Fachbeiträge & Interviews
Dienstag, 16. Juli 2019
Ausgabe 6539 | Nr. 197 | 18. Jahrgang
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Nachgefragt bei: Helmut Beyer

# 25.10.2016

Helmut Beyer von der Max Bögl Stiftung & Co. KG - Jeder Bauingenieur tickt in seiner beruflichen Praxis anders. Arbeitsabläufe und Planungen gestalten sich, je nachdem, worauf der Einzelne Wert legt, unterschiedlich. Um den individuellen Eigenschaften erfolgreicher Ingenieure auf die Spur zu kommen und ihre Tipps und Hinweise für den Beruf für alle nutzbar zu machen, heißt es bei bauingenieur24 einmal im Monat "Nachgefragt bei ...". Bauingenieure und Experten ihres Faches liefern dabei im Interview aufschlussreiche Antworten zu unseren Fragen.

Helmut Beyer ...

Helmut Beyer ist als Zentralbereichsleiter für den Ingenieurbau des Bauunternehmens Max Bögl in Süddeutschland verantwortlich. Foto: Max Bögl Stiftung & Co. KG Helmut Beyer ist als Zentralbereichsleiter für den Ingenieurbau des Bauunternehmens Max Bögl in Süddeutschland verantwortlich. Foto: Max Bögl Stiftung & Co. KG

...ist Leiter des Zentralbereichs Infrastruktur innerhalb der Firmengruppe Max Bögl.

Das 1929 gegründete Bauunternehmen erwirtschaftet einen Jahresumsatz von circa 1,6 Milliarden Euro. 6.000 Mitarbeiter an 35 Standorten realisieren speziell Projekte in den Bereichen Hochbau, Infrastruktur und Energie.

Beyer verantwortet den Bereich Ingenieurbau in Süddeutschland.

Herr Beyer, was fordert Sie aktuell besonders in Ihrem Job?

Eine besondere Herausforderung sind für mich zurzeit die Infrastrukturprojekte der Deutschen Bahn. Die Filstalbrücke (NBS Ulm-Wendlingen) bei Mühlhausen im Täle zum Beispiel ist als semiintegrales Brückenbauwerk mit einer Höhe von circa 80 Metern und bis zu 115 Metern Spannweite die größte technische Herausforderung in meiner gesamten Laufbahn. Hier bin ich froh und dankbar, dass wir bei Max Bögl die unterschiedlichsten Fachabteilungen mit schier unbegrenzter Fachkompetenz zur Verfügung haben, um die Bauaufgabe zu lösen.

Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Aurachtalbrücke bei Emskirchen, die uns sowohl technisch als auch terminlich sehr fordert. Wie bei vielen Projekten der Deutschen Bahn gibt es auch hier detaillierte Zeitvorgaben für die unvermeidlichen Eingriffe in den laufenden Schienenverkehr. Die Einhaltung dieser Zeitvorgaben ist für uns Ehrensache.

Wie lange sind Sie schon in der Branche tätig und warum?

Im September 1985 begann ich meine Lehre als Maurer - ein ehrliches Handwerk mit guten Berufsaussichten und einer guten Bezahlung. Das hat mich schon als Schüler gereizt. Und ich habe es bis zum heutigen Tag nicht bereut. Meine beiden Söhne befinden sich derzeit in einer Ausbildung im Baugewerbe. Vielleicht war mein Werdegang für Sie ein positives Beispiel.

Mit dem Erlernen eines Bauberufes stehen Menschen mit Freude am Bauen und dem nötigen Ehrgeiz viele Wege offen - sogar bis ins Management eines großen Baukonzerns. Und die Aussichten sind glänzend: Wohnungsnot, Niedrigzinsniveau, Investitionsprogramme des Staates – alles deutliche Anzeichen für eine stabile Konjunktur.

Welche Wege geht Ihr Unternehmen in punkto Personalgewinnung?

Junge Menschen für Berufe der Baubranche zu begeistern ist heute schon eine der größten Herausforderungen und wird es auch in der Zukunft bleiben. Wir holen unseren Nachwuchs schon in den Schulen ab und begleiten dabei Informationsveranstaltungen aktiv. Wir bieten Jugendlichen Ferienjobs an und ermöglichen es ihnen im Rahmen von Berufsorientierungs-Praktika unsere 23 Ausbildungsberufe kennen zu lernen. Die Nachfrage hierzu ist sehr groß, mittlerweile nutzen circa 250 Schülerinnen und Schüler dieses Angebot pro Jahr.

