildungen.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass dies für uns der richtige Weg ist, den wir kontinuierlich weiterverfolgen müssen, um auch zukünftig die entsprechenden Fachleute für unsere Auftraggeber vorhalten zu können.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: "Um erfolgreich zu planen und zu bauen, kommt es in Zukunft darauf an, dass ..."

... man versucht, noch mehr auf die Wünsche der Bauherren und Auftraggeber einzugehen und Innovationen wie beispielsweise das Building Information Modeling umzusetzen, gleichzeitig aber auch bestrebt ist, die vorhandene Kompetenz im Unternehmen durch qualifizierte Mitarbeiter hoch zu halten.

Hier helfen bei der Lösung der täglichen Aufgaben auch die geordneten Strukturen eines Qualitätsmanagementsystems wie zum Beispiel dem QM-System nach Planer am Bau.

Am langen Ende lässt sich die erfolgreiche Planung an der Zufriedenheit der Auftraggeber und der Einhaltung von Kosten, aber auch an der erfolgreichen Umsetzung von Wünschen messen.

In welche Technik investiert Ihr Unternehmen? Wie digitalisiert sind Sie dabei?

Wir investieren regelmäßig in aktuelle Software und Hardware. Neue Technologien wie BIM, 3D-Renderings, 3D-Druck und Videobrillen binden wir in unsere tägliche Arbeit mit ein. Tablets gehören mittlerweile schon zum Alltag.

Wir sind neben einem eigenen Internetauftritt auf Facebook und Instagram vertreten. Auch diese Kanäle wollen bespielt werden. Wir merken gerade am Rücklauf durch jüngere Kollegen und in der Mitarbeitergewinnung, wie wichtig dies ist.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Ich bin selbst in der Kommunalpolitik aktiv und ein wesentlicher Wunsch wäre, dass man den beherrschenden "Regulierungswahn", der an vielen Stellen herrscht, eindämmt. In der Baubranche gilt das beispielsweise für immer komplizierter werdende Bauvorschriften und Normen.

Exemplarisch will ich hier die Energieeinsparverordnung der letzten Jahre oder die Europäisierung der Normengebung nennen. Leute die wie ich schon seit Jahrzehnten in der Baubranche tätig sind, werden bestätigen, dass das Planen und Bauen immer komplexer geworden ist. Inzwischen kann man teilweise "normalen" Bürgern ohne das entsprechende Hintergrundwissen gewisse Verordnungen und auch die Sinnhaftigkeit dahinter nicht mehr erklären.

Wünschen würde ich mir auch, dass man wieder sachlich und logisch argumentiert und nicht populistisch unterwegs ist. Das gilt in der großen Politik wie in der Kommunalpolitik.

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

Meine individuelle Weiterbildung ist schon aus dem Grunde gesichert und vorgeschrieben, da ich beratender Ingenieur bin, Mitglied der Ingenieurkammer Bau Nordrhein-Westfalen und Hessen und als Sachverständiger für Schall- und Wärmeschutz fungiere. Hier sind Fortbildungen zwingend vorgeschrieben und müssen in regelmäßigen Zeitintervallen nachgewiesen werden.

Des Weiteren bildet man sich auch täglich durch die anstehenden Aufgaben weiter, da gerade in der Baubranche der Spruch "Man lernt nie aus" wie in keiner zweiten Branche gilt. Neue Entwicklungen, wie oben beschrieben, müssen fortlaufend in die Arbeitsabläufe integriert werden.

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

Da es sich im Wesentlichen um einen "Schreibtischjob" handelt, treibe ich zweimal die Woche Sport im Fitnessstudio und gehe regelmäßig joggen.

Darüber hinaus trägt auch meine Familie dazu bei, dass ich zur Ruhe komme und gewisse Themen auch aus anderen Blickwinkeln betrachte. Das ist nicht nur Ausgleich vom stressigen Büroalltag, sondern hilft auch bei der täglichen Arbeit.

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