Angehende Jungingenieure versuchen wir über die gesamte Studienzeit zu begleiten. Wir bieten Praktikumsplätze an, geben auch hier Gelegenheit für Ferienjobs und begleiten Bachelor- und Masterarbeiten. So bleibt oder entsteht die Bindung an Max Bögl, die wir uns wünschen. Viele meiner Kollegen sind genau diesen Weg gegangen. Sie konnten nach dem Praktikumssemester noch einige Zeit als Werkstudenten im Unternehmen verbringen und wurden anschließend in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen.

Sowohl die Gewinnung neuer Mitarbeiter als auch die dauerhafte Bindung unserer Mitarbeiter an das Unternehmen ist und bleibt ein unendlicher Prozess. Es bedarf des Förderns und Forderns, der Rücksicht und des Respekts sowie einem Handeln nach Führungsleitsätzen. Diese Punkte haben wir in unserer Unternehmenskultur festgeschrieben. Sie dienen dem Erfolg und sichern ihn letztendlich.

Auf wen hören Sie beruflich?

Einige Mitarbeiter sind mir wichtige Unterstützer und Ratgeber zugleich. Ohne sie könnte ich meine täglichen Aufgaben nicht erfüllen. Genau sie sind es, die jeden Tag "ihren Mann" stehen, Ideen einbringen und Verantwortung übernehmen. Ihre Meinung und auch Ihre Erfahrung sind mir sehr wichtig.

In welche (Informations-)Technik investiert Ihr Unternehmen?

Die Anwendung EDV-basierter Werkzeuge wird bei Max Bögl seit vielen Jahren groß geschrieben. In diesem Bereich empfinden wir uns als Vorreiter innerhalb der Baubranche.

Zurzeit bewegt und fordert mich die Vereinigung dieser Werkzeuge sehr. Mithilfe von BIM möchten wir an der Erarbeitung von allgemeingültigen Standards und Schnittstellen mitwirken, um diese Anwendungen in der Breite populär zu machen.

Planung, egal was oder wofür, wird in Zukunft ausschließlich modellbasiert erfolgen. Hier stehen Bauherren, Ingenieurbüros und Bauunternehmen absolut in der Pflicht. Nur so erzeugen wir durch modellbasierte Projektabwicklung den größtmöglichen Nutzen für alle.

Welchen Wunsch haben Sie an die Politik?

Da gäbe es viele Wünsche…! Am allermeisten bewegt mich das aktuelle Bauverhalten der öffentlichen Hand im Bereich der Straßeninfrastruktur. Momentan werden gigantische Investitionssummen bereitgestellt, um den lange Zeit verschlafenen Erneuerungsbedarf annähernd zu erfüllen. Dies ist grundsätzlich sehr lobenswert.

Allerdings gilt es, zu bedenken, dass wir an Autobahnen und Bundesstraßen vorwiegend nur zwischen März und November bauen können. Die Wintermonate sind immer noch für die meisten Bauprojekte tabu. Wenn man meint, dass das Arbeiten aufgrund des Verkehrs zu gefährlich oder bei Frost und Schnee nicht möglich sei, werden viele Baumaßnahmen eben erschwert und verlängert.

Für mich stellt sich die Frage, was wir, aufgrund solcher Vorschriften, mit unseren Mitarbeitern in den Wintermonaten machen sollen? Nach Hause schicken ist nicht möglich. Dass die Kollegen demgegenüber in den Arbeitsmonaten am besten rund um die Uhr zum Wohle der Allgemeinheit schuften sollen, geht ebenso nicht und wäre sicher auch nicht arbeitnehmerfreundlich.

Selbst in den Sommermonaten, wenn wir tatsächlich den Bau forcieren wollen, um schneller fertig zu werden, müssen unsere Mitarbeiter mit Spott und Hohn auf Baustellen rechnen, werden sogar noch beschimpft, weil die Urlaubsanreise gerade durch einen Stau im Bausellenbereich verlängert wird.

Meine Forderung an die Politik lautet deshalb ganz klar: Mit besserer Vorplanung und wintertauglicher Verkehrsführung kann und muss ganzjähriges Bauen ermöglicht werden. Dies würde generell das Image der Branche verbessern und wir würden sicher einige junge Menschen mehr für unsere Berufe gewinnen können.

Wie sieht Ihre individuelle Weiterbildung aus?

In den letzten Jahren habe ich an verschiedenen Seminaren und Schulungen teilgenommen, um sowohl meine fachlichen als auch sozialen Kompetenzen zu steigern.

Aus fachlicher Sicht ist die Einführung in eine neue Kalkulationssoftware und weitere Anwendungsprogramme zu nennen. Im persönlichen Bereich konnte ich mich durch Fortbildungen zu Führungs- und Kommunikationsthemen weiterentwickeln.

Welchen Ausgleich haben Sie zum Beruf?

Ich treibe ein bisschen Sport, hege und pflege mit meiner Familie unseren Garten und kümmere mich um alles, was mir meine Frau so aufträgt.

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